Capa-Mode aus Spanien

Die Capa ist ein Umhang nicht nur für Superhelden. Hillary Clinton trägt so etwas. Michael Jackson, Ava Gardner und Pablo Picasso waren ebenfalls große Fans. Doch was kaum einer weiß: Die Capa-Umhänge haben eine uralte Tradition. 

von Kira Athanasakos

Von H&M bis Burberry haben Modeunternehmen die Capa im Angebot. Sie ist und bleibt aktuell. Vor allem in Spanien selbst, wo die Modebranche weiterhin boomt. Allein der Umsatz mit dem Modell Capa liegt laut Modeverband Asociación Creadores de Moda de España bei gut 440 Millionen Euro. Pro Jahr. 

Die Capa in der aktuellen Modewelt 

Spanien und die Mode, das passt wie maßgeschneidert. Balenciaga, eines der angesagtesten Modelabel unserer Zeit, hat seinen Ursprung in Spanien. Zur Inditex-Gruppe gehören bekannte Namen wie Bershka, Massimo Dutti, und vor allem Zara, das so schnell die Trends umsetzt wie kaum ein anderer. Allein diese Unternehmensgruppe setzt pro Jahr 20,4 Milliarden Euro um, und das ist Rekord in Spanien.

Kein Wunder also, das hier auch die Idee des Umhangs Capa entstand.

Exklusive Capa-Schneider

Bis heute gibt es in Spanien Schneider, die ausschließlich handgemachte Capas nähen, manche sogar seit Generationen: 1901 beispielsweise entstand im Zentrum von Madrid Capas Seseña, ein Laden, den damals ein gewisser Santos Seseña Rojas in der Straße des Kreuzes (Calle de la Cruz) ins Leben rief. Seither sind schon viele Promis hier vorbeigekommen, darunter Hemigway, Federico Fellini und Valle Inclán.

Die Modepalette hat der kleine Laden in den letzten Jahren erweitert mit kurzen und lange Capas sowie neuen Designformen für Männer und Frauen. Und so verstaubt die rötliche Fassade auch wirken mag, die Betreiber arbeiten sehr effektiv und verschicken die Ware auch online in alle Welt.

Magische Aura

Capas haben etwas Magisches an sich. Sie wirken elegant, fast schon royal und auch etwas mystisch. Superhelden tragen sie und auch Zauberer und Hexen sind unvorstellbar ohne eine.

Selbst Sankt Martin teilt seinen Mantel, der einer Capa sehr ähnelt. Und wie könnte ein Auftritt eines Superhelden besser sein, als wenn er sich in seine Capa einhüllt und - puff - einfach wieder verschwindet. Ohne Capa wäre das ein ziemlich langweiliger Auftritt.

Die Capa und der Adel

Und wie begann alles?  Im Mittelalter mit einem bodenlangen Gewand ohne Ärmel. Es war eine wetterbeständige Reisebekleidung mit abnehmbarer Kapuze aus dunkler Schafswolle. Ab dem 16. Jahrhundert entwickelte es sich weiter und war fortan ein schickes Accessoire für vornehme Señores.

Die Länge des offenen Gewandes zeigte hier den Rang des Trägers an. Die Capa war jetzt aus Seide, Samt oder auch je nach Anlass aus einfacher Merino-Wolle. Doch im 19. Jahrhundert kam die Capa vorübergehend etwas aus der Mode und diente bestenfalls noch als Umhang beim Theaterbesuch. 

Die Capa und die Kleriker 

Auch Geistliche sind Capa-Fans. Und zwar mit genauen Maßen. Die Cappa magna hat eine sehr lange Schleppe, welche unter Papst Pius XII für Kardinäle von 12 auf 6 Meter und für Bischöfe auf 3,5 Meter gekürzt wurde. Sie ist mal rot, mal violett und hatte vorübergehend einen pompösen Hermelinkragen für die Wintermonate, der aber längst aus der Mode ist.

Die Capa und das Vermummungsverbot

Am 23. März 1766 kam es in Spaniens Hauptstadt Madrid zu einer Revolte, dem sogenannten Hutaufstand. Zu dieser Zeit trugen die einfachen Leute dazu einen großen Schlapphut. Der nach vorne offene Mantel ohne Ärmel gehörte wie der über Kopf und Schulter gebreitete Spitzenschleier zur spanischen Tradition. Doch König Carlos III wollte das Land verändern, die Kriminalität eindämmen. Und so verbot er die Capa und den Hut. Schließlich konnte man damit sein Gesicht bedecken und ziemlich unerkannt bleiben.

Der Aufstand hielt zwei Tage, das Gesetz blieb. Aber die Spanier hielten sich nicht daran. Diese Revolte hat auch die literarische Figur El Zorro inspiriert, den Rächer der Armen, einst brillant dargestellt von Schauspieler Antonio Banderas. Doch das war erst im Jahr 1998.

Die Autorin

Kira Athanasakos, gelernte Industriekauffrau, hat lange im Vertrieb für eine Modeagentur gearbeitet und ist aktuell in einer IT Firma im maritimen Sektor in Aktion. Inzwischen hat sie noch ein weiteres Faible: Onlineredaktion.