Adiós und Buenas Noches: Spaniens kuriose Ortsnamen
Wir Deutsche leben teils in Orten wie Sommerloch, Strick, Notschrei und Lieblos. Doch auch die Spanier sind brillant, wenn es um abgedrehte und kuriose Namen geht.
von Tobias Büscher und Alexander Gresbek (Illustrationen)
Das geht von gruselig bis streng religiös, von geschmacklos bis erotisch. In jedem Fall bleibt manchmal unverständlich, wie so manche Namen der insgesamt rund 8125 Dörfer entstanden sind. Warum nennt sich ein Kaff Aschenbecher? Warum um Himmels Willen heißt ein anderes Jesus-Ziege. Wir haben die schönsten Beispiele mal zusammengetragen.
Doch um einen Gefallen müssen wir unsere Leser bitten: Selfie am Ortseingang ist super, aber bitte keine Schildertrophäen mitnehmen. Die müssen ohnehin ständig neu angebracht werden, weil Pärchen sie gerne als Küchendeko klauen.
Schmutzfink: Guarromán
Guarromán in der südspanischen Provinz Jaén (Andalusien) klingt wie Schmutzfink (guarr = dreckig). Tatsächlich stammt der Name aber vom arabischen Wadi-r-rumman, also „Fluss der Granatäpfel“.
Die knapp 3000 Einwohner haben daraus das Beste gemacht: Guarromán ist (kein Scherz) Sitz der Internationalen Vereinigung der hässlichsten, seltsamsten und kuriosesten Ortsnamen (Asociación Internacionál de Pueblos con Nombres Feos, Raros y Peculiares del Mundo).
Ajo und Pepino: Knoblauch und Gurke
Der Ortsname Ajo in Kantabrien bedeutet Knoblauch. Der kuriose Ort ist schon im Jahr 923 in einem Dokument der Kathedrale von Oviedo (Asturien) aufgetaucht. Über den Grund dieser Namensgebung kann man nur spekulieren. Angeblich heißt er Ajo, weil man dort früher so viel Knoblauch aß, dass der Geruch weit über das Dorf hinweg durch die Luft schwebte.
Pepino wiederum liegt in der Mancha und bedeutet Gurke. Spanien produziert pro Jahr fast 800 Millionen Kilo Gurken. Die Nachfahren des Don Quijote produzieren allerdings hauptsächlich Wolle, Wein und ausgerechnet Knoblauch. Die meisten Gurken bei uns im Supermarkt stammen aus Andalusien.
Und warum dann Pepino? Dem örtlichen Rathaus zufolge stammt er von einem reichen Bauern namens Alfonso Pepino. Das weiß auch das örtliche Rathaus. Das ist ungefähr so, als hätte man Oggersheim in Kohl umbenannt.
Höllen auf Erden: Los Infiernos
In der südspanischen Region Murcia gibt es nicht eine Hölle, sondern gleich mehrere. Los Infiernos. Beunruhigend, findet sogar das Lokalblatt La Opinión Murcia.
Die Redakteure dort glauben sogar, dies sei der düsterste Ortsname im Land. Außer für Heavy Metal-Fans und Totenkopfträger.
Cenicero: Aschenbecher
Cenicero in der Rioja bedeutet Aschenbecher. Die rund 2000 Anwohner sind allerdings vor allem Winzer. Der Name stammt vermutlich von den Ascheresten, die Schafhirten bei ihren Winterlagern hinterließen. Der winzige Ort hat eine Stierkapnfarena und ziemlich wenig rauchende Bewohner.
Es gibt dort sogar eine Radioschule. Im Innern ist rauchen verboten.
Villasexmir: Sechs Emire
Villasexmir (Valladolid, Kastilien) hat zwar das Wort Sex im Namen, ist aber trotzdem ein inzwischen fast ausgestorbener Ort nahe Valladolid. Einst war es, damit hier bloß keine Missverständnisse aufkommen, unter den Mauren eine kleine Stadt (villa) der sechs Emire (sexmir).

Meadero de la Reina: Pinkelbecken der Königin
Meadero de la Reina(Cádiz, Andalusien) bedeutet Pinkelbecken der Königin. Laut Ortslegende musste Königin Isabella II. auf einer Kutschfahrt dort einen dringenden Stopp einlegen. Ihren Lebensabend verbrachte die später entthronte Isabella dann aber in einem etwas berühmteren Ort weiter nördlich: in Paris. Über die Anzahl der Toilietten in ihrem Stadtpalais ist nichts bekannt.
Vorlage fürs Dorffest: Bailo
Bailo bedeutet so viel wie Ich Tanze. Doch die meisten sind weggetanzt. Nur noch knapp 300 Bewohner gibt es dort im nordspanischen Aragón.
Doch die können vor lauter Party gar nicht mehr geradeaus blicken. Von der Junggesellenfiesta Damas y Galanes (6. Januar) bis zur Wallfahrt San Nicolas (6. Dezember) gibt es insgesamt elf Dorffeste. Lieblingstanz ist dabei der Jota Aragonés.
Jesus Ziege: Cabra de Santo Cristo
In der andalusischen Provinz Jaén liegt der Ort Cabra de Santo Cristo. Die knapp 2000 Bewohner haben sogar eine eigene Burg: Castillo de Cabra de Santo Cristo. Und eine Kirche namens Unsere Jungfrau der Hoffnung. Und eine Klinik namens Misericordia, einen Schachclub und Verbena-Feste.
Die Anzahl der lokalen Ziegen soll bei über 300 liegen.
