Victoria Abril, Schauspielerin, Madrid (1959), lebt in Paris. Filme: u.a. Fessel mich, Kika, High Heels. Die Last mit der Lust, Jimmy Hollywood, Reykyavic.

 

 

Victoria Abril: Star in Europa

Sie ist schön und intelligent, ihre Augen strahlen. Ihren Erfolg musste sich Victoria Abril dennoch hart erarbeiten. Bereits mit 14 begann ihre Karriere, mit 15 zog sie von Zuhause aus und heute gilt sie als eine der besten Schauspielerinnen Europas.

 

Von Volker Christian Rule

Ihre Tiefgründigkeit und Kreativität stellte sie bereits in über 60 Filmen unter Beweis. Noch ohne Künstlernamen hat Abril sich als Victoria Merida Rojas im zarten Alter von sieben Jahren als Ballett-Tänzerin versucht. In Spanien bekannt wurde sie aber erst durch die damals äußerst erfolgreichen TV-Shows „Uno, dos, tres, responda otra vez“ und „625 lineas“.
Ihr erster wichtiger Film war das Drama „Vincente Aranda's Cambio de Sexo“(1976). Hier glänzte sie in der Rolle eines femininen Mannes, der sich einer Geschlechtsumwandlung unterzieht.

Mit „Fessel mich!“ zum Ruhm

Ihren internationalen Durchbruch feierte Abril erst 1990 als neue Muse des berühmten Filmemachers Pedro Almodóvar. Der übertrug ihr in „Átame!“ die Rolle einer drogensüchtigen Pornodarstellerin und Gelegenheitsprostituierten, die von einem fanatischen Fan (gespielt von Antonio Banderas) gewaltsam an ein Bett gefesselt wird, wobei er erfolgreich ihr Herz gewinnt (zum Trailer). Der Film löste einen Skandal aus. Feministinnen liefen Sturm und brandmarkten „Átame!“ als frauenverachtendes Machwerk. In den USA verbannte man ihn in die Pornokinos. Doch trotz aller Hysterie gewann der groteske Liebesfilm etliche Medienpreise und gilt unbestritten als einer der wichtigsten Filme Victoria Abrils.

Vom Goya bis zum Silbernen Bären

Wenn man Abril darauf anspricht, ob sie sich selbst als Feministin sieht, winkt sie schnell ab: „Ich habe für die Unabhängigkeit getan, was ich konnte, aber als Erwachsene, als Frau – nicht als Feministin."Heute blickt die Schauspielerin auf viele Auszeichnungen zurück. Insgesamt acht Mal wurde sie für den spanischen Filmpreis Goya nominiert. 1996 erhielt sie ihn. Auch die deutschen Kritiker sind längst von den schauspielerischen Qualitäten der Frau überzeugt. Auf der Berlinale 1991 verliehen sie ihr den Silbernen Bären und 1993 die Berlinale Kamera.

Es geht auch ohne „Jolibuuu“

Zu den USA hat sie ein zwiespältiges Verhältnis, seit „Átame!“ dort geschmäht wurde. Das hat sich bis heute nicht geändert. Zwar hat sie sich für Barry Levinsons „Jimmy Hollywood“ (1994) über den großen Teich gewagt und drei Monate dort verbracht, doch glücklich war sie dort nie. Sie hat sich isoliert und einsam gefühlt. „Wie in einem goldenen Käfig“, sagt sie. Mit den Isländern kann die Künstlerin schon besser, wie sie im Jahre 2000 bei den Dreharbeiten zu „101 Reykjavik“ bemerkte. Allerdings herrschen auf der Insel dann doch nicht die Temperaturen, mit der die sonnenverwöhnte Spanierin sich dauerhaft anfreunden könnte. Gerade ihre spanischen Bewunderer finden sehr sympathisch, dass Abril sich eben nicht von „jolibuuu“ (Hollywood) hat einspannen lassen wie beispielsweise Antonio Banderas, Javier Bardem und Penélope Cruz. Abril ist eine Schauspielerin für Europa. Sie arbeitet nicht nur in ihrem Heimatland, sondern gerne auch in Frankreich und Italien.

Wahlheimat Frankreich

Als Wahlheimat hat die umtriebige Künstlerin schon Anfang der 1980er Jahre Frankreich für sich entdeckt und lebt heute mit ihren beiden Söhnen Martin und Félix in Paris. Ab und zu ist sie mit dem Fahrrad unterwegs, und dann passiert es schon mal, dass sie prompt um ein Autogramm gebeten wird. Avec plaisir. Die Frau mit den strahlenden Augen ist eben auf dem Teppich geblieben. Einfach fesselnd.



Der Autor

Volker Christian Rule ist Historiker und Archäologe mit amerikanischen und deutschen Wurzeln.

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