Waldbrände in Spanien

Abgebrannte Bäume, verkohlte Erde. Waldbrände zerstören in Spanien pro Jahr über 80 000 Hektar Land. Seit 1960 haben sich die Vorfälle verzehnfacht und Verursacher ist oft der Mensch. Doch die Maßnahmen gegen die Feuer bleiben bescheiden.

von Milena Mount

Jüngste Statistiken in Spanien zeigen: Nur vier Prozent aller Waldbrände haben einen natürlichen Ursprung. Auslöser sind vor allem weggeworfene Kippen oder Glassplitter (68 Prozent) sowie Brandrodung für die Landwirtschaft und Grundstückspekulationen. Die traurige Bilanz allein für das Jahr 2012: 180.000 Hektar Land gingen in Flammen auf und zerstörten viele Waldgebiete, darunter auch 370 Hektar des wertvollen, steinalten Eichenwalds Fragas de Eume in Nordwestspanien.

Wo es in Spanien am meisten brennt

Laut WWF sind vor allem die Regionen Nordkastilien, Kanarische Inseln, Extremadura, Valencia und Galicien Opfer der Brände. Während es auf den Kanaren, in der zentralen Extremadura und am spanischen Mittelmeer im Sommer sehr heiß wird, ist Galicien in Nordwestspanien die regenreichste Region Spaniens. Der Grund für die dortigen Brände ist der Anbau von schnell wachsenden Eukalyptusbäumen, die wie Zunder brennen. Pikant daran: Eine WWF-Studie stellte schon 2008 fest: Auch die Lokalregierungen der besonders betroffenen Gebiete ergreifen viel zu wenig Schutzmaßnahmen.

 

Bei Totalbrand geht nichts mehr

Waldbrände entstehen in Spanien wie anderswo in drei Phasen. In der ersten lässt sich der Brand noch löschen, in der letzten Phase, dem sogenannten Totalbrand, geht nichts mehr. Sobald ein Bodenbrand im Gange ist, versucht es die spanische Feuerwehr mit Schneisen im Wald und Löschflugzeugen sowie Helikoptern. Die Arbeit der Piloten ist dabei schwierig und zum Teil lebensgefährlich.

Löschwasser auch aus Stauseen

Ein weiteres großes Problem beim Kampf gegen das Feuer ist die Wasserversorgung. Vor allem in trockenen Gebieten wie der Extremadura müssen die Piloten Stauseen für das Auffüllen der Tanks aufsuchen, wodurch der Wasserpegel sinkt. Die Piloten auf Ibiza, an der Küste von Valencia und am Atlantik nutzen dagegen das Meerwasser.

Gefahr Nummer 1: Monokulturen in Südspanien

Der Klimawandel hat die Hitzewellen und Trockenzeiten in Spanien mit verursacht. Ein anderer Grund aber ist die Monokultur, etwa der großflächige Anbau von Gurken und Erdbeeren unter Plastikplanen in Andalusien. Das entzieht dem Boden jegliches Wasser und erzeugt ein Wüstenklima, in dem schon Western gedreht worden sind. Südspanien, so das Onlineportal El Mundo, "versteppt und verwüstet zusehends".

Feuerabhängiges Ökosystem

Vor allem Spaniens Mittelmeerraum ist ein feuerabhängiges Ökosystem, die Brandgefahr unumgänglich. Nötig sind daher sinnvolle Maßnahmen wie die vier Säulen eines ausgewogenen Feuermanagements: Vorbeugung, Vorbereitung, Reaktion und Wiederherstellung. Auch das Engagement der Anwohner ist hilfreich. WWF empfiehlt: weniger Monokultur, mehr traditioneller Ackerbau wie vor Jahrhunderten: Beispielsweise dienten Schafweiden schon immer als natürliche Schneisen zwischen den Waldgebieten.

Sorglose Touristen, gelassene Politiker

Spaniens Politik handelt - etwas. Seit 2006 untersagt ein Gesetz die Nutzungsänderung für abgebrannte Waldflächen für 30 Jahre. Wer vorsätzlich Feuer legt, muss bis zu vier Jahren ins Gefängnis. Allerdings ist bislang kaum ein Brandstifter überführt worden. Aber auch wir Besucher stehen in der Pflicht und können etwas für Spaniens Umwelt tun. Glassplitter am Jakobsweg entsorgen oder eine Zigarettenkippe an der Costa Brava aus dem Autofenster werfen ist extrem fahrlässig und kann verheerende Folgen haben. Denn wer möchte nicht weiterhin durch schattige Pinienwälder an den Playas Südspaniens spazieren und die alten Korkeichen in der Extremadura bewundern? Spaniens Natur können auch wir Urlauber schützen.

Die AutorinMilena Mount schreibt für einen Newsletter und Kurzgeschichten. In der verbleibenden Zeit reist sie viel und liest gerne gute Bücher.