Kerosinmangel: Fällt der Spanienurlaub aus?

Fällt der Sommerurlaub ins Wasser? Seit Ende Februar haben sich die Kerosinpreise mehr als verdoppelt, Lufthansa hat ihre Regionaltochter CityLine über Nacht geschlossen, der Luftverkehrsverband warnt vor Engpässen im Sommer. Und doch: Spanien ist das eine große Reiseziel, das in der Krise an Nachfrage gewinnt. Was das für Ihren Flug bedeutet, wo die realen Risiken liegen, welche Rechte Sie haben.

von Alexander Gresbek (Text und Illustrationen)

Die Lage in Zahlen: Ende Februar 2026 kostete ein Barrel Kerosin rund 99 Dollar. Anfang April waren es 209 Dollar im weltweiten Durchschnitt, in Nordwesteuropa wurden Rekordwerte von 239 Dollar erreicht. Eine Verdoppelung bis Verdreifachung in sechs Wochen. 

Auslöser: der Krieg zwischen den USA, Israel und dem Iran seit dem 28. Februar und die faktische Blockade der Straße von Hormuz, jenes 54 Kilometer schmalen Nadelöhrs zwischen Iran und Oman, über das rund ein Fünftel des weltweiten Öltransports läuft.

Für europäische Airlines ist das existenziell. Treibstoff macht zwischen 20 und 30 Prozent ihrer Betriebskosten aus. Rund 75 Prozent des europäischen Kerosin-Imports kamen bisher aus dem Nahen Osten. Ersatzlieferungen aus den USA decken laut Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) bisher nur etwa die Hälfte der Ausfälle.

Spanien paradox: der Gewinner der Krise

Bei aller Schärfe der Lage ist Spanien das eine Reiseziel, das profitiert. TUI meldet ein „deutlich gestiegenes Interesse“ an Urlaub auf Mallorca, den Kanaren und dem spanischen Festland und hat kurzfristig 68 Zusatzflüge nach Mallorca, Fuerteventura, Gran Canaria und Lanzarote aufgelegt.

Ab Frankfurt, München, Düsseldorf, Stuttgart und Hannover bringt der Veranstalter 10.000 zusätzliche Sitzplätze in die Luft. Der Buchungsanteil Europa für den Sommer 2026 liegt bei TUI bei knapp 75 Prozent. EasyJet berichtet von einer „vorübergehend gedämpften Nachfrage“ im östlichen Mittelmeerraum und im Gegenzug von deutlich mehr Buchungen nach Spanien.

Der Grund ist simpel: Türkei, Ägypten und das östliche Mittelmeer gelten durch die Nähe zum Kriegsgebiet als weniger sicher, Fluglinien meiden den ostmediterranen Luftraum wegen Sperrgebieten. Wer Sonne und Meer will, bucht Mallorca, Gran Canaria, Costa del Sol. Spanien profitiert nicht vom Krieg, sondern von seiner Geografie.

Warum der Urlaub trotzdem teurer wird

Profitieren heißt nicht billig werden. Für klassische Europaziele – Spanien, Portugal, Italien, Griechenland – bewegen sich die Flugpreissteigerungen laut Branchenauswertungen zwischen 8 und 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr. 

Eine vierköpfige Familie muss auf einem Hin- und Rückflug Hamburg–Palma mit 200 bis 300 Euro Aufschlag rechnen, in Spitzen mehr. Air France-KLM hat Langstreckenflüge um rund 50 Euro verteuert, Treibstoffzuschläge werden bei vielen Airlines monatlich neu kalkuliert.

Was den Schlag abfedert: Fuel-Hedging. Lufthansa hat nach eigenen Angaben über 80 Prozent ihres Treibstoffbedarfs für 2026 zu früher vereinbarten Preisen abgesichert. Das verschiebt die volle Wucht der Kostenexplosion auf später, vermeidet sie aber nicht. Für 2027 sind erst 40 Prozent gehedgt. 

Ryanair und easyJet haben ebenfalls substanzielle Absicherungen, andere europäische Airlines weniger. Spürbar wird der Unterschied bei Neubuchungen für die zweite Jahreshälfte.

Drohen Flugausfälle? Die Lage ist uneinig

Die Einschätzungen widersprechen sich, und das ist Teil der Nachricht. Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft warnt, die Sommerreisesaison stehe unmittelbar bevor, und der fehlende Kerosin-Nachschub werde bald zu Engpässen in Deutschland führen.

Der europäische Flughafenverband ACI Europe hat die EU-Kommission schriftlich um Maßnahmen gebeten. Fatih Birol, Chef der Internationalen Energieagentur, formulierte öffentlich: Wenn die Straße von Hormuz nicht dauerhaft öffne, werde man in Europa bald hören, dass Flüge wegen Treibstoffmangels gestrichen würden.

Die EU-Kommission widerspricht – vorerst. Eine Sprecherin erklärte, es gebe bislang keine Hinweise auf systemische Kraftstoffengpässe, die zu flächendeckenden Flugausfällen führen würden. Der Markt komme mit der angespannten Lage bislang zurecht. In Asien sieht das anders aus: Vietnam Airlines hat 23 Inlandsflüge pro Woche gestrichen, Batik Air Malaysia seine Kapazität um 36 Prozent reduziert, Cathay Pacific streicht zwischen Mai und Ende Juni rund zwei Prozent seines Flugplans.

