Javier Angel Encinas Bardem, Las Palmas de Gran Canaria (1969). Filme u.a: Live Flash, Jamón, Jamón, Vicky Cristina Barcelona, Offenes Geheimnis (Plakat: tobis)

Mut zur Verwandlung: Javier Bardem

Er spielte den Bösen im James Bond Film Skyfall, war in No Country for old Man brillant, ist mit Penélope Cruz verheiratet und schreibt längst Filmgeschichte. Zu seinen letzten großen Highlights gehört seine Rolle als Drogenboss Escobar. Javier Bardem im Porträt.

In der romantischen Komödie „Vicky Cristina Barcelona“ trat er 2008 als Draufgänger unter der Regie von Woody Allen auf. Für seine Rolle als brutaler Killer im Coen-Epos „No Country for Old Men“ gewann er im selben Jahr den Oscar als bester Nebendarsteller. Fast zeitgleich konnte das Kinopublikum ihn als verträumten Liebhaber in „Die Liebe in Zeiten der Cholera“ bewundern, der Verfilmung des gleichnamigen Romans von Gabriel García Márquez. Mal mimt er einen Stiernacken-Macho, dann wieder einen Querschnittsgelähmten, der für seinen Tod kämpft. Offenbar kann Javier Bardem einfach alles spielen. Doch finstere Figuren sind bei ihm besonders gut aufgehoben. 2018 erklärte er der spanischen Zeitung El País: "Das Böse hat etwas sehr attraktives."

Grobes Gesicht, tiefe Stimme

Der Sohn einer spanischen Schauspieler-Dynastie, 1969 auf Gran Canaria geboren, bewies schon in den 90er Jahren Mut zur Verwandlung. Inzwischen steht er auch international in der ersten Reihe namhafter Charakterdarsteller. Javier Bardem hat Kanten, ein im klassischen Sinne schöner Mann ist er nicht. Er hat einen stämmigen, athletischen Körper, ein grob geschnittenes Gesicht und eine tiefe Stimme. 13 Jahre hat er in seiner Jugend Rugby gespielt. Trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb – besitzt er eine große Anziehungskraft und gilt als Frauenschwarm.

Erster Erfolg mit Jamón, Jamón

 In seinem ersten größeren Film, der spanischen Erotikkomödie „Jamón, Jamón“ (1992), spielt der damals 23-Jährige einen vor Männlichkeit strotzenden, provinziellen Gockel, der seine weiblichen Opfer – darunter seine heutige Lebensgefährtin Penélope Cruz – in der Dorfdisko verführt (zum Trailer). Seine Leistung wird anerkannt, zahlreiche Angebote folgen. Mit der Regie-Ikone Pedro Almodóvar dreht er 1997 den erotisch aufgeladenen Thriller „Live Flesh“ („Carne trémula“). Ein Jahr zuvor hatte er bereits seinen ersten Goya gewonnen, den spanischen Oscar.Javier Bardem ist bescheiden geblieben, trotz der sehr erfolgreichen Jahre, die bereits hinter ihm liegen. Wenn man den heute 43-jährigen in Interviews beobachtet, wirkt er jungenhaft, ein wenig verlegen. Seine Gesichtszüge sind sanft, er strahlt Freundlichkeit aus und spricht geduldig über seine Filme, seine Jugend und sein Vorbild Al Pacino.

Den Oscar widmet er seiner Mutter

2004 bringt ihm seine herausragende Leistung in „Das Meer in mir“ („Mar adentro“) eine Oscar-Nominierung als Bester Hauptdarsteller ein, außerdem den Europäischen Filmpreis sowie seinen inzwischen dritten Goya. In dem bewegenden Drama spielt Bardem den vom Hals abwärts gelähmten Ramón Sampedro, der jahrelang um sein Recht kämpft, würdevoll zu sterben. Als ihm die Brüder Joel und Ethan Coen die Rolle eines gewalttätigen Serienkillers in „No Country for Old Men“ anbieten, will er zunächst ablehnen – zu blutrünstig und düster scheint ihm der neue Streifen der beiden Kult-Regisseure. Doch er nimmt an und wird dafür 2008 mit dem Oscar als Bester Nebendarsteller prämiert. In seiner Dankesrede widmet er die Trophäe seiner im Saal anwesenden Mutter, der in Spanien populären Schauspielerin Pilar Bardem.

Wort für Wort mit dem Dialekt-Trainer

Javier Bardem bezeichnet sich selbst als fleißig, insbesondere die Vorbereitung auf englischsprachige Filme sei viel Arbeit. „Das heißt: sich hinsetzen und mit einem Dialekt-Trainer Wort für Wort die Dialoge durchgehen, bis man sie verinnerlicht hat. Und das dauert. Aber ich liebe diese Arbeit“, fügt er hinzu. Seinem Englisch merkt man es an: fast akzentfrei spricht er seine Filmtexte, in Interviews drückt er sich flüssig in der Fremdsprache aus.

Leinwand-Traumpaar – auch privat

Über Javier Bardems Privatleben ist wenig bekannt. Dabei könnte es viel Glamour bieten: seit 2007 ist er mit Leinwand-Göttin Penélope Cruz liiert, seit Juli 2010 sind sie verheiratet. Zwei Profis, mit dem Filmgeschäft erwachsen geworden, scheinen im Stillen ihr privates Glück gefunden zu haben. Im Film selbst allerdings geht es schon mal heiß her. So im Thriller Todos lo saben. Darin spielt er die mysteriöse Jugendliebe einer verzweifelten Mutter (Cruz), die ihr enführtes Kind sucht. In Deutschland kam der Streifen im September 2018 unter dem Titel Offenes Geheimnis in die Kinos.

Bonds Bösewicht

Im November 2012 war es dann soweit: Javier Bardem spielte im neuen James Bond Film den Bösewicht, während Daniel Craig wieder den Agenten mimte. Wer da wen in den Schatten stellte, ist zumindest für die Spanier keine Frage.

 

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