Telefónica: Buchrezension

Telefónica ist ein Roman von Ilsa Barea-Kulcsar über den Kampf  einer jungen Frau gegen die Franco-Truppen im Spanischen Bürgerkrieg. Als linke österreichische Journalistin hatte sie damals  im höchsten Gebäude Madrids für die Regierung Spaniens gearbeitet. Ihr spannendes Werk als Mix aus Fiktion und Dokumentation ist nach 70 Jahren noch einmal erschienen. Zum Glück.

Von Tobias Büscher

Was ist eigentlich spannender? Die Autorin oder ihr Roman? Das muss sich auch Georg Pichler gefragt haben, Professor für Deutsche Literatur an der Universität  Alcalá in Madrid. Er hat das Buch im Wiener Verlag Edition Atelier herausgebracht und ein Nachwort geschrieben, das man besser vorher liest. Dass der Wissenschaftler diesem Buch neues Leben eingehaucht hat, ist ein großer Verdienst. Von ihm stammt übrigens auch das Buch Kontroverse um den Bürgerkrieg

Verstehen, wie es war

Ilsa Barea-Kulcsar (1903-1973) hat im Herbst 1936 die linke Regierung in Madrid als Journalistin unterstützt. Sie war in dem Hochhaus Telefónica in der Zensurstelle für die Auslandspresse tätig. Das Buch hat sie nach der Einnahme durch die Franco-Truppen in England verfasst. Es handelt von einer jungen Journalistin, die in dem Turm arbeitet und die Belagerung miterlebt. Dabei wollte die Autorin erzählen, was in Madrid an der Plaza de España wirklich geschah, wie die Arbeit im Hochhaus verlief, wie erst die Munition knallte und dann die Bomben einschlugen. Der Roman ist eine Liebesgeschichte und eine Doku der damaligen Zeit zugleich. In Herdfordshire schrieb sie am 29. März 1939: „Bald wird man nicht mehr verstehen, wie es war“. Und das wollte sie verhindern. Dank dem Herausgeber verstehen wir nun noch einmal, wie es damals war. Als die Truppen Francos schließlich einmarschierten und die Kinder die Soldaten um Brot anbettelten.

Erst gegen Franco, dann gegen Hitler

Ilsa Barea-Kulcsar beschreibt sich in dem Roman also im Grunde selbst. Das machen die Intrigen und menschlichen Abgründe umso authentischer. Das Buch liest sich wie ein sachlicher Krimi, teils wie ein filmreifes Drehbuch. Der Leser sieht Menschen in der Gran Vía zusammenbrechen, hört die deutschen Junker-Bomber und spürt die beklemmende Stimmung im damals mit 143 Metern höchsten Turm Europas. Erstaunlich daran: Es sollte ihr erster und einziger Roman bleiben.

Es gibt einige Frauen, die durch den Bürgerkrieg berühmt geworden sind. Allen voran die Kommunistin Dolores Ibárruri alias La Pasionaria. Ilsa Barea-Kulcsar stammt aus einem ähnlichen Milieu. Als junge Österreicherin engagierte sie sich früh für die Sozialisten und Kommunisten. Sie hatte die fortschrittlichste Mädchenschule im Land besucht, schrieb bald für linke Blätter, lernte in den wilden 20ern intellektuelle Männer kennen und im Gefängnis von einer Mörderin, wie Spitzenklöppeln geht. 

Ihre Zeit in Madrid beschreibt sie auf 300 Seiten. Und auch danach setzte die spätere Funktionärin der SPÖ ihren Kampf gegen Rechts fort. Im Auftrag des BBC hörte sie im Zweiten Weltkrieg die Nachrichten der Wehrmacht ab. 

Das Buch erschien 1949 erstmals in der Wiener Arbeiter-Zeitung.