Krimi-Rezension: Tortillas, Tapas und Toxine

16 Minithriller mit Rezepten aus Spanien. Das bietet die 2014 erschienene Krimisammlung namens Tortillas, Tapas und Toxine aus dem Verlag Conte. Preis: 12.90 Euro. Qualität: sehr variabel.


von Tobias Büscher

 

Zunächst ein Lob an die Lektorinnen dieses Buches. Zwar steht dort versehentlich Galizien (Polen) statt Galicien (Nordwestspanien), doch ansonsten sind die Storys nahezu ohne Schreibfehler. Für die Inhalte selbst ist Herausgeberin Ingrid Schmitz verantwortlich. Ein schwerer Job. Denn Kurzkrimis brauchen Athmo, Charaktere und einen guten Plott - auf kaum zehn Seiten pro Story!

Gute Hunde, böse Machos

Die Geschichten spielen alle in Spanien und enden mit einem passenden Rezept. Doch gleich fällt auf: Manche der Autoren haben toxisch viel Sendungsbewusstsein. Nichts gegen Hunderetter und Wut auf Toreros. Aber  Die Pilgerreise von Lilo Beil ist so tierverliebt, dass ein Wauwau die Protagonistin sogar noch vor einer Vergewaltigung retten muss. Das Rezept dazu: Mandelkuchen aus Santiago.

Und in Der Ziegenbaron arbeitet sich Henrike Madest am spanischen Macho als solchen ab. Der erschießt sich beim Schlachten versehentlich selbst, weil ihm das Tier ein Horn in die Genitalien sticht. Eigentlich nicht schlecht, die Idee, nur grausam schlecht geschrieben. Das Rezept dazu: Ziegeneintopf.

Pinchos und Pointen

Gut dagegen ist Pinchos de Pollo von Autorin Heide Moor-Blank über den Horrortrip eines kautzigen Fotografen nahe Valencia. Die Sprache und die Bilder in der Geschichte stimmen. Olé. Auch die Herausgeberin erzählt die Story in ihrem Krimi All Inclusive gut und anschaulich. Wobei unklar bleibt, warum ein Mann mit Kaktusstacheln im Rachen umbedingt Schwimmen gehen muss ... Und dann gibt es noch den Kurzkrimi Rompeculos des Schauspielers Raoul Biltgen. Der hat offenbar zwölf Trauben gegessen in der letzten Sylvesternacht, denn dieser Text ist der eigentliche Glücksfall im Buch: abgedreht, die Geschichte, fast schon Krimi-Kabarett.

Unterirdisch: Die Knochenhand

Haarsträubend dagegen wiederum die Geschichte Die Knochenhand. Fade, dünn und unlogisch. Demnach kann eine Frauenleiche unter dem Sand von Formentera in nur wenigen Wochen bis auf die Knochen verwesen. Rekord! Das passende Rezept dazu: Katalanisches Stockfischpüree.


Fazit: Unter den 16 Kurzkrimis gibt es sehr große Qualitätsunterschiede. Die Rezepte an sich sind dafür einheitlich gut dargestellt. Nur eins hat uns gewundert. Trotz des Titels fehlt ein Tortilla-Rezept im Buch!

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