Modelabel Desigual: einst hipp, heute kult

Desigual: Wie ein spanisches Modelabel die Leute anzieht, das einst aus purer Laune heraus auf Ibiza entstand.

von Nadia Sattar

Das Leben lädt zum Feiern ein: Spaß, Sonne, Spontaneität. Thomas Meyer, lebenslustig, Anfang 20, verbringt einen Sommer auf Ibiza. Er verkauft T-Shirts und Jeans am Hafen. Er eröffnet einen kleinen Second-Hand Shop. Der Laden läuft gut, aber einmal bleiben viele Jeanshosen übrig. Was kostet die Welt? Ein paar Jeans zerreißen und daraus Jacken kreieren. Und plötzlich ist das die Designer-Welt. Touristen kaufen diese Jacken. Der Schweizer macht sich.

Desigual is not the same

Seine gute Freundin Isabel Coixet hat Fantasie. Sie arbeitet für die internationale Werbeagentur JWT und sagt: „Desigual is not the same“. Das wird der Slogan für das Poster: zwei nackte Druckfiguren. Das war Anfang der 1980er Jahre. Mittlerweile ist Isabel Coixet Regisseurin. Thomas Meyer hält sich im Hintergrund. Und so ist Manel Adell das aktuelle Gesicht von Desigual - wenn man überhaupt von Gesicht sprechen kann. Desigual braucht nämlich kein Gesicht. Desigual ist die spanische Modemarke.

Mode für Individuen

Junge Menschen kommen in Unterwäsche in das Geschäft und decken sich mit einem Lieblings-Desigual ein. Einfach so - weil Chef Manel Adell sich das so ausdenkt – und erleben das Desigual-Gefühl. Kürzlich erst in Berlin. Aber auch in New York. In Barcelona sowieso. Es ist aufregend neu. Wie das Design. Farbenfroh. Pink mit Gold, Blau mit Silber, Figuren, Pünktchen, Nähte … irgendwelche Stofffetzen, geschnitten, gerissen, zusammen genäht oder geklebt - nichts passt und doch passt alles. Das ist es, was  knapp 100 Designer aus aller Welt heute machen.

Ein Designer – Thomas Frederick – hat das ‚s’ verdreht. So wirkt das neue Logo noch pfiffiger. Endlich ein Kunstwerk aus vielen Händen mit Identifikationspotential. Die Suche nach sich selbst hat ein Ende. Die Welt ist verwirrend – hier vereint sich alles. Farben und Formen bekommen einen Hauch Sinnlichkeit und Lebensfreude, die im tristen Alltag und in Wirtschaftskrisen gefragt sind. Der Desigual Farbklecks macht’s möglich: der Mensch ist und bleibt Individuum.

Ausdruck macht Eindruck

Erstaunen überall. Ein bisschen was von Streetwear, ein bisschen Graffiti, ganz viel Freiheitsgefühl, 2900 Mitarbeiter aus 72 Nationen. „Aah“s und „Ooh“s kommen auch von Kollegen. Bald designt Couturier Christian Lacroix Wäsche und Strumpfhosen mit. Jacken, Hosen, Mäntel, Röcke, Kleider, Taschen und T-Shirts gibt es schon lange. Die Desigual-Kollektion für die Akrobaten von Cirque du Soleil 2011 ist auf jeden Fall gelungen. Rund 200 Geschäfte in Deutschland, Amerika, Frankreich, Japan, Spanien und weitere Verkaufsstellen in 65 Ländern könnten genug sein. Aber bei einem Jahresumsatz von über 500 Mio. Euro fängt der Spaß ja erst richtig an!

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