
Filmkritik: Calle Málaga - ein Zuhause in Tanger
Regisseurin Maryam Touzani hat einen Film namens Calle Málaga - ein Zuhause in Tanger herausgebracht, für den sie auch das Drehbuch schrieb. Die Marokkanerin (*1980) konnte dafür Carmen Maura als Hauptdarstellerin gewinnen. Kinostart in Deutschland ist der 26. März 2026.
von Tobias Büscher
Regisseurin Maryam Touzani („Adam“, „Der blaue Kaftan“) hat für ihren neuesten Film in Venedig viel Applaus bekommen. Aus gutem Grund: Sie erzählt eine authentisch gute Geschichte. Mehr noch: Carmen Maura verkörpert in dem Spielfilm die 79-jährige María Ángeles, eine ältere Dame aus dem spanischen Viertel von Tanger. Dort, wo in den 1930er Jahren viele Spanier hinkamen, um dem Bürgerkrieg zu entfliehen.
Vom Balkon ihrer Wohnung in der Straße Málaga aus beobachtet sie das Stadtleben. Hintergrundmusik: Die Langspielplatte mit dem nostalgischen Lied Toda una Vida von Maria Dolores Pradera.
Die Musik kommt wieder, doch die Ruhe hält nicht lange. Ihre Tochter Clara, gespielt von Marta Etura, kommt zu Besuch, um sie ins örtliche Altersheim zu befördern und die Wohnung zu verkaufen. Das Drama beginnt. Und Carmen Mauras Schweigen ist wie ein Schrei: "Warum habe ich die nur auf die Welt gebracht? Warum habe ich kein Nießbrauch damals eingefordert, als mein Mann die Wohnung der Tochter überschrieb?
Erinnerung an die eigene Großmutter
Wer nun glaubt, einen traurigen Film zu sehen, der kennt die Regisseurin nicht. Vor allem aber fällt auf, wie viel Realismus darin steckt.
Maryam Touzani erzählt auch die Geschichte ihrer eigenen Großmutter. Einer Generation von Menschen also, die in Marokko immer bleiben wollten, während ihre Kinder nach Madrid, Sevilla und Barcelona auswanderten.
Carmen Maura: Liebling der Regisseure
Es gibt viele Filme mit Carmen Maura, doch diesmal ist sie vielleicht so gut wie nie zuvor. Schon Anfang der 1970er Jahre war sie in Kurzfilmen zu sehen, mimte später die Hexe in einem Film von Álex de la Iglesia genauso gut wie die Hysterische in Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs von Pedro Almodóvar. Jetzt spielt sie eine Frau aus ihrer Generation.
Die beiden Schauspielerinnen zeigen zudem einen Generationskonflikt zwischen Mutter und Tochter, der genau so auch in Paris, in Athen und in Hamburg passiert.
Drama-Komödie
Und so ist es ein durchdachtes Spiel zwischen Liebe, Ego und psychischer Gewalt mit Sequenzen voller unglaublich witziger Dialoge, ob am Gemüsestand oder im Beichtstuhl.
Die Baskin Marta Etura (*1978) hat sich die Regisseurin auch mit gutem Grund ausgesucht. Sie stand schon mit Luis Tosar in einem Gefängnisdrama vor der Kamera (Zelle 211) und schafft es in ihrer Rolle als Tochter, den Zuschauer bis zur Schmerzgrenze in ihre Konflikte und Ängste zu ziehen.
Im Grunde wäre Calle Málaga auch auf jeder Theaterbühne gut aufgehoben. Aber dafür sind die wunderbaren Aufnahmen der marokkanischen Stadt einfach zu attraktiv: die Marktstände mit den Zimtstangen, die Caféhäuser und Cabrios.
Übrigens: In Venedig hat das Publikum bei der Premiere nicht nur applaudiert, sondern Calle Málaga als besten Film ausgezeichnet.
Fazit: Großartig.
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