Für Spanien-Urlauber heißt das: Flächendeckende Streichungen einer Route wie Frankfurt–Palma sind unwahrscheinlich, solange alternative Lieferungen zumindest teilweise fließen und der politische Druck auf die EU hoch bleibt. Einzelne Streichungen, kurzfristige Programmänderungen und unangekündigte Umbuchungen sind realistisch. Wer eine komplexe Umsteigeverbindung über Frankfurt, München oder Madrid gebucht hat, trägt das höhere Risiko.

Lufthansa schließt CityLine: Was das für Zubringer bedeutet

Mitte April hat Lufthansa die Regionaltochter CityLine endgültig geschlossen. 27 Maschinen stehen am Boden, rund 2.000 Mitarbeiter sind freigestellt. Die Gründe: gestiegene Kerosinkosten und ein anhaltender Tarifkonflikt im Konzern. CityLine flog Zubringer nach Frankfurt und München. 

Wer aus Regionalflughäfen wie Münster, Dresden oder Saarbrücken nach Palma oder Madrid umsteigen wollte, muss mit Fahrplanänderungen und weniger Umsteigeoptionen rechnen. Lufthansa verlagert Kapazitäten auf die Schwestergesellschaft City Airlines, aber nicht über Nacht.

Ihre Rechte, wenn der Flug ausfällt

Die EU-Fluggastrechteverordnung (EG) Nr. 261/2004 gilt für alle Flüge ab EU-Flughäfen sowie für Flüge in die EU mit einer EU-Airline. Sie sieht Ausgleichszahlungen von 250 Euro (bis 1.500 km), 400 Euro (bis 3.500 km) oder 600 Euro (darüber) vor.

Entscheidend in dieser Krise: Streicht eine Airline wegen Treibstoffmangels infolge der Hormuz-Blockade, greift nach gängiger Rechtsauslegung der Ausnahmetatbestand „außergewöhnliche Umstände“. Krieg und politische Instabilität werden im EU-Recht ausdrücklich genannt. Die Ausgleichszahlung entfällt.

Was nicht entfällt: die Erstattung des vollen Ticketpreises oder die kostenlose Umbuchung auf den nächstmöglichen Flug. Betreuungsleistungen während der Wartezeit – Verpflegung, bei Notwendigkeit Hotel und Transfer – bleiben Pflicht, nicht Kulanz. Bei Pauschalreisen kommen Ansprüche aus der EU-Pauschalreiserichtlinie hinzu: Der Veranstalter muss eine gleichwertige Alternative oder die vollständige Rückerstattung anbieten. Die Beweislast für außergewöhnliche Umstände trägt die Airline, nicht der Passagier.

Wer seinen Flug aus eigenem Entschluss storniert, bevor die Airline die Streichung bekanntgibt, verliert jeden Anspruch auf Erstattung oder Umbuchung. Das ist der teuerste Fehler, den Urlauber in dieser Lage machen können.

Was vor der Buchung wirklich hilft

Standardpolicen der Reiseversicherer schließen „höhere Gewalt“ und „Kriegsereignisse“ in den allermeisten Fällen aus. Wer eine Reiserücktritts- oder Reiseabbruchversicherung abschließt, sollte sich nicht auf das Deckblatt verlassen, sondern die Ausschlussklauseln lesen. 

Einzelne Anbieter haben nach der Corona-Krise Kriegsereignis-Zusätze im Programm – gegen Aufpreis.

Hilfreich sind Buchungsstrategien, die Puffer schaffen: Direktflüge vermeiden Anschlussrisiken, wenn Zubringer ausfallen. Pauschalreisen bieten einen zweiten Rechtsschutzpfeiler über den Veranstalter. 

Flexible Tarife mit kostenloser Umbuchung kosten bei den meisten Airlines nur wenige Euro mehr als die günstigste Kategorie und sind in dieser Lage ihr Geld wert. Manche Gold- und Platinum-Kreditkarten enthalten Reiseschutz, der einzelne Krisenszenarien abdeckt. Prüfen lohnt sich, gerade wenn man ohnehin eine solche Karte besitzt.

Der Autor

Alexander Gresbek lebt seit vielen Jahren an der spanischen Mittelmeerküste. Der Journalist und Buchautor befasst sich mit spanischer Kultur und Traditionen. Zu seinem aktuellen Titel Die Costa Blanca Für Kluge Köpfe (erhältlich bei amazon) hier die Buchrezension.

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Quellenhinweise

SRF News, ZDF heute, t-online, Handelsblatt, hessenschau (April 2026): Kerosin-Krise, Lufthansa CityLine-Einstellung, BDL-Stellungnahme
Euronews, Infranken, Urlaubspiraten (Januar–April 2026): Flugpreisentwicklung, Fuel-Hedging, Buchungsverhalten
TUI Newsroom, easyJet Q1-Bericht 2026: Buchungsdaten Sommer 2026, Kapazitätserweiterung Spanien und Griechenland
Internationale Energieagentur (IEA), IATA Fuel Monitor, airliners.de: Kerosinpreisentwicklung, regionale Abhängigkeiten Europas
Aviation.Direct, airliners.de (April 2026): Cathay Pacific, Batik Air Malaysia, Vietnam Airlines – asiatische Flugstreichungen als Vorschau
EU-Verordnung (EG) Nr. 261/2004; EU-Pauschalreiserichtlinie; Luftfahrt-Bundesamt FAQ; Verbraucherzentrale Deutschland: Fluggastrechte und außergewöhnliche Umstände.