Delfin vor der Kanareninsel La Gomera
Delfin vor La Gomera, tb

Gomera: Wale und Delfine

Sanfte Begegnungen mit den Walen und Delfinen vor La Gomera sind ein fantastisches Erlebnis. Ein Bootsausflug.

 

„Delfines“, - ein kurzer Ruf des Skippers, alles bewegt sich nach vorne zum Bug. Der Motor läuft leer, wird leiser, das Boot gleitet. Da -  vier – nein acht – Rückenflossen eng nebeneinander! Versetzt zum Rhythmus der Wellenkämme tauchen sie auf und ab. Ein leichtes Sprühen kleiner Fontänen – gleichmäßiges Atmen! Noch mehr Flossen, hier kurz ein Auge, da eine Zahnreihe – verständnisvolles Synchronschwimmen für ein Gruppenfoto? Dieses Mal sind es gar keine Delfine, sondern Indische Grindwale, die sich dem Boot neugierig nähern. Im ersten Augenblick Stille, dann setzt das Klicken der Kameras ein, das Stimmengewirr ... Mit etwas Glück bleiben die Wale eine Weile und der Skipper hält ein Mikro ins Wasser, damit seine Gäste staunend die quietschenden Laute der stimmbandlosen Walsprache hören können.

 

Einzigartiger Blick auf Wale und Delfine


Jede Begegnung mit Delfinen und Walen ist einzigartig. Und Gomera-Urlauber haben gute Chancen, sie wirklich zu erleben. Meeresbiologen beobachteten vor Gomeras Süd- und Westküste im Jahresdurchschnitt mit einer Wahrscheinlichkeit von 70 bis 80 % Meeressäuger. Das kanarische Archipel zählt zu den an Meeressäugern artenreichsten Gewässern der Welt. Insgesamt 21 verschiedene Walarten vom Orca über Finn- und Seiwale bis zu Rauhzahn- und Streifendelfinen und sogar die riesigen Pottwale sind direkt vor Gomera fotografiert, gefilmt und bestimmt worden; 26 Arten leben rund um die Kanaren. Dies entspricht fast einem Drittel der weltweit rund 80 noch existierenden Arten.

Sanftes Whale Watching

Massentourismus auf dem Meer wie vor der Küste von Teneriffa, wo täglich mehrfach bis zu 30 Boote mit bis zu 500 Leuten an Bord auf Delfinsafari gehen, gibt es auf Gomera zum Glück nicht. Für Delfintouren werden hier ehemalige Fischerboote eingesetzt. Sanftes Whalewatching lautet die Devise. Das ist nicht zuletzt ein Verdienst des gemeinnützigen Vereins M.E.E.R. e.V., der sich auf La Gomera seit über zehn Jahren für den ökologischen Waltourismus einsetzt. Meeresbiologen begleiten die Ausflugsboote vor Gomera regelmäßig und jeder Skipper kennt die wissenschaftlich erarbeiteten Regeln zum Schutz der Intimsphäre der fotogenen Meeressäuger: Die Boote nähern sich den Tieren möglichst leise und jagen ihnen nicht hinterher. Auch die Teilnehmerzahl an den Delfinfahrten ist begrenzt.


Whalewatching auf Gomera
Tanz im Wasser. Foto: Erwin Martin, Verleger von Delfine und Wale, siehe unten

Breite Rückenflossen, rundliche Köpfe

Am häufigsten zu sehen sind Große Tümmler (Tursiops truncatus), eine Delfinart, die ganzjährig vor La Gomera lebt.  Schon wesentlich scheuer ist die Population Indischer Grindwale (Globicephala macrorhynchus). Sie wird auf etwa 500 Wale geschätzt, die das Meer zwischen Gomera und Teneriffa ganzjährig bevölkern. Erkennbar sind die 4–6 m langen Tiere an ihrer rundlichen Kopfform, der breiten Rückenflosse und dem Blas, ihrer mit Wasser und Atemdampf angereicherten Fontäne. Den vielleicht schönsten seiner Art, den Gewöhnlichen Delfin (Delphinus delphis), bekommt man nur von Dezember bis Juni zu sehen. Danach begeben sich die geschmeidigen Tiere in großen Gruppen auf Wanderschaft. Als schnelle Schwimmer schaffen sie über 35 km/h und reiten manchmal in der Bugwelle der Fähren mit. Mit kräftigen Schlägen ihrer Schwanzflosse schaffen sie mühelos meterhohe akrobatische Sprünge.

