29.07.2010

Adiós Stierkampf in Katalonien

Ab 2012 gibt es keine Stierkämpfe mehr in Katalonien. Das Parlament der ostspanischen Region sagt Nein zur Corrida. Aficionados aus ganz Spanien sind entsetzt.


von Tobias Büscher



68 Abgeordnete des katalanischen Parlaments setzten sich am vergangenen Mittwoch gegen 55 Gegenstimmen und 9 Enthaltungen durch. Ab dem 1. Januar 2012 dürfen damit in ganz Katalonien keine Stierkämpfe mehr stattfinden, die letzte verbliebene Arena in Barcelona wird geschlossen. Während Tierschützer und vor allem der Verein Prou! (es reicht!) jubeln, sind die Fans des Stierkampfs entsetzt: eine Tradition werde gebrochen, und ein wichtiger Wirtschaftsfaktor falle weg, so ihr Argument.



300 Journalisten beim "Nein zum Stierkampf"


von CNN bis BBC waren 300 Journalisten aus aller Welt in Barcelona vor Ort, um über die spektakuläre Parlamentsentscheidung zu berichten. Schon vor Jahren ist der Stierkampf auf den Kanarischen Inseln abgeschafft worden, doch auf dem Festland ist dies ein Novum. Katalonien gilt als ausgesprochen antizentralistisch, und so kann das Nein zum Stierkampf auch als Nein zu einer der wichtigsten historischen Traditionen des Landes gewertet werden. Bereits im 18. Jahrhundert fanden Stierkämpfe in Spanien statt. Als Wiege gilt die andalusische Stadt Ronda, als Hochburg heute die Arena Las Ventas in Madrid.



Hochburgen der Corrida: Andalusien, Navarra und Kastilien.

 

Während in Katalonien und besonders in Barcelona die Arenen selten gefüllt waren, sind sie es vor allem im andalusischen Städten wie Málaga und Sevilla ebenso wie in Madrid und Pamplona durchaus. 1000 Kämpfe finden nach wie vor im Jahr statt, rund 40 000 Arbeitsplätze hängen direkt von der Corrida ab. Dazu gibt kulturell viele Verbindungen. Goya hat Stierkämpfer portraitiert, ebenso wie Picasso, Pedro Almodóvar drehte den Film Matador und auch in der Sprache ist die Corrida mit vielen Begriffen verankert. Und schließlich gibt es außerhalb Kataloniens auch regelrechte Stierkampfschulen. Dort proben die Nachwuchs-Toreros an gehörnten Schubkarren.

 

 

 

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