Héroes del Silencio

Helden der Stille: Sie landeten 1990 mit Entre dos Tierras einen Dauerbrenner in Discos und Klubs. Die Scheibe Senderos de Traición verkaufte sich in der BRD und der Schweiz sogar 800 000 mal (Goldene Schallplatte). Lang ist das her, doch heute tourt ihr Frontmann wieder.

von Ilona Kolar

Die Spannung steigt. Flüstern, Murmeln und plötzliche Stille. Rote Spots entzünden ein Landebahnfeuer. Erste Gitarrenklänge durchbrechen die Atmosphäre. Die Halle bebt. Und dann kommen sie. Die „Helden“ betreten die Bühne, begleitet von weißem Blitzgewitter. Das Publikum tobt.

Endlich mehr als amor und olé

Die Héroes del Silencio (gegründet 1984) revolutionieren in den 90ern die spanische Musik. Ein Aufschrei von vier Studenten, gerichtet an den Rest der Welt. Cowboyhut statt Sombrero, Lederweste statt Bolero, lackierte Fingernägel, fetter Silberschmuck und Sonnenbrille, so präsentierten sich der charismatische Frontsänger Enrique Bunbury & Band ihrem Publikum. Spanien war musikalisch plötzlich viel mehr als stampfender Flamenco und schmachtender Julio Iglesias.

Nicht labern, abrocken!

Seine Band nannte Bunbury „Helden der Stille“. Er redete nicht viel, er rockte lieber. Die Héroes waren keine oberflächlichen Diebe der Worte, sondern Poeten der Musik. Ihr Stil und ihre Shows verhalfen ihnen auch außerhalb Spaniens zu sehr viel Ruhm, vor allem in Europa und Lateinamerika.

Heroes del Silencio als Mix aus Mystik und Rock

 „Niemand versteht uns“, beschwerte sich Bunbury schon mal augenzwinkernd, denn er wusste genau, warum die Héroes del Silencio so gut ankamen. Es war der Mix aus Mystik und ehrlichem Rock. Beim Rock am Ring grölten Millionen „Si yo no tengo la culpa verte caer“ („ich habe nicht die Schuld daran, dich fallen zu sehen“). Sie hatten keine Ahnung, was sie da sangen, dafür sangen sie es umso leidenschaftlicher.

Abschiedstränen & Visionen

Nach zehn Jahren Vagabundenleben und mehr als 1000 explosiven Live-Auftritten gingen die Bandmitglieder 1996 musikalisch eigene Wege. Auch wenn die nachgeschobene Abschlusstournee 2007 komplett ausverkauft war, ein Zurück gab es nicht mehr. Aber die Legende der Helden lebt im aragonesischen Zaragoza weiter, der Geburtsstadt der Band in Nordspanien. Hier, in der legendären Bar Estación del Silencio, zelebrieren Heerscharen von Fans ihre Vorbilder, oftmals in ähnlicher Montur wie die einstigen Stars. Sie hören ihre Lieder und schwärmen gemeinsam von vergangenen Konzerten.

Enrique Bunbury tourt wieder

Enrique Bunbury, Ex-Frontman der Héroes, hat in Spanien als Solokünstler inzwischen Heldenstatus. Er ist seinem Motto – nichts ist so beständig wie die Veränderung – immer treu geblieben. Nach musikalischen Experimenten und schrillen Outfits singt und lebt er heute wieder den ehrlichen Rhythmus seines Herzens. „Es ist lange her, dass ich dich gesehen habe, ob wir uns verändert haben, ich denke schon“, singt Enrique Bunbury.“ (Hace tiempo). Seine Fans hoffen, ihn bald wieder in Deutschland zu treffen, denn: es ist schon viel zu lange her.