Overtourism: Barcelonas Hotels werden teurer
Ab dem 1. April, kein Scherz, steigen die Preise für Luxushotels in Barcelona um 15 Euro. Dort sind pro Jahr zehnmal mehr Gäste unterwegs als Nachbarn. Nur stellt sich die Frage: Was soll das?
Von Tobias Büscher
Overtourism beklagen die Anwohner Barcelonas seit Jahren. Inzwischen gehen sie aus Protest sogar mit Böllern und Wasserpistolen auf die Straße. Weil pro Jahr so viele Besucher kommen wie nach Venedig und in das gesamte Land Marokko: 16 Millionen.
Dabei hat Overtourism weniger mit zu günstigen Hotelpreisen zu tun als mit Airbnb. Die Folge: Immobilienbesitzer vermieten lieber an Besucher statt an alleinerziehende Mütter, Studenten und Arbeitssuchende. Auch anderswo passiert das, in Valencia, Sevilla und Santiago de Compostela beispielsweise.
Spaniens Verbraucherschutzminister Pablo Bustinduy (42) spricht sich daher für ein hartes Vorgehen gegen die Plattform aus, allerdings relativ moderat im Vergleich zu den Aufklebern im Zentrum Barcelonas: „Wohnraum jetzt, Fuck Airbnb“.
Güell statt Greta
Teurere Übernachtungen werden ohnehin nichts ändern an den Schlangen vor dem Güell-Park. Kreuzfahrtschiffe landen auch in diesem Jahr in Barcelona en masse, Kulturtrips sind kurz vor der Fertigstellung der berühmten Sagrada Famila beliebter denn je.
Die meisten kommen mit dem Flugzeug für ein Wochenende und fluten die Ramblas. Und überhaupt: Greta war gestern.
"Terror Tourism"
Barcelonas berühmte Tageszeitung La Vanguardia hat daher den britischen Erfolgsautor Andy Robinson beauftragt, ein Buch über die touristische Blütezeit nach Covid zu schreiben. Hat er auch. Titel des Bandes: „Terror Tourism“.
Robinson lebt nicht etwa auf einer einsamen Insel, sondern mitten im Madrider Stadtviertel Lavapiés. Er meint, dass die boomende Reisebranche unvereinbar sei mit Naturschutz, Stadtflair und lokaler Kultur. Allein steht er mit dieser Ansicht nicht.
Jetzt ist es natürlich leicht, sie alle zu kritisieren, die profitverwöhnten internationalen Hotelketten, die Kreuzfahrtschiff-Manager und Pauschalreise-Anbieter. Dabei sind sie keineswegs der Kern des Problems. Sondern wir selber. Weil wir laut Statista zwei bis dreimal im Jahr Urlaub machen. Gerne auch dort, wo es mit dem Auto zu lange dauern würde.
Und was heißt das jetzt? Fliegen ist schön? Ja, und ab und zu völlig in Ordnung. Doch weniger fliegen wäre noch schöner. Auch für ein eigenständiges Barcelona. Man wird ja mal träumen dürfen, oder? Vielleicht schreibt Andy Robinson ja bald noch ein Buch.
Titel: „Allein unter Nachbarn“.
Eckenbrüller: “Ich würd so gern mit Dir allein, pauschal auf einer Insel sein."


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