Bären der Pyrenäen

Rund 20 Bären leben heute noch in den Pyrenäen. Der Importschlager aus Osteuropa nervt Schafhirten und inspiriert die PR-Manager der Gebirgswelt, die ihn gerne auch als Plüschtier vermarkten.

von Tobias Büscher

Je mehr über Meister Petz gesprochen wird, so scheint es, desto seltener wird er. Einst kam das Tier in den Pyrenäen nicht in Stoffform in die Kinderbetten, sondern als 250 kg schwerer Gegner vor die Flinte.

Besonders Schafhirten nahmen die Braunbären aufs Korn, die immer wieder ihre Herden aufmischten. Süß fanden sie die Bären wahrlich nicht. Treibjagden veranstalteten sie, schließlich konnten die ›Biester‹ den finanziellen Ruin bedeuten.

Oso Pardo auf Glanzbroschüren

Heute schmückt der Braunbär die Broschüren der regionalen Tourismusämter. Er ist zum Sympathieträger geworden, allerdings zu einem bedrohten, denn der Bestand hat sich alarmierend verringert.

Höhlenzeichnungen beweisen, dass die zottigen Bewohner in prähistorischer Zeit keine Seltenheit waren. Selbst 1937 zählte man in den Pyrenäen noch über 150 Exemplare, als sie in den Alpen längst ausgerottet waren. 1960 gab es nur noch 40, und heute sind es schätzungsweise 20, doch die Schätzungen sind vage.

Bärenschule in Ecré

Auch die Schausteller, die mit ihren dressierten Bären noch zu Beginn des 20. Jh. die Pyrenäen bereisten, um auf lokalen Festen aufzutreten, bemerkten den Schwund. In der einzigartigen Bärenschule in Ercé südöstlich von Saint-Girons wurden die Tiere so knapp, dass man sie aus den fernen Wäldern Russlands importieren musste.

Die Dressur der pyrenäischen wie osteuropäischen Artgenossen verlief so qualvoll, dass sie bald anstandslos auf den Hinterbeinen das Publikum grüßten, betrunkene Bauern oder Tänzer imitierten und anschließend mit der Baskenmütze das Geld einsammelten. Mit Maulkorb, versteht sich.

Angst vor Meister Petz

Gerade die Angst vor den Bären lockte das Publikum, zumal die Mär vom Bärenmenschen in den Tälern kursierte, der Menschenfrauen verführt und mit ihnen halbmenschliche Kinder zeugt. Allerdings hat man dem Bären auch weniger Drastisches angedichtet, und so gelten sie als Vorboten des Frühlings und spielen beim Karneval eine große Rolle.

Spät, hoffentlich nicht zu spät, nahm man sich der Tiere an. Die letzte Bärenschau fand 1953 in Comminges statt, und 1962 verbot man zum Ärger der Hirten die Jagd. Dennoch wurde erst 2004 wieder eine Bärin erschossen.

Gerissene Schafe, gerissene Schäfer

Für jedes gerissene Schaf wird seither eine Entschädigung gezahlt, die den Wert des Schafes übersteigt. Doch ohnehin ernährt sich monsieur l’ours lieber von Vegetarischem (80 %) als von Fleisch (20 %). Auch im September 1997 wurden wieder Bären aus Osteuropa importiert, aus dem slowenischen Kocejve-Wald.

Doch dieses Mal hatte man sie nicht dressiert, sondern mit finanzieller Hilfe des Umweltschutzprogramms ›Life‹ versucht, die Population zu beleben. Als eine Tageszeitung später berichtete, das slowenische Bärenmännchen Pyros habe im Aran-Tal 14 Schafe gerissen, war man froh: Der Hirte wegen der Abfindung und die Bärenfreunde, weil Pyros noch lebte.

Überhaupt bringen Hirten so viele Anzeigen wegen gerissener Schafe vor, dass man sich um die Population von Meister Petz eigentlich gar keine Sorgen machen müsste. Und so prüft eine Kommission sehr gründlich, ob der Tatbestand des räuberischen Bärenüberfalls wirklich gewährleistet ist.

Fußspuren im Schnee, Haare im Zaun

Das Überleben der vereinzelt frei lebenden Bären ist keine Selbstverständlichkeit, denn die wenigen Sohlengänger in den Tälern Aran, Ossau und Aspe können jederzeit auch versehentlich von Jägern erschossen werden. Besucher werden die menschenscheuen Tiere ohnehin kaum sehen, obwohl sie bei der Futtersuche weite Wege zurücklegen.

Ab und zu findet man eine Fußspur im Schnee oder Haare im Drahtzaun, doch wer einen Bär von Nahem beobachten will, sollte einen Tierpark besuchen. Dort haben die Braunbären inzwischen wieder lernen müssen, wie man bei der Bitte um Futter Männchen macht.

Auch die Hirten scheinen sich mit Meister Petz auszusöhnen: Sein Fußabdruck ziert heute im französischen Ossau-Tal (Bärental) ausgerechnet Schafskäse!Cabárceno - Europas größtes Bärenschutzgebiet

Der Naturpark Cabárceno liegt 15 km von der kantabrischen Hauptstadt Santander in Nordspanien.

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