Comic-Ausschnitt aus Ardalén des spanischen Zeichners Miguelanxo Prado
Detail aus dem Buch Ardalén (c) Miguelanxo Prado / Represented by Norma Editorial, S.A., Spain

Ardalén: Comic aus Galicien von Miguelanxo Prado

Die Story des Comic-Stars Miguelanxo Prado spielt in einem galicischen Kaff in Nordwestspanien. Dort sucht eine Frau Spuren ihres nach Kuba ausgewanderten Opas und trifft auf den greisen Fidel. Der allerdings verwechselt Hügel mit Wellen und sieht in seinem Haus Fische fliegen. Der Band Ardalén bietet verstörende Bilder, gute Dialoge und einen beachtlichen Mix aus Wahn und Wirklichkeit.


Der EGMONT-Verlag traut sich was! Das Buch ist 255 Seiten dick, schwer und knapp 30 Euro teuer. Auf dem Cover steht Ardalén, Arda was? Und wer eigentlich ist Miguelanxo-Prado? Ein Mann, der für Ardalén den Preis für den besten Comic erhalten hat.

Comic-Zeichner Miguelanxo Prado
Miguelanxo Prado, der Comic-Zeichner

Comic-Star Miguelanxo Prado

Miguelanxo Prado (*1958 in Galicien) ist ein bei uns weitgehend unbekannter spanischer Künstler. Vor seiner Karriere als Comic-Zeichner arbeitete er als Architekt und Buchautor. Spanier sehen in ihm den Michelangelo der Comicszene. Aber auch viele Japaner lieben die oft düsteren Bilder. Auf Deutsch gibt es neben Ardalén noch die Titel Der tägliche Wahn sowie De Profundis.

Prado stammt aus der lichten Hafenstadt A Coruña. Doch sein Comic spielt in einem entlegenen Dorf mit wenigen Häusern und einer Dorfkneipe.

Düster, verstörend und sagenhaft ausdrucksstark

Genau dort im Hinterland spielt die Geschichte Ardalén, laut Prado eine galicische Windart. Die Story ist schnell erzählt: Der einsam lebende greise Fidel bekommt auf seinem Hof eines Tages Besuch einer Frau um die 40. Sie heißt Sabela und sucht nach Spuren ihres Großvaters, der um 1930 nach Kuba zog und seine Familie zurückließ. Sie glaubt, der alte Fidel habe ihren Opa vielleicht gekannt und ahnt nicht: Fidel hat sein Dorf nie verlassen. Dafür bringt ihm der Wind Ardalén aber Bilder. Von fliegenden Walfischen im Eukalyptuswald und auch von Sabelas Großvater nach seiner Überfahrt über den Atlantik. All die vielen Details lassen Sabela zweifeln und hoffen. Hat Fidel ihren Großvater vielleicht doch gekannt?

 

Ein alter Mann sieht ein sinkendes Schiff. Ausschnitt aus dem Comic Ardalén des Spaniers Miguelanxo Prado
Fidel sieht Bilder der Vergangenheit (c) Miguelanxo Prado / Represented by Norma Editorial, S.A., Spain

Zwischen Traumwelt und Emigration

Die Geschichte mag bekloppt klingen, doch sie ist es nur bedingt. Denn vieles im Comic hat sich tatsächlich zugetragen. Schon im 19. Jahrhundert bis in die 1930er Jahre zogen arme Galicier über den Atlantik nach Argentinien, Venezuela und Kuba. Aus dem Nieselregen und den dicken Granitwänden in die karibische Welt der Hitze und der Palmen. Die Galicierinnen bekamen dann oft Briefe und etwas Geld geschickt, dann immer weniger und schließlich war klar: Der Mann hat eine neue Familie und kommt niemals zurück in die düsteren Granitwände.

Doch auch die Traumwelten des alten Fidel sind denkbar. Denn wo das Gedächtnis streikt, werden die Bilder vielfältiger und Erfahrungen können sich mit Erzähltem mischen. Bei Fidel geht es noch weiter. Er sieht in seinem Haus nicht nur die reale Sabela, sondern auch Latina-Schönheiten, Matrosen, Haie und eine Fee.

Fundgrube für Galicien-Fans

Diese Gesichtsausdrücke, diese Körperhaltungen, diese Dialoge, Kaffeetassen und Balkone! Vor allem Galicienfans werden die Bilder von Miguelanxo Prado lieben. Er zeichnet nicht nur mit erstaunlich perspektivischer Finesse, auch die Dialoge sitzen. Und so bietet der Band auch noch eine Facette, die man ihm optisch gar nicht ansieht. Dieser Comic bietet sogar Komik. Ein echter Lesegenuss für lange Wintertage ... (tb)


Daten zum Buch

Titel: Ardalén

Autor: M. Prado

Spanisch seit 2012

Deutsch seit 2013

Verlag: EGMONT

Seiten 255

Preis 29,99 Euro

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Tipp aus unserer Redaktion

Klar, das ist Eigenwerbung: Denn der Band Galicien & Jakobsweg stammt aus unserer Redaktion. Anders das Buch eines Bekannten von Comic-Star Prado: Domingo Villar. Sein Krimi Strand der Ertrunkenen ist in Galicien ein Bestseller.

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