Carlos Núñez in der Kulturkirche Köln blickt in die Kamera
Musiker Carlos Núñez mit seinem Bruder © tb

Carlos Núñez im Porträt

Er stammt zwar aus dem entfernten und wenig bekannten Vigo, ist aber mittlerweile ein Weltstar der Folk-Musik. Der Galicier Carlos Núñez gilt als König der Gaïta, der galicischen Sackpfeife, einer Art Dudelsack. Bekannt machte ihn sein Sound im Film „Das Meer in mir“ von Alejandro Amenábar.

 

von Marcos Fernández Vacas



Die hohe Stirn prägt mittlerweile eine ausgeprägte Glatze, doch trägt Carlos Núñez (41) das übrig gebliebene Haar oft schulterlang. Das feine, lange Gesicht mit den schönen Augen wirkt auf Frauen immer noch. Und sobald er im Live-Konzert mit dem Publikum kommuniziert, erliegen ihm alle. Sein Spiel der Gaïta und verschiedener anderer Flöteninstrumente ist geradezu teuflisch. Elegische, langsame, oft traurig klingende Stücke betören, das temporeiche und virtuos kraftvolle Spiel anderer Lieder ist schwindelerregend. Seine Mimik, seine Gesten und oft tänzerische Harlekin-Bewegungen machen ihn letztendlich zu einem der faszinierendsten Musiker Spaniens. Im Frühjahr kommt Carlos auf Deutschlandtournee.



Keltische Musik aus Galicien


„Wie die Iren, Schotten, Bretonen spielen auch wir Galicier keltische Musik, doch mit spanischer Leidenschaft und Temperament. Das ist unser Markenzeichen“, so Carlos Núñez in einer Pressemitteilung von magnetic-music. Mit diesem Zitat charakterisiert er sich nicht bloß, sondern gibt die zwei Triebfedern seiner musikalischen Arbeit an. Zunächst ist es ohne Zweifel seine charismatische Energie und die tiefe emotionale Verwurzelung in die musikalische Tradition seiner galicischen  Heimat. Schon mit acht Jahren begann er von alten Meistern zu lernen und mit zwölf hatte er seinen ersten Soloauftritt mit dem Orquesta Sinfónica de Lorient. Er vertiefte und erweiterte seine Kenntnisse am Conservatorio de Madrid, wo er die klassische spanische und außerspanische Musik kennenlernte. Die Verbindung der galicischen und der spanischen Tradition ist auf so mancher seiner Aufnahmen in einem bemerkenswert modernen Gewand zu hören.

 

 

Carlos Núñez mit Dudelsack am Strand in Galicien
Carlos Núñez in Galicien

Carlos Núñez spielt Musik vieler Welten

Núñez gilt unter Kennern als ein gelehrter und überaus kenntnisreicher Künstler der keltischen Musik und ihren Verzweigungen in alle Welt, ähnlich wie die Dudelsackspielerin Susana Seivane. Es begann, nachdem er in Vigo von The Chieftains während eines Folk-Festivals entdeckt wurde. Mit ihnen nahm er noch im Teenie-Alter 1989 den Soundtrack zum Film „Die Schatzinsel“ auf. Von nun an lernt er Musiker aus aller Welt kennen und spielt mit ihnen zusammen. Carlos Nuñez ist offen und neugierig auf andere musikalische Kulturen. Sein erstes Album „A Irmandade das Estrelas“, das den Boom der keltischen Musik in Spanien 1996 einleitete, ist noch eine wunderbare Referenz an Galicien. Doch schon seine 1999 erschienene CD „Os amores libres“ sprengt alle Grenzen: Über zwei Jahre nahm er in zehn verschiedenen Ländern Stücke mit einheimischen – bekannten und unbekannten – Musikern auf. Insbesondere die Fusion keltischer Musik und Flamenco gilt bis heute als meisterhaft gelungen. Partner auf diesen Aufnahmen sind so unterschiedliche Künstler wie Jackson Browne, Teresa Salgueiro von Madredeus, Carmen Linares, Sharon Shannon oder Zigeuner aus Rumänien.


Núñez wird zur Kultfigur


Es folgen sieben weitere Alben, die die Grenzen der traditionellen keltischen Musik sprengen. In mehrjährigen Aufenthalten in der Bretagne sammelt er die Musik der Region, die nach Meinung vieler kulturell so eng mit Galicien verbunden ist. Unzählige Konzerte verbinden ihn mit einem immer weiter anwachsenden Publikum weltweit, das in ihn einen angemessenen Botschafter seines Landes sieht. 2004 kommt er wieder mit der Filmwelt in Berührung. Er spielt den Soundtrack von Amenábars „Das Meer in mir“, mit Javier Bardem in der Hauptrolle, ein. Für die Filmmusik gibt es einen Goya. Im selben Jahr nimmt er eine DVD auf, die Goldstatus bekommt. Es ist „Carlos Núñez & Amigos“, der Mitschnitt eines Livekonzertes im Auditorio de Castrelos in Vigo. Genau dort, wo ihn Jahrzehnte zuvor die legendären Chieftains entdeckten, wird er von 30.000 Landsleuten stürmisch gefeiert.


„Alborada DO Brasil“-Tour

Nach über 1 Million verkaufter Alben und einer Vielzahl von Auftritten und Auszeichnungen ist Carlos Núñez immer noch auf einem spannenden und innovativen musikalischen Weg unterwegs. Die Alborada DO Brasil-Tour bringt dem Zuhörer nun die Verbindungen keltischer Musik zu Brasilien näher. Jahrelange Recherchen über einen vermeintlich verschollenen Urgroßvater, der als Musiker in Rio de Janeiro erfolgreich war, und die Mitwirkung brasilianischer Musiker wie Carlinhos Brown oder Adriana Calcanhotto führten 2009 zum gleichnamigen Album. Am 4. April 2013 geht es in Reutlingen los und Fans mancher deutscher Städte dürfen sich bis Mitte Mai auf die von magnetic-music.com organisierte Tournee von Carlos Núñez freuen, dem „new King of the Celts“.

 

 

Konzertbericht

Carlos in der Kulturkirche: Am 25. April 2013 war der Musiker zu Gast in Köln

 

Homepage von Carlos Núñez

 

Homepage (deutsch) von Carlos Núñez

 

Porträt von Kepa Junkera

 

Porträt von Milladoiro

 

Der Autor

 

Marcos Fernández Vacas, Kind baskisch-burgalesischer Eltern, lebt von Geburt an in Bonn. Er hat einen Faible für spanische Philosophen wie Miguel de Unamuno sowie Flamenco und spielt selber Gitarre.

 

 

Das empfehlenswerte Reisebuch über Galicien von DuMont:

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