Mobby Dicks Nachfahre: der Pottwal

Während Delfine spätestens alle 15 Minuten Luft holen müssen, hält Moby Dicks Nachfahre, der Pottwal, mit 1000 m und bis zu 90 Minuten unter Wasser den Tauchrekord. Pottwale werden zwischen 10 und 20 m lang und 30 bis 50 Tonnen schwer. Ihre Blaswolke steigt für wenige Sekunden 5 m weit in einem 45-Grad-Winkel schräg nach vorn auf. Im Gespräch mit den Delfinexperten an Bord oder bei Infoabenden im Hafenort Vueltas erfahren Interessierte alle gewünschten biologische Fakten: Für Biologen sind auch die Delfine Wale.  Alle „Waltiere” gehören zur Ordnung der Cetaceen. Sie wiederum ist in Zahnwale (Odontoceti)  und Bartenwale (Mystacoceti) unterteilt. Zu den Zahnwalen zählen die Delfinarten, aber eben auch Pott-, Grind- und Schnabelwale. Bartenwale gibt es nur ein knappes Dutzend. Dazu gehören u.a. die Sei- und Finnwale. Die zahnlosen Bartenwale haben aus ihren Gaumenfalten hornige Platten entwickelt, die bei der Nahrungsaufnahme wie Filter wirken: Mit geöffnetem Maul nehmen sie Wasser auf und pressen es wieder heraus: Krebse, kleine Fische und Krill bleiben hängen.

 

Walewatching vor La Gomera
vor der Küste La Gomeras

Große Tümmler, große Delfinfamilien

Die meisten Delfinarten leben in Familienverbänden und haben ein ausgeprägtes Sozialverhalten. Große Tümmler und andere Arten schließen sich in „Schulen" zusammen. Das sind Gruppen von zehn bis 20 Tieren – beispielsweise von Weibchen mit ihren Jungen. Milch bekommen Delfinkinder bis zu zwei Jahren dann nicht nur von der eigenen, sondern auch den anderen Müttern in der Gemeinschaft. Die männlichen Tiere jagen derweil gemeinsam meist nach Tintenfischen und Sardinen. Sie kreisen Fischschwärme ein und schnappen dann nach der aufgeschreckten Beute, ein Spektakel, dass auch Delfinforscher nur selten zu sehen bekommen. Als die kühnsten Jäger gelten die über 9 m langen Schwertwalmännchen (Orcinus orca). Und als listige dazu. Zu erkennen sind sie an ihrer außergewöhnlich hohen Rückenflosse, die manchmal weit aus dem Wasser ragt. Da sie große Fische und sogar Artgenossen und Pottwal-Junge angreifen, heißen sie im Volksmund auch Killerwale.

Forscher entdecken die Orcas

Während einer Untersuchung über die Akustik von Delfinen sichteten Forscher der Universität Tübingen vor Gomera schon vor Jahren durch Zufall Orcas. Dabei stellten sie fest, dass die Tiere auf der Jagd so gut wie keine Ortungssignale aussenden. Wahrscheinlich um ihre Beute nicht zu alarmieren!  Andere Wale wiederum nutzen ihr Unterwasser-Ortungssystem zur Nahrungssuche. Grindwale können ihr „Sonar“ abschalten, wenn sie ruhen. Der überdurchschnittlich sensible Orientierungssinn wird Walen und Delfinen aber auch häufig zum Verhängnis. Eine Überfrachtung der Meere mit Lärm, verursacht z.B. von Schiffsmotoren, Maschinen, Ölplattformen, militärische Übungen oder Sprengungen erschwert den Walen die Orientierung und kann auch ihr feines Gehör schädigen. Der ökotouristische Ansatz des sanften Whalewatchings trägt somit nur zu einem kleinen Teil zum Schutz der Tiere bei.

Veranstalter für das Whale Watching

Veranstalter in Kooperation mit dem Meer e.V.

Oceano Gomera, Whale Watching
in Vueltas, Apdo de Correos 43
38870 Valle Gran Rey
Öffnungszeiten: Mo–Sa 9:30–13 & 17–19 Uhr
Tel. 0034-922-805717

Mobil 0034-649-288852

Abfahrt an der Mole in Vueltas, Tourdauer 3–4 Stunden, Erwachsene 37 €, Kinder unter 12 Jahre 25 €, 10 Teilnehmer pro Delfinfahrt, Infoabende mit Diashow 8 €.

Mehr Infos zu Walen und Delfinen, Tierschutz und Forschung, bietet die Website des gemeinnützigen Vereins Meer e.V
Seit dem Jahr 2000 bietet der Verein auch Praktikumsprogramme für Biologiestudenten und angehende Walforscher.

 

 

Weiterführende Links

 

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