Cariño: Schatz
Cariño nahe A Coruña bedeutet „Liebling/Schatz". Der Fischerort an der sogenannten galicischen Todesküste (Costa da Morte) ist ein liebenswerter Küstenort auf einem Felsvorsprung in Nordwestspanien drei Kilometer vom Kapp Ortegal entfernt: Bunte Häuser, urige Tavernen gibt es. Und ab und zu verirrt sich auch ein Besucher. Nur wo der Name herkommt, weiß keiner so genau.
Brazatortas: Kuchen-Umarmer
Einen Ort namens El Pito (Asturien), was nach Pfeife klingt, ein Ort namens Folloso (Kastilien-León), was an follar erinnert (Sex haben) und Seno (Teruel), was so viel bedeutet wie Busen. Noch kurioser aber wirkt Brazatortas (La Mancha), was nach Kuchenumarmer klingt, allerdings von einem vorrömischen Begriff für Tal (braza) und Flusskurven (tortus) stammt.
Mieser Start: Malpartida
In der Provinz Plasencia heißt ein Ort tatsächlich Malpartida. Die gut 4000 Bewohner stellen dem Vernehmen nach besonders gute Ledertaschen her.
Der Legende nach heißt der Ort aus reiner Faulheit so. Die Anwohner hatten keine Lust mehr, acht Kilometer bis zur Messe in der Stadt Plasencia zu laufen. Also klauten sie einfach die Heiligenstatue San Juan Bautista und stellten sie bei sich auf. Damit war Schluss mit dem miesen Start.
Guasa und Triste: Scherz und Trauer
Guasa in der nördspanischen Region Aragón bedeutet „Witz/Scherz". Nur etwa 50 Einwohner hat der Ort noch. Und die sind es leid, dass Touristen sich ständig grinsend vor dem Ortsschild fotografieren.
Etwas weniger oft fotografieren sie den Ort Triste nur 50 km entfernt. Triste heißt traurig (tres tristes tigres).
Hosenverkäufer: Venta de Pantalones
In der nordandalusischen Provinz Jaén gibt es so viele Olivenbäume wie sonst nirgends auf der Welt. Aber kein Ort dort heißt Olivenverkäufer. Hosenverkäufer aber schon.
Ärger gab es in der Vergangenheit bereits, als ein Brite dort hinkam, um im Outlet günstig Hosen zu kaufen. Er hatte sich Venta de Pantalones einfach per Googletranslator übersetzen lassen. Und reichte Klage ein. Dem Vernehmen nach ohne Erfolg.
Der winzige Ort mit der Postleitzahl 23669 hat nur wenige Hundert Einwohner. Trotzdem bringt es Venta de Pantalones im Ranking der abgedrehtesten Orte oft unter die Top Ten.
La Hija de Díos: Gottestochter
La Hija de Dios ist ein Dorf in Kastilien. In „Die Tochter Gottes" leben noch rund zwei Dutzend Familien. Und die verwalten in mehr als 1200 Meter Höhe das astronomische Zentrum von Ávila wenige Kilometer weiter nördlich. Dort wo einst Teresa von Avila lebte. Die war zwei keine Tochter Gottes, dafür aber die wohl berühmteste Nonne Südeuropas.
Vilapene: abgeschraubte Ortschilder
Kaum ein Ort in Spanien bekommt derart oft Schilder abgeschraubt wie Vilapene in der Provinz Lugo. Besonders beliebt ist das Ortsschild an der Einfallstraße DP-17-02 bei Junggesellen-Abschieden und als Hochzeitsgeschenk. Inklusive Gruppenbild auf facebook.
Mit vollem Namen heißt der Ort Santa Maria de Vilapene. Vilapene heißt wörtlich Penisstadt.
Lusche am Herd: Malcocinado
Es gibt Orte in Spanien, die heißen Melone (Melón), Zwiebel (Cebolla) und Olivenöl (Aceituna). Und einer heißt Schlecht Gekocht (Malcocinado). Ausgerechnet im Land der Spitzenköche wie Ferran Adrià, Berasategui und Juan Mari Arzak.
Die knapp 380 Anwohner an den Ausläufern der Sierra Morena in Andalusien werden ihrem Ruf allerdings nicht gerecht. Ihre Spezialitäten sind geschmortes Lamm und Tortilla.
Peleas: Prügelei
Peleas de Arriba / Peleas de Abajo (Zamora, Kastilien-León) bedeutet Prügeleien oben und Prügeleien unten. Die zwei Nachbardörfer gibt es wirklich, ganz anders als Villariba und Villabajo aus einer Waschwerbung der 1990er Jahre.
Na dann Buenas Noches
Buenas Noches ist eine Ortschaft nahe Estepona in Andalusien. Dort, wo die Sonne relativ spät untergeht. Die Bewohner sollen allerdings genau so feurig tagsüber sein wie der Rest der Südländer. Aber irgendwann muss ja mal Schluss sein.
Im fernen Navarra in Nordspanien heißt ein Kaff passenderweise dazu so: Adiós.
Und was gibt es noch für kuriose Ortsnamen?
Correpoco (Kantabrien) – „Lauf wenig" bzw. „Lauf langsam".
Calamocos (León, Kastilien-León) – Klingt wie „herabhängende Popel". Der Name kommt vom lateinischen „Calamaucum" (Mitra) und bezieht sich auf die Form der umliegenden Berge.
Alcantarilla (Murcia) – „Kanaldeckel". Über 40.000 Einwohner, Name kommt vom arabischen Al-Qantara (Brücke).
Villaviciosa (Asturien) – Klingt nach „Lasterhaftes Dorf". Tatsächlich eines der hübschesten Dörfer Asturiens, bekannt für Apfelwein (Sidra).
Guarros (Almería, Andalusien) – „Die Schweine/Die Dreckigen"




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