Serie zum Wegträumen: Foodie Love von Isabel Coixet

Arte Mediathek zeigt derzeit eine Serie der spanischen Regisseurin Isabel Coixet mit Namen Foodie Love. Sie ist Balsam, wenn man sich mal von den aktuellen Nachrichten erholen möchte.

Von Tobias Büscher

Foodie Love, Link zum Film ist eine wunderbar leichte Flirtgeschichte eines jungen Paars in Barcelona. Serien mögen oft zähflüssig und zum Wegklicken sein, aber diese ist brillant. 

Vor allem weil sich die Zuschauer die ganze Zeit fragen: Wann küssen die sich endlich? Dargestellt wird das Paar von der Katalanin Laia Costa (Fünf kleine Wölfe) und dem Argentinier Guillermo Pfening (The Paramedic), dessen Vorfahren übrigens aus Deutschland kamen. Es gibt Szenen und kulinarische Impressionen aus Barcelona, Rom und Japan, Gedankenspiele in Sprechblasen und die Frage aller Fragen: Welches Messer brauche ich zum Schneiden von Thunfisch.

Drehbuchautorin und Regisseurin ist Isabel Coixet (*1960 in Barcelona), die für Ihre Arbeit (siehe unten) Goya-Filmpreise bekam.

Angefangen hat sie mit 19 Jahren als Kamerafrau bei der wohl ältesten, 1864 gegründeten Werbefirma JWT. Um dann zehn Jahre später ihren Durchbruch zu feiern mit dem Spielfilm Demasiado viejo para morir joven (zu alt um jung zu sterben) . 

Coixet, Tochter spanischer Widerstandskämpfer während der Francozeit, hat in Barcelona Geschichte studiert, doch schon als Kind mit Papas abgelegten Filmkameras herumhantiert. Zum Glück. 

Filmhighlight aus Spanien: Elisa y Marcela

Ihr Spielfilm Elisa und Marcela (2019, auf netflix) beispielsweise ist ein Bravourstück des spanischen Films. Es geht um zwei junge Spanierinnen, die sich in einem strengen galicischen Konvent ineinander verlieben und dann später als Lehrerinnen (eine als Mann verkleidet) kirchlich heiraten. Die Geschichte ist tatsächlich passiert, und zwar im Jahr 1901 in La Coruña in der Kirche San Jorge, siehe Bild rechts. Es war der Skandal des Jahres, die Voz de Galicia brachte das Thema auf der Titelseite und der gesamte Klerus bekam Schnappatmung.

Coixet hat viele gute Filme gebracht, doch Elisa und Marcela ist unschlagbar. Die bigotten Erziehungsformen verbindet sie mit Gruppensex inklusive Seekrake, die Dialoge sind wunderbar und das Drama erheblich. Tatsächlich musste das lesbische Paar kurz nach der Heirat wegen all der Wutbürger das Land verlassen Richtung Lateinamerika.

Und was bekam Coixet für diese Arbeit? Den Goya für das beste Drehbuch, für die beste Hauptdarstellerin, für die beste Nebendarstellerin, für die beste Kameraführung, für die beste Musik und so weiter und so fort.

Kunst statt Herzchen

Coixet ist eine politisch denkende Frau, die leichte Unterhaltung mit Tiefgang mixt. Und die sich in ihren Kolumnen in der linksliberalen El País wunderbar aufregen kann. Vor allem über Influencerinnen, die bei Filmfestivals die ganze Aufmerksamkeit auf sich ziehen ohne die Filme zu kennen. Ihr Credo: Einen guten Film zu machen ist etwas anderes als 10.000 Herzchen in vier Minuten auf Instagram hochzuladen.

Den internationalen Durchbruch feierte sie 2003 mit My Life without me (Mein Leben ohne mich). Um ein Drama einer Frau Anfang 30 geht es darin ebenso wie in ihrem jüngsten, 2026 erschienen Streifen Un Amor.

Un Amor hat beim letzten Filmfestival in San Sebastián das Publikum begeistert, die mitgefiebert haben, wie eine Städterin in eine südspanische Hausruine zieht. Díeser FIlm erscheint sicher auch bald bei uns im Kino. Oder in der ARTE Mediathek. Aber bis dahin gibt es ja Foodie Love. 

Zitat aus dem Vorspann: “Eine Serie, gekocht von Isabel.”

Weitere Filmtipps zu Spanien

Ein Film von Carla Simón: Romería

Ein Film mit Carmen Maura: Calle Málaga

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