Galicien: Auf Fischfang mit Kapitän Javier

Fisch aus Galicien isst ganz Spanien, auf dem kulinarischen Speiseplan ist er sehr gefragt. Wer einige Stunden mit den Fischern unterwegs ist, erfährt viel über ihr hartes Leben.

 

Eine Reportage von Tobias Büscher

Nacht auf einem Fischerboot in Nordwestspanien
Netze einholen vor Sonnenaufgang © tb

Es ist noch stockdunkel. 6 Uhr morgens auf der "Vendaval". Gefühlte 32 Möwen schreien gegen den Schiffsmotor an. Das Meer ist ruhig. Und Anke bleich. Die Wiesbadenerin hat in O Grove eine Bootsfahrt gemietet, raus aufs Meer, davon hat sie schon immer geträumt.

 

Ab O Grove fahren wir los

 

Vom Fischerdorf O Grove bis vor die galicischen Ons-Insel werden wir fahren und so einmal acht Stunden lang eine ganz typische Arbeitsschicht der marineros miterleben. Und danach eine Seezunge essen, wie sie gerade noch im Netz hing. Zwei Magentabletten hat die junge Journalistin geschluckt, allerdings ist die Sonne noch nicht aufgegangen, sodass sie das Ufer kaum sieht. Ihr wird unwohl, der Blick starr, der Magen dreht sich. Nach 45 Minuten übergibt sie sich. Und sofort geht es ihr besser.

Besucher eines Fischerboots in Galicien
Besucher lernen den Alltag der Fischer kennen © tb

Galiciens Kapitän und Crew aus Peru

Wir sitzen im hinteren Teil des Boots, dort, wo später die Netze aufgerollt werden. Wir, das sind zwei galicische und zwei deutsche Besucher, sowie die Schiffsmannschaft. Kapitän Javier Iglesias hat neben einem Galicier zwei Peruaner in seiner Mannschaft, wie so viele seiner Kollegen auch. Jetzt rauchen sie an Deck und erzählen, das Fischerleben in Peru sei ganz ähnlich, nur die Kälte im Winter auf dem Atlantik finden Victor und Hamilton gewöhnungsbedürftig. In ihrer Heimat fallen die Temperaturen auf See kaum unter 14 Grad. Dafür aber die Löhne, und so lassen sie sich gerne von den Galiciern abwerben. Je nach Fang verdienen sie hier im Monat bis zu 1200 Euro netto.

Kapitän auf seinem Fischerboot in Galicien
Kapitän Javier © tb

Knochenarbeit auf See

Noch haben wir Zeit, uns zu unterhalten, während es langsam heller wird und die Schiffslampen ausgeschaltet werden. Sobald die erste Boje der Vendaval erreicht ist, an der die Netze hängen, ist Schluss mit reden. Am Vortag haben die Männer das Netz ausgeworfen und hoffen, dass sich über Nacht möglichst viele Tiere darin verfangen haben. Dann beginnt die Knochenarbeit: Fisch und Schalentiere aus den Maschen holen und vor allem das Netz aufrollen, das hoffentlich nicht viel Schaden genommen hat.

Seebär auf Fischerboot in Galicien
Seebär in Aktion

Der Fischerverband Pescanatur

 

"Pescanatur" heißt die Organisation lokaler Fischerverbände, die hinter dem Projekt steht, Touristen mit auf die Boote zu lassen (vorübergehend nicht im Angebot, Stand 2015). Den Kapitän störte das nicht, im Gegenteil. Er bekommt 75 Prozent von jeder „Eintrittskarte“, und weil die Besucher bei Beginn der eigentlichen Arbeit im vorderen Bootsbereich sind, stehen sie auch nicht im Weg. Im Vorfeld haben wir unsere Schuhgröße angegeben und eine Kopie des Ausweises gefaxt, wegen der Versicherung. Nun tragen wir Gummistiefel, gelbe Gummianzüge und Sicherheitswesten.

 

Ruhiger als an der "Todesküste"

 

Doch Sorgen machen wir uns nicht, denn hier in den südlichen Rías (Fjörden) von Galicien ist der Wind viel harmloser als oben an der „Todesküste“, wo die Fischer weit härtere Bedingungen haben. Die Sonne brennt inzwischen, und das in einer Gegend, wo die Menschen einem spanischen Scherz zufolge schon mit dem Regenschirm zur Welt kommen.

Mann zeigt Fisch auf Boot in Galicien, Nordwestspanien
Dicker Fang

Das Netz einzurollen dauert gut 45 Minuten, danach hat der Kapitän wieder Zeit für ein Gespräch. Er zeigt uns die vorgelagerte Ons-Inseln, die unter Naturschutz steht und erzählt, wie wichtig eine gute Ausbeute für ihn ist. Wenn er in acht Stunden Fisch für mindestens 600 Euro zurück zum Hafen bringt, hat sich die Fahrt gelohnt. Denn er muss nicht nur die Mitarbeiter bezahlen, sondern auch die Verkäufer in der Fischhalle und die Bootswartung. Heute sieht es gut aus. Ihm ist ein 5 Kilo schwerer Steinbutt ins Netz gegangen. Das ist nicht nur kulinarisch wunderbar, denn der fast kreisrunde Speisefisch ist sehr wertvoll. Javier bekommt für ihn pro Kilo 30 Euro, 10 Euro mehr als für eine ebenso begehrte Seezunge, er weiß also jetzt schon, die Fahrt rentiert sich.

Muschelsammler an einer Südbucht in Galicien zeigt Venusmuschel
Auch an Land gibt es Kulinarisches

Der harte Job der pescadores

Manchmal reißen die Netze und alles ist umsonst. Doch als wir nach acht Stunden wieder an Land gehen, sind drei Netze eingeholt und die weißen Plastikschachteln randvoll mit wertvoller Ware aus dem Atlantik. Auch Anke freut sich, sie hat inzwischen längst wieder Hunger, auch wenn die Erde erst einmal schwankt an Land. Den bärtigen Kapitän und seine Crew fand sie richtig nett und ein paar spanische Vokabeln hat sie auch dazugelernt. „Seezunge“ heißt lenguado, „Steinbutt“ rodaballo und „hervorragend“ estupendo. Genau das rief Javier gegen das Schreien der Möwen an, als ihm sein erster Steinbutt vor die Nase kam.

Achtung: Der Service der Fischer von Pescanatur ist vorübergehend eingestellt. Wir informieren Sie, sobald die Ausflüge in Begleitung von Besuchern wieder aktiviert sind.

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