Mann betrachtet ein halbvolles Glas Sherry vor Eichfässern in Andalusien
Sherry-Bodega in Andalusien © rb

Osborne: Andalusiens Sherry-Gigant im Aufwind

Spaniens Wirtschaft erlebt die schlimmste Flaute seit Francos Tod. Sogar Traditionsfirmen wie der Fischdosenproduzent Pescanova melden Insolvenz an. Doch ein Unternehmen ist das gelebte Gegenteil von Krise. Sein Name: Osborne.


von Tobias Büscher

Allein im letzten Jahr hat Andalusiens Spirituosen-Gigant 2,5 Millionen Liter Sherry und 10 Millionen Liter Brandy verkauft, 7 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Aktionäre treffen sich zur Jahresvollversammlung traditionell in der Haupt-Bodega nahe Cádiz. Dort gibt es zu Olivenspieß und geschmortem Stierschwanz die Vorstandsreden des Tomás Osborne (65) als kuriosen Mix aus andalusischem Stolz und britischem Understatement. Seine Botschaft: Die Abfüllanlagen und Schnapsdestillen sind ausgelastet.

Der Stier an der Landstraße

Thomas hieß schon der Gründer des südspanischen Sherryimperiums im 18. Jahrhundert. Und heute organisieren das Unternehmen fast nur Mitglieder des Familienclans selbst, vom Vetter über den Onkel bis zum Neffen. Nur die PR-Abteilung von Osborne arbeitet kaum. Wozu auch? Der schwarze Stier ist längst kein Firmenmaskottchen mehr, sondern Symbol eines ganzen Landes. Von Katalonien einmal abgesehen, wo separatistische Vollblutpolitiker gerne erzählen, sie hätten als Rotznasen mit der Steinschleuder auf die Papphoden gezielt - und getroffen.

Osborne war Sponsor des VFL-Bochum

Wein, Schinken, Sherry, die scheinbar veralteten Exportschlager Spaniens erleben seit der Wirtschaftskrise eine Renaissance. Jamón Iberico verkauft sich glänzend, die Winzer aus der Rioja sorgen für schwarze Zahlen, doch Osborne toppt sie alle. Das in amerikanischen Eichenfässern gereiften Getränk geht in über 40 Länder, und das schon seit Jahrzehnten. 1975 beispielsweise, als Diktator Franco noch lebte und bei uns Schnapswerbung auf Trikots noch erlaubt war. Osborne war damals Sponsor des Ruhr-Vereins VFL Bochum. Und die Fans sollen einmal tatsächlich mit einem echten Stier in die Arena gekommen sein. Wie auch immer, ein Blick auf vfl-spielertrikots.de zeigt: Das Stierlogo war damals um Längen attraktiver als dieses quietschgelbe Netto-Trikot der heutigen Kicker. Und wo spielte der VFL 1975? Furios in Liga 1.

 

 

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