Spaniens Filmkomponist Alberto Iglesias im Porträt

Der Baske Alberto Iglesias gehört zu den erfolgreichsten Filmkomponisten seines Landes. Er hat mehrere Goya-Preise abgeräumt und arbeitet besonders gerne mit den Regisseuren Medem und Almodóvar zusammen. Auch Hollywood ist längst auf ihn aufmerksam geworden. Die Filmmusik schrieb er unter anderem für Vacas, Volver und Die Haut in der ich wohne. Und inzwischen hat ihn sogar Ridley Scott engagiert.

von Mathias Bornemann

Er hat Erfolg, doch weniger Resonanz als andere Vertreter seiner Zunft. Vielleicht liegt es an seinem unaufdringlichen Stil der musikalischen Filmuntermalung, vielleicht aber auch weil über den Privatmenschen kaum etwas bekannt ist. Liebhaber des spanischen Films werden seine Musik sicherlich schon gehört haben und das gewiss häufiger als vermutet.

Der Soundtrack des spanischen Films

Er ist kein Mann der lauten Töne, aber auch nicht der leisen, eher ein Meister der Zwischentöne. Jenen, die einen Film unterstreichen, diesen aber nicht orchestral überfrachten. Alberto Iglesias Fernández-Berridi, so sein vollständiger Name, ist 1955 in San Sebastián geboren und ist als Filmmusikkomponist der bekannteste ganz Spaniens. Seine musikalische Karriere begann mit einem Studium in Klavier, Harmonie und Kontrapunkt, das er in seiner Heimatstadt absolvierte. Später zog es ihn nach Paris und Barcelona, um sich dort auf Piano und elektroakustische Komposition zu spezialisieren. Dies führte ihn in den 80er Jahren zu ersten Erfolgen, als er mit Javier Navarrete ein Duo bildete. Zusammen komponierten die beiden elektronische Musik und gingen mit dieser auf Tourneen.

Großer Durchbruch mit Filmmusik

Viel mehr lässt sich aus dieser Frühzeit des künstlerischen Schaffens jedoch nicht sagen, denn noch war Iglesias nicht so erfolgreich wie einige seiner prominenten Namensvetter Julio. Die erste Zusammenarbeit mit dem bis dahin noch unbekannten Filmregisseur Julio Médem bedeutete jedoch den Beginn einer großen Karriere. Dessen Spielfilmdebüt “Kühe“ (Vacas), sollte nicht nur den Regie-Neuling in den Fokus rücken, sondern auch Iglesias. Beide nominierte die Jury erstmals für den spanischen Filmpreis Goya. Iglesias erhielt den Preis zu dieser Zeit zwar noch nicht, aber schon im zweiten Anlauf, bei Médems nächstem Film “Das rote Eichhörnchen“ (La ardilla roja), erhielt er die Trophäe. Seitdem arbeiteten die beiden sehr oft erfolgreich als Team. Auch eine weitere Regiegröße Spaniens, Pedro Almodóvar, sicherte sich schnell die Dienste des aufstrebenden Komponisten. Und dieses Gespann sollte sich als ebenso fruchtbar und erfolgreich herausstellen. Innerhalb von zehn Jahren wurde Alberto Iglesias siebenmal für den Goya nominiert, den er sechsmal in der Kategorie beste Filmmusik gewann und dies jeweils in Filmen Médems und Almodóvars.

Der Klang des spanischen Films

Damit hat Iglesias dem spanischen Film unweigerlich seinen musikalischen Stempel aufgedrückt und dessen Erfolg über die Landesgrenzen hinaus mitgefördert. Doch was ist eigentlich das besondere an seiner Musik? Es ist die szenische Untermalung auf emotionaler Ebene ohne klassisches Storytelling. Ganz anders als sein Kollege Hans Zimmer mit seinen thematisch klaren Kompositionen ist Iglesias Musik differenzierter. Sie zieht den Zuschauer mit hinein in die Szenerie und spiegelt eine Stimmung, ohne sie zu diktieren. Deshalb sind seine Soundtracks losgelöst vom Film auch nur schwer zuzuordnen. Tomas Alfredson, Regisseur von “Dame, König, As, Spion“ (Tinker Tailor Soldier Spy) engagierte ihn vor allem wegen seinem außergewöhnlichen Stil: „… I haven’t heard that before, the way he’s not using the very obvious points in the film, where the music starts or stops.“ Alfredson beschreibt damit sehr gut, wie Iglesias Szenehöhepunkte auf ungewöhnliche einzigartige Weise musikalisch untermalt. 

Meilenstein Hollywood und der Weg zum Oscar

Und Alfredson ist nicht der erste Regisseur in Hollywood, der Iglesias Talent zu schätzen und zu nutzen weiß. Denn spätestens seit “Der ewige Gärtner“ (The Constant Gardener) von Fernando Meirelles, für den Alberto Iglesias die erste Oscarnominierung erhielt, spielt der Komponist in der höchsten Liga mit. Mittlerweile sind es schon drei Nominierungen, wenn auch noch ohne die Ehre der Preisverleihung. Dies dürfte aber nur eine Frage der Zeit sein. Einen neuerlichen Anlauf auf den Oscar-Gewinn könnte das aktuelle Projekt darstellen. Beim Historiendrama Exodus: Götter und Könige (Exodus: Gods and Kings) von Ridley Scott zeichnet Iglesias für den Soundtrack verantwortlich. Und bei einem Film dieser Größenordnung dürften Spekulationen durchaus angebracht sein. In jedem Fall wird es spannend, wie sich Moses gegen Ramses mit spanischer Musikuntermalung anhört.

Der Autor

Mathias Bornemann war langjährig als Filmkritiker tätig, unter anderem für das Stadtmagazin Biograph und für diverse Internetseiten. Aktuell leitet er die Onlineredaktion von www.filmabriss.com und veröffentlicht dort gelegentlich auch noch eigene Filmkritiken. Zudem beschäftigt er sich intensiv mit den Themen Online-Redaktion, Content-Management und Online-Marketing.