Spaniens Sternwarten und Observatorien

Historische Schriften und prähistorische Stätten zeugen davon, wie intensiv sich schon unsere Vorfahren mit den Sternen auseinandersetzten. Je fortgeschrittener die Technologie, desto genauer konnten sie den Weltraum beobachten. Neugier und Forschungsdrang stehen am Anfang der Astronomie und damit jeder Sternwarte. Auch die der Spanier, die für ihre Sternwarten und Observatorien berühmt sind.

Von Anne Urbschat

Im 18. Jahrhundert war es für spanische Seefahrer extrem wichtig, sich an den Sternen orientieren zu können. Auf Anraten des Seefahrers und Astronomen Jorge Juan gründete der Bourbonenkönig Carlos III. im Jahr 1753 das Königliche Observatorium Cádiz, das heutige Real Observatorio de la Armada. Hier sollten zukünftige Marineoffiziere das Navigieren erlernen. Spaniens älteste Sternwarte ist gleichzeitig die südlichste in Kontinental-Europa. Bis heute gehen alle Uhren in Spanien nach diesem Observatorium – sofern sie nicht verstellt sind.

Was sind Sternwarten und Observatorien?

In Observatorien beobachten Forscher verschiedenartige Phänomene, zum Beispiel seismische, meteorologische oder astronomische. Ein astronomisches Observatorium nennt man Sternwarte. Auf Spanisch heißt „Sternwarte“ daher auch passend „Observatorio Astronómico“.

Observatorio Astronómico Nacional

Der Bau des Real Observatorio Astronómico de Madrid neben dem Retiro-Park begann 1790. Der Architekt Juan de Villanueva entwarf später auch den Bau des Prado. Wilhelm Herschel steuerte ein Spiegelteleskop bei. Zunächst direkt dem König und dann dem Präsidenten der Universität unterstellt, ist das Madrider Observatorium seit 1912 Teil des Geografischen Instituts. Die Nationale Sternwarte gründete in den 1970er-Jahren das Centro Astronómico de Yebes. Hier entwickelt sie astronomische Instrumente und koordiniert Aktivitäten an Teleskopen. Sie betreibt ein 14-m-Radioteleskop, das wichtigste Instrument dieser Station, sowie zwei optische Teleskope und ein Sonnenteleskop. Schwerpunktmäßig beteiligen sich die Forscher auch am IRAM. Auf dem Calar Alto betreibt sie ein 1,5-m-Teleskop. Die drei Standorte Madrid, Yebes und Calar Alto bilden zusammen das Observatorio Astronómico Nacionál (OAN).

Observatori Fabra in Katalonien

Die Königliche Akademie der Wissenschaften und Künste in Barcelona präsentierte 1885 den Plan zur Errichtung eines Observatoriums auf dem Monte Tibidabo. Der Hobby-Astronom Camil Fabra, eigentlich Industrieller, Politiker und Schriftsteller, übernahm die Kosten. Das Observatori Fabra öffnete 1904 seine Türen, zwei Jahre nach dem Tod des Sponsors. Erster Direktor wurde Josep Comas Solà, der ebenfalls Amateur war und in La Vanguardia zahlreiche Artikel zur Astronomie veröffentlichte. Das Gebäude steht nach wie vor, auch die Originalinstrumente befinden sich noch dort. Aktuell ist die astronomische Arbeit hier auf  die Astrometrie von Kleinplaneten und helleren Kometen beschränkt. Warum? Weil der Blick über der Millionenmetropole Barcelona weniger klar ist, als man wünschen könnte.

Der beste Standort für eine Sternwarte

Was ist wichtig beim Bau einer Sternwarte? Klare Sicht! Ideal sind erhöhte Positionen, denn möglichst wenig soll den Blick ins All trüben. Mögliche Störfaktoren: Licht (bei Nacht), Wolken, Luft- und Lichtverschmutzung. Daher sind Metropolen wie Barcelona für einwandfreies Beobachten ungeeigneter als auf den Kanaren.

1904: Jesuiten beobachten Weltraum

Das Observatori de l'Ebre (Roquetas, Tarragona), 1904 von Jesuiten gegründet, beschränkt seine astronomische Arbeit auf die Beobachtung der Sonnenaktivität. Dr. Ignacio Tarazona Blanch gründete im Jahr 1909 die Sternwarte der Universität von Valencia (Observatori Astronòmic de la Universitat de València). Diese ist damit die erste universitäre Sternwarte Spaniens und betreibt zurzeit zwei Forschungsteleskope auf der Beobachtungsstation in Aras de los Olmos. Das Observatorio Ramón María Aller gehört zur Universität von Santiago de Compostela. Von ihrem Namensgeber 1943 gegründet, ist es auf die Erforschung Doppelsternen spezialisiert.

Centro Astronómico Hispano-Alemán

Der Calar Alto ist der höchste Berg der Sierra de los Filabres in der Provinz Almería, Andalusien. Das trockene Klima hier begünstigt astronomische Beobachtungen. Nur selten sind Nächte wolkenverhangen. Das fiel auch den Deutschen auf und so entstand hier ab 1973 das Deutsch-Spanische Astronomische Zentrum, oder Centro Astronómico Hispano-Alemán, je nachdem, von welcher Warte aus man spricht. Der spanische CSIC (Consejo Superior de Investigaciones Científicas)  und die deutsche Max-Planck-Gesellschaft teilen sich also Besitz und Betrieb. Juan Carlos I. eröffnete das Zentrum 1979. Von mehreren Teleskopen ist das 3,5-m-Teleskop das bedeutendste, das unter einer 43 Meter hohen Kuppel untergebracht ist.

