Carlos Saura im Porträt

Carlos Saura gelang mit seinem Film Carmen in den 1980er Jahren ein riesen Leinwanderfolg: Millionen verfolgten in Europas Kinosälen gebannt den Fortgang einer getanzten Eifersuchtsoper, deren Ausgang seit über 200 Jahren bekannt ist.

von Barbara Rudnick

Carlos Saura (1932-2023) kam in der nordspanischen Stadt Huesca zur Welt. Die gutbürgerliche Familie – Vater Jurist im Finanzministerium, Mutter Pianistin, der zwei Jahre ältere Bruder Antonio schon früh ein Maler – war republikanisch orientiert.

Während des Spanischen Bürgerkriegs zog die Familie von Madrid nach Valencia und dann nach Barcelona, bis Carlos schließlich mit sieben Jahren bei Verwandten – Anhängern des faschistischen Diktators Francisco Franco – auf dem Land untergebracht wurde. Damals ahnte noch niemand: Carlos Saura wird später einer der erfolgreichsten Regisseure Spaniens.

Wer Filme von ihm sehen möchte, findet einige in der ARTE-Mediathek. Darunter "Züchte Raben" (1976), "Die Jagd" (1966), Pfefferminz Frappé (1967) und der besonders gute Film "Anna und die Wölfe" (1973).

Debut mit "Los Golfos"

Während seines Ingenieursstudiums arbeitete Carlos Saura als Fotograf auf Tanzveranstaltungen und hatte erste Ausstellungen. Ab 1953 studierte er an der staatlichen Filmhochschule in Madrid und blieb dort bis 1963 als Dozent.

Schon sein erster abendfüllender Film Los Golfos (Die Straßenjungen) läuft 1959 bei den Filmfestspielen in Cannes. Hier begegnete er dem gut 30 Jahre älteren Luis Buñuel, dem wohl bekanntesten Vertreter visueller anti-frankistischer Kunst.

Beide stammten aus Aragón, hatten dieselbe Leidenschaft und wurden echte Freunde.

Surreales gegen die Zensur

Die politische Zensur beförderte auch bei Saura den „visuellen Notausgang“ surrealer Bildwelten, die nicht zufällig psychologische und biografische Deutung nahelegen.

So sagte Carlos Saura über seinen Film „Ana y los lobos (1972, deutsch: Anna und die Wölfe): “Ich machte diesen Film, weil meine Mutter, wenn ich damals zu Hause von politischen, sexuellen oder religiösen Problemen reden wollte, immer sagte: Darüber spricht man nicht. Das gleiche sagte dann die spanische Zensur zu mir: Alles, was Sie wollen – außer Sex, Politik und Religion!“

Es war wohl sein hintergründiger Humor, der auch Geraldine Chapilin faszinierte.

Saura lernte die Schauspielerin 1967 bei den Dreharbeiten zu „Peppermint Frappé“ kennen und lebt bis 1979 mit ihr zusammen. Diese Liebes- und Arbeitsbeziehung brachte nicht nur mehrere gemeinsame Filme, sondern auch den gemeinsamen Sohn Shane (*1974) hervor.

(Ehe-) Frauen und Kinder von Saura

Carlos Saura führte ein nicht nur in beruflicher Hinsicht erfülltes Leben: Aus erster Ehe mit Adela Medrano (1957) entstammten die Söhne Carlos (*1958) und Antonio (*1960).

Mit seiner zweiten Ehefrau Mercedes Pérez (1982) hatte Saura zwei weitere Söhne (Manolo, *1980 und Adriàn, *1984); seine Tochter Ana, aus der Beziehung mit Eulalia Ramón, kam 1995 zur Welt.

Bluthochzeit, Carmen, Tango

In Carlos Sauras Werk sind drei Pole erkennbar: die biografischen Wurzeln gutbürgerlicher Prägung, der politischen Unterdrückung als Extrem geistiger und leiblicher Pein und die Befreiung in künstlerischer Arbeit.

In diesem Spannungsfeld ist der Tanz ein immer wiederkehrendes Thema, am eindrücklichsten in der Film-Trilogie „Bluthochzeit“, „Carmen“, „Tango“, die in Zusammenarbeit mit dem Choreographen Antonio Gades und dem Flamenco-Virtuosen Paco de Lucia in den 80er Jahren entstand. 

Über 40 Filme

Bis zu seinem Tod entstanden mehr als 40 Filme, ausgezeichnet mit den höchsten Preisen internationaler Filmwettbewerbe (Berlin, Cannes), 2004 dann der europäische Filmpreis als Würdigung des Lebenswerks.

Und auch Sauras Bürgerkriegsroman „Esa Luz“ (2000, deutsch: „Dieses Licht“) lässt literarisch einen „Film im Kopf“ entstehen.

Die Autorin

Barbara Rudnick (M. A. Germanistik/Sozialpsychologie) arbeitete schon als Redakteurin und freie Journalistin für das Radio und in der Unternehmenskommunikation (Kundenmagazin/Briefvorlagen/Crossmedia Publishing).

Filme von Carlos Saura (Auswahl)

•    1959: Die Straßenjungen (Los golfos)

•    1965: Die Jagd (La caza)

•    1967: Peppermint Frappé

•    1970: Garten der Lüste (El jardín de las delicias

•    1972: Anna und die Wölfe (Ana y los lobos)

•    1973: Cousine Angélica (La prima Angélica)

•    1975: Züchte Raben (Cría cuervos)

•    1977: Elisa, mein Leben (Elisa, vida mía)

•    1978: Mit verbundenen Augen (Los ojos vendados)

•    1980: Los, Tempo! (Deprisa, deprisa)

•    1981: Bluthochzeit (Bodas de sangre)

•    1983: Carmen

•    1986: Liebeszauber (El amor brujo)

•    1990: Ay Carmela! - Lied der Freiheit (¡Ay, Carmela!)

•    1992: Maratón: für die Olympischen Spiele in Barcelona

•    1995: Flamenco

•  1996: Im Schutz der Nacht (Taxi)

•    1998: Tango

•    1999: Goya in Bordeaux (Goya en Burdeos)

•    2007: Fados

•    2010: Flamenco, Flamenco

•    2015: Argentina

•    2018: Jota

•    2022: Los Paredes hablan

 

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