Ariadna Gil, Spaniens schüchterne Schauspielerin

Keine Website, kein Twitter, kein Facebook. Nach Hollywood-Maßstäben ist die spanische Schauspielerin Ariadna Gil eigentlich nicht existent. Ein Star ist sie trotzdem.

von Nina Alba

Ariadna wie? Gil wer? Die aus „Malena“! Dem Emanzipationsdrama nach Almudena Grandes’ internationalem Bestseller. Kennen Sie nicht? Die aus „Don Juan“! Nein, nicht „Don Juan de Marco“ mit Johnny Depp … Also wieder nichts. Aber wer ist denn nun Ariadna Gil? 

Sinnlich, grausam, einfach alles

Die Haare mal kurz, mal lang, mal schwarz, mal rot, mal lockig, mal streng. Ohne Frage: Señora Gil ist wandlungsfähig. So wandlungsfähig, dass sie in Spanien als „Schauspielerin für unmögliche Rollen“ gilt. Nur die schwarzen Augen brennen in jeder ihrer Rollen gleich. Augen, die ganz schmal werden, wenn sie lacht, mit scharfen Falten um den Mund, wenn ihre Figuren voller Hass, Wut oder Leid sind. Sie ist nicht Botox, sie ist nicht Magerwahn. Sie ist die Realität. Sinnlich, grausam, was immer der Regisseur wünscht. Und sie hat viele Charaktere gespielt, sehr viele: Mehr als 40 Werke umfasst ihre Filmografie. Seit ihrem Debüt als Lola vor 25 Jahren stand sie fast jedes Jahr vor der Kamera, oft für mehrere Filme, in einigen Jahren waren es bis zu vier Stück.

Madrid statt Hollywood

Wieso kennt sie in Deutschland trotzdem niemand? Die Antwort ist nicht in einem Satz zu fassen. Zum einen liegt es wohl an ihrer Drehbuchwahl. So spielte sie zwar Komödien ebenso wie Horror, Romantik ebenso wie Drama und Western. Aber fast ausschließlich unter spanischen, katalanischen, auch mal russischen oder französischen Regisseuren. Die heute 42-Jährige scheint einfach keinen Drang nach Hollywood zu haben. Sie arbeitete mit großen Stars wie Jeremy Irons, Renée Zellweger, Emmanuelle Béart. Doch während Javier Bardem, ihr Co-Star in „Second Skin“, ebenso wie Penélope Cruz nach dem Oscar-preisgekrönten „Belle Époque“ zur internationalen Karriere nach Westen aufbrach, blieb Gil zurück. Ob sie sich bewusst für diesen Weg entschieden hat oder ob die Filmfabrik sie einfach nie gerufen hat – man weiß es nicht.

Alatriste & große Liebe

Fünf spanische Auszeichnungen für ihre schauspielerische Leistung zieren die Tochter eines katalanischen Rechtsanwalts. Doch über die Frau hinter der Schauspielerin weiß man kaum etwas. Sie studierte Gesang, Tanz, Violine, ist geschieden von Regisseur David Trueba, mit dem sie die Kinder Violeta und Leo hat. 2006 lernte sie beim Dreh von „Captain Alatriste“ den Herrn der Ringe Viggo Mortensen kennen – und offenbar lieben. Munkelt man. Ariadna Gil ist schwer zu fassen. Mit Absicht: „Das Publikum weiß besser nichts über das Privatleben eines Schauspielers, denn so nimmt es die jeweilige Rolle viel besser an“, hat sie einmal gesagt. 2011 kam das Drama „Room 304“ in die Kinos. Mit einem Star, der keiner ist. Sondern einfach nur richtig gut.

 

 

 

Die Autorin:

 

Nina Alba ist Germanistin und bekennend bibliophil. Texterin und Liebhaberin literarischer Leichenbeschau. Verehrt den jungen Werther ebenso wie Beetle Samsa und Harry Potter.

 

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