Soroya Sáenz de Santamaría, Regierungssprecherin Spaniens
Regierungssprecherin Spaniens, Foto: lamoncloa.gob.es

Soraya Saénz de Santamaría im Porträt

Soraya Saénz de Santamaría, ein Name wie ein spanisches Märchen. Und in der Tat, die Karriere der spanischen Vizepräsidentin scheint ebenso märchenhaft. Die dunklen Augen hellwach, die Körperhaltung aufmerksam. So sieht man die so genannte eiserne Lady Spaniens bei Parlamentsdebatten. Seit Herbst 2016 war sie in der Minderheitsregierung von Rajoy weiter im Amt, welches sie im Sommer 2018 durch ein erfolgreiches Misstrauensvotum der PSOE verlor. Dieses Porträt entstand zu ihrer Amtszeit.


Von Nadine Goutrié

Jung und konservativ ist Soraya Saénz de Santamaría (*10. Juni 1971). Sie gehört der Partido Popular an. Einigen alteingesessenen Parteimitgliedern ist sie allerdings nicht konservativ genug. So heiratete sie weder kirchlich noch in Spanien selbst, einem der katholischsten Länder Europas, sondern im Urlaub in Brasilien. Sie hat nicht einmal ihren Eid auf die Bibel abgelegt. Chica hieß sie früher. Doch schnell ließ das "Mädchen" ihre Kritiker verstummen, durch ihren Ehrgeiz und ihre beispiellose Karriere in der Politik. Dabei kam sie eher zufällig zu ihrer Partei, sie hatte sich schlicht auf eine Anzeige beworben. Zu diesem Zeitpunkt war sie 29, ausgestattet mit einem Abschluss der Provinzuniversität Valladolid als Jahrgangsbeste und seit eineinhalb Jahren als Staatsanwältin tätig.

Spaniens mächtigste Frau

Nach Madrid wollte sie, bestenfalls ins Regierungsviertel Moncloa. In welches politische Lager? Das war damals eher zweitrangig. Böse Zungen behaupten, sie sei eine opportunistische Karrierefrau. Doch so einfach ist es dann doch nicht.

Mariano Rajoy, damals Vizepremier im Kabinett von Regierungschef José María Aznar,  stellte sie als Rechtsberaterin ein und seitdem hat sie sich unentbehrlich gemacht. Hier muss wohl der Begriff ‚First Lady‘ neu definiert werden. Nicht die unterstützende Gattin an der Seite eines Staatschefs ist gemeint, nein, wortwörtlich die Frau Nr. 1 im Staate.

Zwar ist der Präsident Spaniens offiziell Rajoy, doch seine rechte Hand ist Señora de Santamaría. Geht es zu offiziellen Terminen wie ein Treffen mit Angela Merkel, so schickt der eher zurückhaltende Galicier gerne mal seine Vizepräsidentin, Regierungssprecherin und Präsidentschaftsministerin. Denn dies sind aktuell die drei Posten, die de Santamaría neben ihrem Dasein als Mutter und Ehefrau besetzt. Sie ist das Gesicht der Regierung und laut Wochenmagazin Die Zeit Spaniens mächtigste Frau.

Diszipliniert und ehrgeizig

Bemerkenswert ist sie allemal, wirft man einen Blick auf die Probleme ihres Landes. Staatsverschuldung, Arbeitslosigkeit, das bedeutet: Steuererhöhungen, Sozialleistungen kürzen, ebenso Bildung und Gesundheit und kaum noch Investitionen. Als Regierungssprecherin muss sie die neuen Sanktionen und Sparmaßnahmen dem Volk verkünden. Keine dankbare Aufgabe und schon gar kein Garant für Sympathien. Doch diese kleine Frau hat eine neue Sachlichkeit in das sonst von Gezeter dominierte Parlament gebracht. Selbst Kritiker zollen ihr mittlerweile Respekt für ihren Ehrgeiz, die Selbstdisziplin und ihr unglaubliches Gedächtnis. „Wir sind hier nicht zum Vergnügen“, soll sie kurz vor der letzten Wahl gesagt haben. Aber ihre Arbeit scheint ihr Freude zu machen, sie zu erfüllen. Den Haushalt macht übrigens ihr Mann.


Nadine Goutrié

Die Autorin

Nadine Goutrié ist graduierte Historikerin und Kunsthistorikerin. Nach einer wissenschaftlichen Publikation hat sie die Freude am journalistischen Schreiben gefunden.

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