Bebe im Porträt

Ihr erstes Album Pafuera Telarañas (Raus mit den Spinnweben) war 2003 der bis dahin größte Erfolg einer Debütantin in Spanien. Mittlerweile ist Bebe auch Schauspielerin. Spaniens Musikstar heißt zwar wie ein Kleinkind, doch das nur als Künstlername. Der echte lautet María Nieves Rebolledo Villa.

 

von Marcos Fernández Vacas

Auf dem Cover ihres ersten Albums sieht Bebe (34) aus wie eine Punkerin: die schwarzen, kurz geschnittenen Haare richten sich auf, Nietenarmband und -gürtel als Accessoires, der hagere Körper ganz in Schwarz gekleidet. Und ein Gesicht mit großen, schwarzen Augen und einem langen und stolz vorgestrecktem Kinn. Ihr Aussehen spiegelt den Charakter des Albums wieder. Es sind Lieder voller emotionaler Kraft, starkem Selbstbewusstsein und hingebungsvollem Mut, aber manchmal erzählen sie auch von Brüchen und Rückzügen.

Musik einer starken Frau

Von Beginn ihrer Karriere an ist Bebe die Inkarnation des spanischen Independent-Musikers. Sie nimmt kein Blatt vor dem Mund, hat eine direkte und zugleich poetische Sprache und erreicht den Zuhörer mit Themen, die jeden etwas angehen. Bestes Beispiel ist ihr großer Singleerfolg „Malo“ (Böse), ein Lied gegen machistische Gewalt und Missbrauch: „Malo, malo, malo eres; no se daña a quien se quiere. Tonto, tonto, tonto eres; no te pienses mejor que las mujeres“ (Böse, böse, böse bist du; man verletzt nicht die man liebt. Dumm, dumm, dumm bist du; glaub dich nicht besser als die Frauen). Nicht nur wegen diesem Lied erhielt sie 2004 den Premio Ondas als Bester Newcomer, die älteste und eine der prestigeträchtigsten Musikauszeichnungen Spaniens. Die Jury urteilte, sie habe „triumphiert, indem sie die Rechte der Frauen zurückfordert mittels eines persönlichen Stils und Sounds.“


Bebe beginnt als Backgroundsängerin in der Extremadura

Typisch für diesen Sound ist Bebes Stimme, die laut und explosiv eine starke Dynamik entfalten, manches Mal auch leise und zart intime Gefühle ausdrücken kann. Dazu gehört auch der charakteristische Akzent der Sprache ihrer Heimatregion Extremadura, den sie nie verbirgt. Zwar ist sie als María Nieves Rebolledo Villa in Valencia geboren, doch kehren ihre Eltern bald in die Extremadura zurück, wo Bebe aufwächst. Ihre Eltern sind ebenfalls musikalisch und Mitglieder der Folkgruppe Sabina. Stets ist sie und ihre vier Brüder von Musik umgeben und lernt mit elf das Gitarrenspiel. Ab 1995 wird Bebe Backgroundsängerin der Gruppe Vanagloria. Sie tritt als Solokünstlerin in Badajoz auf, geht aber bald nach Madrid, wo sie Theater zu studieren beginnt. Jedoch lernt sie auch in Spaniens Hauptstadt bald Musiker wie Tontxu kennen und arbeitet weiter an ihrer musikalischen Karriere. 2002 beginnt sie auch als Schauspielerin in Fernsehfilmen mitzuwirken. Sie arbeitet mit Regisseuren wie Fernando Colomo oder Jesús Bonilla zusammen.

 

Pafuera Telarañas

Doch "Pafuera Telarañas" ändert ihr Künstlerleben von Grund auf.  Das Album erreicht in Spanien fünf Mal Platin und wird weltweit 500.000 Mal verkauft. Platin erreicht es auch in Argentinien, Gold in den USA und Kolumbien. Bebe wird mit Preisen überhäuft, unter anderem 2005 mit einem Grammy Latino und vier Premios de la Música in Spanien. Tourneen führen sie durch Europa und den USA. Auf dem Höhepunkt ihres Erfolges kündigt sie 2006 den zeitweisen Rückzug aus dem Musikgeschäft an und widmet sich verstärkt der Schauspielerei. Mit Julio Médem dreht sie"Caótica Ana" (Chaotische Ana) und mit José Luis Cuerda "La educación de las hadas" (Die Erziehung der Feen). 2007 bekommt sie für den Song "Tiempo pequeño" aus "La educación ..." den Filmpreis Goya in der Kategorie Bestes Originallied. Erst fünf Jahre nach ihrem Debüt erscheint  das zweite Album Y.


Niemals abgehoben


Trotz des enormen Erfolges steht sie fest auf beiden Füßen, besonders nach der Geburt ihrer Tochter Candela im Jahr 2010. Im Interview mit El País macht Bebe deutlich, keine Zeit verschwenden zu wollen. Der Fehler vieler junger Künstler besteht ihr zufolge darin, zu denken, jemand käme mit einem Zauberstab und mache sie berühmt. Sie folgt ihrem Vater, der sagte: „Es ist gut, wenn du dich um deine Sachen kümmerst, Tochter, aber genieße auch jedes kleine Ding, das du machst!“ Das nächste "kleine Ding" ist ihr neues Album "Un pokito de rocanrol", das Anfang dieses Jahres erschien. Für Bebe ist es ein neues musikalisches Abenteuer, eine Reise ins Unbekannte, das das musikalische Panorama Spaniens wieder durcheinanderbringt. Seit einigen Monaten ist sie wieder auf Tour und begeistert ihre Fans.

 

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Der Autor

 

Marcos Fernández Vacas, Kind baskisch-burgalesischer Eltern, lebt von Geburt an in Bonn. Er hat einen Faible für spanische Philosophen wie Miguel de Unamuno sowie Flamenco und spielt selber Gitarre.

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