Johanna die Wahnsinnige, 1877 gemalt von Francisco Pradilla y Ortiz, Bild aus dem Museo Nacional del Prado.
Johanna die Wahnsinnige, 1877 gemalt von Francisco Pradilla y Ortiz, Bild aus dem Museo Nacional del Prado.

Johanna die Wahnsinnige

Sie hätte die erste selbst regierende Königin Spaniens sein müssen. Nach der Entdeckung Amerikas sogar eines Reiches, in dem die Sonne nie untergeht. Stattdessen ist sie zur tragischsten Monarchin des Landes geworden. Die erst fünf Kinder in sieben Jahren auf die Welt brachte. Und dann auf Bestreben ihres eigenen Vaters und Sohnes für Jahrzehnte eingesperrt bleiben sollte. Bis zu ihrem Tod. Ein Wahnsinn im Vergleich zu den mentalen Auffälligkeiten der sogenannten Juana la Loca.

von Tobias Büscher

Was über Johanna (1479-1555) an Halbweisheiten kursiert, ist beachtlich. Und auch wenn die Quellen teils echt sind, muss der Inhalt nicht zwingend stimmen. Sie soll als kleines Mädchen bei der höfischen Ausbildung vor allem Pferde und Pfarrer gehasst haben. Sie soll sich rasend in ihren Ehemannn Felipe den Schönen verliebt haben. Und den Geliebten von Felipe die Haare geschoren haben. Eifersuchtsszenen in der Öffentlichkeit inbegriffen. Dann, als Felipe starb und sie den Leichnam nach Granada brachte (siehe Bild oben), hat sie angeblich ständig den Sarg geöffnet. Um zu sehen, ob der geliebte Gemahl die Augen schon wieder geöffnet hat. Kam sie auf dem Weg an einem Frauenkloster vorbei, war sie rasend eifersüchtig auf die Nonnen.

Später eingesperrt in einem Adelspalast von Tordesillas, soll sie auf dem Boden geschlafen haben, die Körperpflege vernachlässigt haben und so weiter. So als könne ein Mensch aushalten, was sie aushielt. Die Kinder statt in Kastilien im fernen Flandern gekriegt. Eins nach dem anderen. Den Mann verloren und von der Mutter als Erbin des Throns eingesetzt, weil ihre älteren Geschwister alle gestorben waren. Und dann haben sie der eigene Vater und der eigene Sohn regelrecht weggesperrt. Da dreht wohl jeder durch.

In jedem Fall ist das Schicksal von Johanna der Wahnsinnigen bester Stoff für Romane, Spielfilme und Historienschinken aus der Romantik. Und der Beginn der spanischen Monarchie mit eben Johannas Sohn Karl V. Der sie zunächst noch pro Forma Königin nannte. Und der dann selbst weltberühmt wurde. Als Herrscher über ein Reich, in dem die Sonne niemals untergeht ...

Karte nach der Entdeckung Amerikas in Tordesillas
Weltkarte aus der Zeit von Johanna der Wahnsinnigen, tb

Familiendrama um den mächtigsten Thron

Fakt ist: Johanna I de Castilla ist in einer Zeit geboren, als Spanien in Übersee bereits Peru, Río de la Plata und Cuba kontrollierte. Und als sich das Königreich Spanien etabliert hatte. Pikant: Sie war in der heutigen kastilischen Kleinstadt Tordesillas eingesperrt. Dort haben Portugiesen und Spanier unter Moderation des Papstes den sogenannten Vertrag von Tordesilla ausgearbeitet. Der die Macht der Spanier in Lateinamerika festigte. Hätte sie damals regiert, und die Erbfolge sprach eindeutig für sie, dann wäre sie so mächtig gewesen wie nie ein spanischer Monarch vor oder nach ihr.


Gefängnis der Johanna der Wahnsinnigen
Dieses Gebäude, in dem Johanna eingesperrt war, gibt es in Tordesillas nur noch als Modell in einem Museum, tb

46 Jahre Gefängnis

Isabella war die Tochter der sogenannten Katholischen Könige Isabella und Fernando. Isabella selbst hatte Johanna testamentarisch zur Nachfolgerin bestimmt, da die älteren Geschwister verstorben waren. Allerdings mit dem Zusatz, dies sei nur möglich, wenn sie dazu auch in der Lage sei. Und genau dieser Zusatz diente später als Beleg für den schon frühen Wahnsinn der Tochter.

De Facto ließ sie der Vater und später Sohn Carlos V von 1509 an bis zu ihrem Tod 1555 in dem Palast verkümmern, was der Maler Pradilla y Ortiz sich (siehe auch sein früheres Bild oben) dann so vorstellte:

Johanna mit ihrer Tochter als einzigen familiären Begleiter
Johanna mit ihrer Tochter Catalina als einzigen familiären Begleiter, Bild: Pradilla y Ortiz

Karl der Dumme

Die Geschichte von Johanna der Wahnsinnigen hat für viel Aufsehen gesorgt, dabei war so mancher männchliche König Spaniens auch etwas auffällig. Vor allem Karl IV (1748-1819). Seine Regierungstätigkeit bestand vor allem darin, Uhren zu sammeln. Am liebsten auf vergoldeten Miniaturkutschen und Vogelkäfigen. So viele, dass inzwischen sogar ein Museum der Königlichen Sammlungen in Madrid entstanden ist. Geöffnet ab 2020.

Carlos Frau Luisa war um Längen cleverer. Und offenbar auch verhältnismäßig glücklich, weil eher sie fremdging als der etwas stumpfe Gemahl. Doch sie ist eine Ausnahme gewesen. Spaniens Königinnen hatten in der Vergangenheit oft allen Grund zur Eifersucht. Schließlich war eine Liebeshochzeit wie heute zwischen Felipe und Letizia noch gar nicht denkbar. Die Reinas sollten Söhne gebären und für den Fortbestand der Krone sorgen. Die Könige selbst hatten oft zahlreiche Geliebte. Johannas Oma Isabella von Portugal soll deshalb schon einige Eheszenen angezettelt haben. Ihre Mutter Isabella von Kastilien ebenfalls. Allerdings offensichtlich eher hinter den Palastmauern.

Und wirklich regiert hat in Spanien erst Isabella II (1830-1904), die in Madrid übrigens für ein hervorragendes Kanalisations-System sorgte. Nächste real regierende Reina wird dann wohl Leonor, die älteste Tochter (*2005) des amtierenden Königspaars Felipe und Letizia sein. Im Moment trägt sie noch den Titel Fürstin von Asturien. Ihre Macht wird sehr beschränkt sein. Und Auffälligkeiten wie bei Johanna sind auch nicht bekannt.

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