Seilbahn in Spanien auf dem Teide in Teneriffa
Auch die Seilbahn wie hier auf dem Teide auf Teneriffa hat ein Spanier erfunden, tb

17.05.2019

Was die Spanier erfunden haben

Wer hat´s erfunden? Der Spanier. Ok, die Briten haben die U-Bahn erfunden, die Zeitung und den modernen Fußball. Doch auch die Spanier sind geniale Erfinder. Die Seilbahn haben sie entwickelt, die Hirnforschung, den Wasserzähler, den Lutscher, den Kickertisch und vieles mehr.

Von Tobias Büscher

Nützliches für den Alltag, Wegweisendes für die Medizin. Dies sind die wichtigsten Erfindungen der Spanier im Laufe der letzten Jahrhunderte. Wobei einer gleich zwei Dinge aus der Hygiene erfand. Die Wegwerfspritze und den Wischmopp.

Anzug der Astronauten

Emilio Herrera Linares (1879-1967) hat den Vorläufer des Raumanzugs erfunden. Er war Minister der Exilregierung contra Franco, General und Erfinder. Und doch wurde er nie so berühmt wie sein Vorfahr Juan de Herrera, der als Architekt den Escorial gebaut hat, den Gigantenbau westlich von Madrid. Emilio Herrero kam allerdings weit höher hinaus. Der Experte für Internationale Raumfahrt und entschiedener Gegner Francos ließ sich 1933 seine Erfindung Escafandra Estratonáutica patentieren, ein spezieller Anzug für Flüge durch die Stratosphäre. In rund 20 km Höhe. Der Vorläufer für die Klamotten, die demnächst in ausgefeilterer Version Tesla-Gründer Elon Musk verwenden wird.

Autogiro: Vorläufer des Hubschraubers

Und gleich noch etwas für Flugbegeisterte. Der Pionier Juan de la Cierva (1895-1936) aus Murcia erfand ab 1920 den Tragschrauber mit rotierendem Schlaggelenk. Im Dezember 1924 schaffte es das Fluggerät bereits, 12 km von Madrid zum Flughafen Getafe zu fliegen. Vier Jahre später sorgte Cierva dann mit einem Flug in 1200 Meter Höhe über dem Ärmelkanal für Schlagzeilen. Er starb mit nur 41 Jahren beim Absturz eines Linienflugzeugs. Als Passagier.

Chupa Chups: der Lutscher

Konditorsohn Enric Bernat (1923-2003) aus Katalonien hat in den 1950ern die Chupa Chups Company gegründet, eine Firma für Lutscher. Dort, wo vorher eine marode Fabrik für Apfelmarmelade stand. Seine Drops am Stil sind bis heute ein Klassiker. Bernat kaufte vom Erlös der Einnahmen das Casa Battló von Gaudí in Barcelona. Er starb mit 80. Seine Söhne verkauften die Firma gleich nach seinem Tod an italienische Süßwarenhändler. Sie konnten die Dinger nicht mehr sehen.

A propos Gaudí. Der Surrealist hatte seinerzeit den Schriftzug Chups auf der Verpackung der Lutscher für seinen Freund Enric entworfen. Sichbar bis heute. In jedem besseren Kiosk.

Chupa Chups mit Gaudí-Schriftzug, der Lutscher aus Spanien
Chupa Chups mit Gaudí-Schriftzug, tb

E-Book: Der Vorreiter

Die mechanische Enzyklopädie stammt von Angela Ruiz Robles (1895-1975). Sie war drei Jahre jünger als Diktator Franco, starb im selben Jahr und ist vergleichsweise unbekannt. Dabei hat Lehrerin Angela in Galicien in Nordwestspanien großes vollbracht. Weil sie die Bücher ihrer Schüler im wahrsten Sinne des Wortes zu schwer fand, entwickelte sie 1949 die erste Version ihres „analogen E-Books“. Es war mit Lichtschienen und Spulen versehen, wodurch sich verschiedene Schriften zeigen ließen. Ein Modell davon steht heute im Technikmuseum in A Coruña: Museo Nacional de Ciencia y Tecnologia

Einmalspritze

Die feinnadelige jeringuilla desechable aus Plastik hat der Spanier Manuel Jalón (1925-2011) erfunden. Der Luftfahrtingenieur aus der Rioja revolutionierte damit die Krankenhauswelt. Plastikmüll ist das schon. Doch die Wegwerfspritzen erleichterten ab 1973 die Arbeit der Mediziner weltweit. Zuvor mussten sie die Spritzen immer sterilisieren.

