Rezension: Terra Alta von Javier Cercas

2019 erhielt Javier Cercas für seinen Krimi Terra Alta den mit 1 Mio Euro höchst dotierten Literaturpreis der Welt, den Premio Planeta. Das Buch ist nun auf Deutsch beim Verlag Fischer erschienen. Hier die Rezension:

von Tobias Büscher

Im Verlag S. Fischer ist einer der aktuell meistgelesenen Romane Spaniens erschienen. Der Krimi des Erfolgsautors Javier Cercas spielt im tiefsten Katalonien und ist rappelvoll mit Anspielungen und historischen Hintergründen. Doch der Spannungsbogen ist brillant. Und so geht der Frankfurter Verlag wohl kaum ein Risiko ein: Das Buch wird sich auch bei uns gut verkaufen.

Der Krimi handelt von einem Inspektor, der einen Posten in der Provinz einnimmt, wo die Kriminalität im Vergleich zur Stadt Barcelona marginal ist. Dann aber wird ein älteres Unternehmerpaar grausam gefoltert und getötet. Dem Leser stehen schon auf Seite 14 die Haare zu Berge.

Melchor Marín heißt dieser Polizist, der in dem Roman die Hauptrolle spielt. Er trägt Sakko und eine Walther P99, 9mm. Er fährt Opel Corsa, hat Frau und Tochter und vordergründig ein ziemlich spießiges Leben. 

Erst im weiteren Verlauf des Krimis kommt heraus, dass Melchior im Prostitiertenmilieu Barcelonas zur Welt kam und nach mehreren Vergehen und jahrelanger Haft beschließt, Polizist zu werden.

Terra Alta ist ein Krimi, der wahrlich nicht nur einen Mordfall zum Thema hat. Irgendwann wird klar: Hinter der Tat steckt eine Tragödie, die bereits im Spanischen Bürgerkrieg ihren Lauf nahm.

Kein Fan der katalanischen Separatisten

Nach der Provinz Terra Alta ist der Roman benannt. Cercas lebt in Katalonien. Doch der in der Extremadura geborene Starautor hat nie auf Katalanisch, sondern immer auf Spanisch geschrieben, was es in diesem Fall auch der Übersetzerin Susanne Lange leichter machte. Ganz bewusst schreibt er auf Kastilisch: "Das Problem ist nicht die Sprache, das Problem ist grundsätzlich die Macht", erklärte er den Redakteuren von El País. Und macht keinen Hehl daraus, dass er von den "Unabhängigkeitsträumen" in Katalonien wenig hält. Und deshalb oft die Wut der Seperatisten auf sich zieht, worüber auch schon die FAZ schrieb.

Und so viel sei auch schon verraten: Weil der Mordfall offensichtlich nicht geklärt werden soll, ermittelt der Komissar auf eigene Faust. Was nicht nur effektiv ist, sondern vor allem illegal. 

Fazit: Der seit langem beste Krimi aus Spanien, spannend, überraschend und hervorragend bei der örtlichen Polizei recherchiert. Das schreit nach mehr. Und das gibt es auch:

Die Fortsetzung des Krimis liegt bereits vor. Titel: "Die Erpressung".  Im Juli 2022 erscheint der Roman ebenfalls beim Verlag S. Fischer. Allerdings hat Cercas im Land selbst den Verlag gewechselt. Und das, obwohl Planeta den Autor mit dem sauteuren Planeta-Literaturpreis ehrte und deutlich mehr auszahlte als sein Autorenhonorar.

Doch offenbar liebt Cercas die Unabhängigkeit.

Das neue Buch ist bereits bei Tusquets erschienen, ein 1969 gegründetes Unternehmen, für das auch Almudena Grandes schreibt. Auf Spanisch heißt der Titel "Independencia".

In Katalonien wird man wieder mal nicht begeistert sein. Denn diesmal geht es vordergründig um ein Sexvideo, mit dem die Bürgermeisterin erpresst wird. Und hintergründig um die korrupten Eliten Barcelonas ...

Details zum Buch

Titel: Terra Alta
Autor: Javier Cercas
Seiten: 428
Preis: 24 Euro
Erschienen: 2021

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