Spanien beim Impfen weit vorne

Die Regierung in Madrid meldet: 89 Prozent der Spanier über 12 Jahren sind geimpft, die dritte Dosis wird längst verabreicht. 30 Millionen Impfdosen spendet das Land bis Jahresende ins Ausland, vorwiegend nach Lateinamerika. Wie ist das möglich?

von Tobias Büscher

Noch im letzten Jahr machte Spanien Schlagzeilen wegen überfüllter Krankenhäuser und den höchsten Infektionszahlen in Europa. Die Guardia Civil war am Limit, die Krankenpfleger, die Intensiv-Ärzte. Deutsche Medien zeigten Krankenhauspersonal, das sich mit Mülltüten schützte und Turnhallen voller Särge.

Doch inzwischen haben die Iberer Deutschland bei der Pandemiebekämpfung deutlich überholt. Das zeigt auch eine Erklärung der Moncloa-Regierung in Madrid, die in unserer Redaktion gerade einging. Fakt ist: Bei uns sind laut WDR nur rund 70 Prozent geimpft. Warum ist das so?

Kaum Impfgegner im Land der Iberer

Madrids Regierung hat früher als unsere Landesminister den Lockdown beschlossen. Das Gesundheitssystem ist wegen der Einsparungen zwar am Limit gewesen, dafür ist es aber effizienter und zentraler organisiert

Regierungschef Pedro Sánchez hat immer wieder gepredigt: Impfen, impfen, impfen. Dabei ist er auf wenig Widerstand gestoßen und kaum jemandem auf den Nerv gegangen. Er führt eine Minderheitsregierung in einem kompliziert strukturierten Land. Doch er handelt effektiv im Vergleich zur bisherigen Großen Koalition und nächsten Ampelregierung, die gerade mit sich selbst beschäftigt ist.

Deutschland reagiert zögerlich auf die Bedrohnung, Spanien blickt voraus.

Aluhütchen, Nena und vor allem Waldorf-Philosophie spielen im Land zudem kaum eine Rolle. Während im deutschsprachigen Raum die Zahl der Waldorfanhänger beachtlich und laut Spiegel auch deshalb die Zahl der Impfgegner so hoch ist, gibt es in Spanien weniger Steiner-Schulen als das Land Provinzen hat: zwölf.

Und so könnte es schon bald neue Schlagzeilen geben wie diese hier: „Spanische Regierung warnt vor Reisen nach Oberbayern“.