Die glückliche Hand von Irulegi

Nach wie vor ist unklar, woher die baskische Sprache kommt. Doch vor wenigen Monaten haben Wissenschaftler der Öffentlichkeit eine Bronzetafel mit fünf Fingern gezeigt, auf der das baskische Wort für Glück stehen soll. Ist sie echt? Der Hype um die Hand ist jedenfalls so groß, dass inzwischen einige Firmen und Privatiers das Namensrecht beantragen.

Von Tobias Büscher

36 Gramm schwer, türkisgrau, weiße krakelige Schriftgravuren, nur einen Millimeter dick und aus dem 1. Jahrhundert vor Christi. Was aussieht wie eine zerkratzte geplättete Blechdose, ist möglicherweise ein Meilenstein in der Sprachforschung. 

Die Mano de Irulegi (Hand von Irulegi) haben Forscher des Unternehmens Aranzadi im Sommer 2022 auf einem Hügel nahe Pamplona bei Ausgrabungen gefunden.

Auf ihr steht das Wort Sorioneku, was ein Vorläufer des baskischen Begriffs Zorioneko („Glück“) sein könnte. Damit wäre es das mit Abstand erste schriftliche Dokument der baskischen Sprache, die ansonsten weitgehend mündlich überliefert wurde.

Sensation als Souvenir

Und schnell war offenbar vielen klar: Die Sensation wäre als Souvenir mindestens so attraktiv wie die Jakobsmuschel für Santiago oder das Michelinmännchen für die Reifenfirma. 

Kaum hatte die Regierung in Navarra am 14. November die Pressekonferenz zum Thema durchgeführt, kamen erste Fälschungen auf den Markt. Das Fundstück gehört der Lokalregierung, doch Firmen und Privatiers haben inzwischen das Markenrecht „Mano de Irulegi“ beantragt.

Der Streit darum dürfte andauern. Denn sogar die Forschergruppe der Firma Aranzadi beansprucht die Kommerzialisierung für sich. Den Antrag dazu hat sie laut El País 34 Minuten vor Beginn der Pressekonferenz eingereicht.

Navarras Regierung hat jetzt angekündigt, dagegen juristisch vorzugehen, die Hand auszustellen und jedem zugänglich zu machen. Das historische Erbe sei ein öffentliches Gut.