Warum haben die Sternwarten Kuppeln?

Das Äußere eines Observatoriums hat jeder vor Augen: Eine weiße Kuppel oder mehrere auf einer Anhöhe. Die Kuppel beherbergt ein Teleskop und schützt es vor Wind und Wetter. Wenn das Fernrohr ins Weltall gerichtet wird, öffnet sich diese Kuppel und lässt sich auch drehen.

Sterne beobachten in der Sierra Nevada

Auch auf dem Pico de Veleta in der Sierra Nevada findet man die typischen weißen Kuppeln einer Sternwarte. Seit 1981 betreibt das Astrophysische Institut Andalusiens hier das Observatorio de Sierra Nevada. Auf 2896 Metern Höhe, direkt im Skigebiet. Das Instituto de Radioastronomía Milimétrica IRAM baute von 1980 bis 1984 ein 30-m-Radioteleskop – ebenfalls auf dem Pico Veleta, auf einer Höhe von 2850 Metern. Die beiden Nachbarobservatorien öffnen jeden Sommer ihre Türen für Besucher.

Sonnenteleskop GREGOR forscht auf Teneriffa

Schon 1964 entstand auf Teneriffa das Observatorio del Teide. Als eines der ersten internationalen Observatorien zog es Forscher und Teleskope aus aller Welt an. 2400 Meter über dem Meer beobachten Astronomen und Astrophysiker hauptsächlich die Sonne. GREGOR, das neueste Sonnenteleskop der Sternwarte, wurde 2012 eingeweiht.Klare Sicht über den Wolken und keine Lichtverschmutzung – die reine Atmosphäre und die sternenklaren Nächten auf dem Roque de los Muchachos auf La Palma bieten beste Voraussetzungen für astronomische Forschungen. Mehrere Wissenschaftler und Staatsoberhäupter waren zugegen, als das spanische Königspaar 1985 das Observatorio del Roque de los Muchachos einweihte. Inzwischen befindet sich hier das GRANTECAN (Gran Telescopio Canarias), Europas größtes Weltraum-Spiegelteleskop. Zu dessen Einweihung steuerte Brian May – selbst auch Astrophysiker – eine Komposition bei.Die Teleskope und andere astronomische Geräte auf den Kanaren gehören 60 wissenschaftlichen Organisationen aus 17 Ländern. Zusammen mit den Ressourcen des Astronomischen Instituts der Kanaren (IAC) bilden diese das European Northern Observatory (ENO).

Spaniens größte Sternwarte ihrer Art

Die östlichste Sternwarte Spaniens befindet sich seit 1991 auf Mallorca. Das Observatori Astronòmic de Mallorca bildet seit 2001 mit dem Observatorium Piera und dem Observatorium Ametlla de Mar das Unicorn Project. Die mallorquinischen und katalanischen Astronomen erforschen Asteroiden und Kometen. Auf Mallorca ist der Sternwarte auch ein Planetarium angeschlossen. Das einzige in Europa, das Bilder von Teleskopen in Echtzeit projizieren kann.

 

Die Astronomische Vereinigung Spaniens betreibt nahe Sevilla zwei kleine Observatorien. Im Observatorio Astronómico in El Castillo de las Guardas von 1995 beobachten Studenten und Mitglieder der Vereinigung das Himmelszelt. Das Observatorio Astronómico de Almadén de la Plata bringt allen Bürgern astronomische Phänomene näher. Eröffnet 2007, ist es die größte spanische Sternwarte dieser Art.

Neueres Observatorium mit Schwerpunkt Galaxienevolution

In der katalanischen Serra del Montsec gibt es ebenfalls eine Sternwarte, an der Forschung und Lehre betrieben werden. Das Observatori Astronòmic del Montsec in der Provinz Lleida ist Teil des Parc Astronòmic del Montsec. Hier wie anderswo gibt es inzwischen robotische Teleskope: Von überall in der Welt können diese via Internet gesteuert werden. Neu 2015: Der Astronomiepark Montsec bietet zum Betrachten der Sterne einen Observatorium-Lehrsaal. Super an der Volkssternwarte ist das computergesteuerte Projektionssystem von acht Bildschirmen, das Bilder des Universums durch ein Teleskop von 50 cm Durchmesser aufnimmt. Eintritt tagsüber 8.50 €, nachts: 10 €.Am Südzipfel Aragóns befindet sich erst seit kurzem das Observatorio Astrofísico de Javalambre. Die CEFCA-Stiftung, die es betreibt, konzentriert sich auf die Schwerpunkte Kosmologie und Galaxienevolution. Sie legte eine guten Start hin: Im Oktober 2014 wurde das Observatorium als eine einzigartige wissenschaftliche und technische Einrichtung (ICTS) ausgezeichnet. Und das, obwohl sich der Bau noch in der Endphase befindet.

 

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