Paco Rabanne: Haute-Couture mit Lötkolben

Der Modedesigner Paco Rabanne (78) wirkt auf Fotos väterlich. Feines dichtes Haupthaar, nach hinten gekämmt. Gepflegter Bart, viel Augenbraun, viel glänzendes Silberweiß. Die Vogue: „Enfant Terrible der französischen Modeszene der 1960er“.

von Serdar Dogan

Vom Flüchtling zum Modezar: Paco Rabanne kommt 1934 im nordspanischen San Sebastián nahe der Grenze zu Frankreich zur Welt. Seine Kindheit ist von zwei  Einflüssen geprägt: dem Spanischen Bürgerkrieg und der Arbeit seiner Mutter als Chef-Schneiderin für ein spanisches Modehaus. Der Krieg ist der Grund, warum Rabanne als Kind mit seiner Mutter – der Vater bereits verstorben – nach Paris flieht. Die Arbeit der Mutter schafft den Bezug zur aufregenden Welt der Mode. Seine Sporen verdient sich der studierte Architekt bei so glanzvollen Namen wie Givenchy und Saint-Laurent.

Rabanne im Mode-Mekka-Paris

1965 legt er den Grundstein für seine fulminante Karriere und eröffnet im Mode-Mekka Paris ein eigenes Atelier. Ein kurzes Etappenziel für den aufstrebenden Modezar. Bereits im Folgejahr wagt sich Rabanne an die Königsdisziplin der Modebranche, der Haute-Couture.

Science-Fiction-Ästhetik

Was folgte ist ein kometenhafter Aufstieg zur obersten Riege der Modewelt. Mit exzentrischen Kreationen macht Rabanne sich rasch einen Namen. Sowohl Materialien als auch Schnitte und Techniken seiner Schöpfungen haben deutlich visionäre und futuristische Züge. Statt mit Samt und Seide arbeitet er mit Plastik, Metall und Papier. Damals ein absolutes Novum. Seine unorthodoxen Kreationen bringen ihm den wenig schmeichelhaften Titel „Klempner der Modebranche“ ein. Coco Chanel sieht es ähnlich: "Er ist kein Modeschöpfer, im besten Fall ist er ein Metallhandwerker." Der exzentrische Designer kann damit gut leben, denn seine ureigene Devise lautet: „Nicht verführen, sondern schockieren“.

Vom Catwalk zu Esoterik

Sein Hang zur Exzentrik erfährt in den 1990´ern eine neue Dimension. Rabanne spricht freimütig in den Medien über außerkörperliche Erfahrungen und hellseherische Fähigkeiten. Drei Bücher lässt der Modeguru folgen, die in fünf Sprachen veröffentlicht werden. Mit Titeln wie „The End of Times“ teilt er seine ungewöhnlichen Lebensgedanken mit dem Rest der Welt. Der Mann, der seinen guten Namen für über 140 Lizenzverträge hergibt und dafür Millionen kassiert, erzählt mit voller Überzeugung, bereits einmal im alten Ägypten gelebt zu haben. Als Thebanischer Priester hat er Tutanchamun ermordet. Passt so gar nicht zum väterlichen Bild von heute …

 

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Der Autor:

 

Serdar Dogan hat in Köln Geologie und Paläontologie studiert. Er verfügt über langjährige Erfahrung im Veranstaltungsmanagement. Impulsgeber für diesen Beitrag waren sein Hang zu Ästhetik und Design.