Winzerstadt Haro in der spanischen Rioja

Die Kleinstadt Haro (12.000 Ew.) liegt am Ebro-Fluss mitten im wichtigsten Weingebiet der Rioja. Die offizielle Winzerhochburg Spaniens hat 116 Bodegas, einen Platz des Friedens und Ende Juni eine nicht ganz so friedliche Party: eine Weinschlacht.

Von Tobias Büscher

Die Anwohner Haros lassen überhaupt keinen Zweifel daran: Mögen doch in der Rioja-Hauptstadt Logroño die besseren Beamten sein, wir haben den Ruhm. Tatsächlich ist die batalla de vino fast so berühmt wie die Tomatenschlacht am spanischen Mittelmeer.

Los geht es jeden 29. Juni um 10 Uhr morgens im nahe gelegenen Riscos de Bilibio. Aus Behältern für Läusebekämpfung spritzen die Teilnehmer mit Rotwein um sich, und zwar mit nahezu so viel Litern, wie Haro Einwohner hat. Selbst die Dorfkapelle San Felices bleibt da nicht weiß.

Ruhiger Ort in toller Lage

Mit der Weinschlacht in Haro ist es ungefähr so wie mit dem Stiertreiben in Pamplona. Kann auf dem Reiseplan stehen, muss aber nicht. Denn Pamplona ist außerhalb der Sanfermines eine coole Stadt ohne Müll, Haro auch.

Die Lage am Ebro haben schon die Römer geschätzt, wie Archäologen herausgefunden haben. Im Hochmittelalter entwickelte sich Haro dann zur waschechten Handelsstadt auf halbem Weg zwischen Kastilien und dem Baskenland.

Die Landwirtschaft boomte, der Weinanbau war dabei schon damals besonders wichtig.

Mit der Eisenbahn kam der Weinboom

Stichtag für den zukünftigen Wohlstand der Kleinstadt war der 23. Mai 1863, als ein Geistlicher die erste Zugfahrt auf der Strecke Bilbao-Miranda-Haro segnete. In dieser Zeit entstanden bereits die ersten großen Bodegas, die heute jeder Weinkenner kennt, darunter Muga und Roda. 

Einen Steinwurf von Haro entfernt liegt entsprechend das hochmoderne Weinmuseum Vivanco. Auf 4000 Quadratmeter sind 8000 Jahre Geschichte ausgebreitet und es gibt sogar Platz für 3500 Korkenzieher.

Haro liegt 40 km westlich von Logroño und hat durch die vielen zugezogenen Arbeiter und die guten Kontakte zu Frankreich ein fast schon internationales Flair. Wobei sie im Ortskern aussieht wie alle kleinen Rioja-Orte: Auf dem Plaza de la Paz (Friedensplatz) spielen die Kinder, deren Großeltern gerade durch das Barockportal der Kirche Santo Tomás spazieren. 

Das Gewerbegebiet liegt im Barrio de la Estación, also dem Viertel rund um den Bahnhof. Dort sind auch alle namhaften Bodegas angesiedelt, schon wegen der kurzen Transportwege.

Allein das Mittagsmenü ist eine Reise wert

Wer mittags in Haro ist, sollte einmal eines der ganz einfachen Restaurants in Bahnhofsnähe besuchen. Es gibt ein dreigängiges Menü mit Fisch und Fleisch und vor allem den besten Rotwein gratis dazu. 

Woher aber kommt der Name Haro?

Burgos kommt von Burg, Granada vom Granatapfel, aber was bedeutet nur der Name Haro? Sprachwissenschaftler vermuten, von Faro, also Leuchtturm. Mag sein, wobei der Winzerort 100 km vom Atlantik entfernt im Landesinnern liegt.

Aber was heißt das schon. In der Domstadt Köln steht sogar ein Leuchtturm. 250 km vom Atlantik entfernt.