Spanier spielt Gitarre beim Volksfest
Gitarrenspieler in Spanien, tb

Gitarre, Olé

Dünneres Holz, mehr Volumen. Der Andalusier Antonio de Torres (1817-1892) hat 1850 die Spanische Gitarre in ihrer heutigen Form erfunden und damit die Mandoline ersetzt. Zu seiner Zeit entstand die Flamencogitarre noch aus sehr günstigem Zypressenholz. Heute sind Palisander, Zeder und Fichte beliebt. Der Hals besteht oft aus Ahorn oder Mahagoni. Wirklich gute Guitarras kosten zwischen 2000 und 5000 Euro.

Hirnforschung: Blick in den Kopf

Als Hirnforschung der Extraklasse gilt der Arzt Ramón y Cajal (1852-1932). Er hat als erster die Zellen unseres Gehirns entdeckt. Wissenschaftlerin Kristel Martínez Lagunas hat ihn für uns porträtiert

Tischfussballer in Aktion
Kicker-Fans, tb

Kicker: Tischfußball

Der Dichter und Erfinder Alejandro Campos (1919-2007) aus dem galicischen Fischerort Finisterre hat sich 1937 als erster das Patent auf den Tischfußball gesichert. Im Spanischen Bürgerkrieg war er nach einem Bombenangriff der deutschen Legion Condor verletzt ins Krankenhaus gebracht worden. Der damals 17-Jährige und andere in seinem Alter konnten wegen der Beinverletzungen kein Fußball spielen. Wohl aber Tischtennis. Und dann kam ihm die Kombi-Idee: Tischfußball.

Seilbahn und Schachcomputer

Der Ingenieur Leonardo Torres Quevedo (1852-1936) aus Kantabrien war wohl der vielfältigste spanischen Erfinder. Sein Knaller war 1885 die erste Luftseilbahn. Später ließ er sie auch mit Motor fahren. 1910 entwickelte er den ersten Schachautomaten, bei dem eine Maschine selbstständig funktionierend mit König und Turm gegen einen Menschen antrat, der lediglich einen König hatte. 1911 ging auf seine Idee hin das Luftschiff Astra Torres in die Luft, eine Art halbstarrer Zeppelin, den er schon zehn Jahre zuvor entwickelt hatte.

Schachspieler in Ungarn
Schach ohne Maschine, Foto aus dem Magazin Stern von Tobias Büscher

U-Boot

Der Katalane Narcis Monturriol (1819-1885) war Ingenieur und Kommunist. Den Arbeitern, die er bei der gefährlichen Korallenernte beobachtete, wollte er helfen. 1885 stellte er das Unterwasserschiff Ictíneo I vor, auch Fisch-Schiff genannt. U-Boote gab es natürlich schon vorher, aber erst seit diesem Jahr mit Motorantrieb. Seine Arbeit ist im Meeresmuseum von Barcelona gut dokumentiert.

Wischmopp

Manuel Jalón, der bereits die Einmalspritze erfand, erfand 1964 auch den Wischmopp (fregona). Er bestand aus einem Plastikeimer, einem Plastikeinsatz zum Auswringen und dem Mopp selbst. Zunächst kam er in spanischen Krankenhäusern zum Einsatz und sparte viel Zeit bei der Reinigung der Zimmer, Flure und OP-Räume. Heute steht er in fast jedem Haushalt und dürfte sogar präsenter sein als das Telefon und das Bügelbrett. Übrigens gab es einen knapp 50 Jahre andauernden Rechtsstreit um die Erfindung des Mopps. Jalóns Mitarbeiter Emilio Bellvis reklamierte für sich, selbst der Erfinder zu sein. Der Prozess endete erst 2013 zugunsten von Jalón.

Und was haben die Spanier noch erfunden?

Was haben die Spanier noch erfunden? die Zigarre? den Kehlkopfspiegel? den Schnellzug? Wenn Sie es wissen, schreiben Sie uns an info(at)spanien-reisemagazin.de

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