Artur Mas als Kataloniens Regierungschef im Kreis von Schulkindern
Kataloniens Regierungschef Artur Mas beim Fotoshooting mit Schulkindern

Más Cataluña - Artur Mas im Porträt

Im Rücken die gelb-rote Fahne, vor sich die begeisterte Menge. Der bis Januar 2016 amtierende Ministerpräsident Kataloniens Artur Mas (*1956) setzte sich und seine Region gerne in Szene – und brachte dabei ganz Spanien ins Schwitzen. Sein Motto: Más Cataluña, mehr Katalonien.
 

Ein Portrait von Michael Karlbowski

 
Im gut geschnittenen Anzug sitzt der Mann mit dem durchdringenden Blick und einer Haarpracht, die unter Politikern ihresgleichen sucht, in seinem Büro in Barcelona und polarisiert wie kein anderer. Für die einen ist er ein Held, die Galionsfigur der katalanischen Unabhängigkeitsbewegung. Für die anderen ist er ein Feigling und reiner Pragmatiker.

Ältester Sohn einer Industriellenfamilie

Als kleiner Junge fällt er unglücklich auf eine Pfanne mit heißem Öl. Ansonsten ist seine Biografie zunächst ein Paradebeispiel großbürgerlichen Lebens. Als Ältestes von vier Kindern wächst der zukünftige Ziehsohn Jordi Pujols unter dem Namen Arturo Mas in einer Industriellenfamilie auf.  Er besucht ein französisches Gymnasium, spricht vier Sprachen, spielt Fußball und begeistert sich fürs Angeln. Nach einem erfolgreichen Studium der BWL und VWL und nach dem Ableisten seines Militärdienstes, versucht sich Arturo Mas zunächst in mehreren privatwirtschaftlichen Unternehmen. So arbeitete er unter anderem bei dem Aufzug-Hersteller Goberna y Mosso (Magomo), einem Unternehmen, das einst von seinem Großvater gegründet wurde.

Private Idylle

Zu dieser Zeit begegnet er auch seiner Frau, der gebürtigen Tschechin Helena Rakosnik. Sie lernen sich 1979 auf der Hochzeit eines Freundes kennen, unterhalten sich die meiste Zeit über Angelsport und zappeln danach so sehr am Haken des anderen, dass sie drei Jahre später heiraten, drei Kinder bekommen und 2012 ihr 30-jähriges Hochzeitsjubiläum feiern. Im Privaten bleibt die Familie Mas dem bürgerlichen Lebenswandel treu. Der Familienvater arbeitet viel, schläft wenig und hält sich mit Schwimmen fit. Die Familie geht sonntags zur Kirche und verbringt den Urlaub jedes Jahr im selben Hotel auf Menorca. Trotz seiner familiären Hingabe bekennt Artur Mas gegenüber dem Magazin La Voz Libre eine heimliche Schwäche: Bei einem unmoralischem Angebot von Michelle Pfeiffer könnte er nicht widerstehen.

Auf Konfrontationskurs mit Madrid

Zwischen Barcelona und Hollywood liegen indes jedoch Welten. 2000 hat Mas seinen Vornamen von Arturo in die katalanische Form Artur ändern lassen und das Land sorgt sich seither eher um dessen politische Person. Allen voran Spaniens Ministerpräsident Mariano Rajoy. Laut einer Umfrage aus 2012 befürworten mittlerweile 50% der Katalanen die Unabhängigkeit. Zwar wäre ein diesbezügliches Referendum von der Erlaubnis der spanischen Regierung abhängig, doch seit der Wiederwahl Artur Mas zum Ministerpräsidenten Ende 2012 haben sich die Fronten zwischen Madrid und Barcelona verhärtet. Ging es vorher vornehmlich um Autonomie in Sachen Steuerpolitik und EU-Beziehungen, steht das Wort Unabhängigkeit mittlerweile offen im Raum. Nach dem Zusammenschluss von Artur Mas CiU und der linksnationalistischen Partei ERC sind feste Ziele formuliert worden, die eine Volksbefragung und die Verabschiedung einer „Erklärung über die Souveränität des Volkes von Katalonien“ enthalten.

Das Ruder des Großvaters

Auf seinen Bürostühlen prangt das Motto: „ Ein kühler Kopf, ein heißes Herz, ein fester Griff, beide Beine auf dem Boden“. Dieser Spruch stand ursprünglich auf einem Ruder, das ihm sein Großvater, ein einstiger Seemann, hinterließ. Artur Mas ist begeisterungsfähig - im privaten Leben wie im öffentlichen Amt. Dabei steht er hier wie dort fest auf dem Boden. Viele Katalanen fragen sich allerdings, ob ihn nicht vielleicht ein allzu kühler Kopf und ein kalkulierender Pragmatismus leiten. Zwar hat sich Artur Mas als politischer Erbe Jordi Pujols verdient gemacht als er die CiU nach Jahren in der Opposition wieder zur Regierungspartei aufpäppelte. Allerdings liegt es vielen quer im Magen, dass er so spät auf den Unabhängigkeitszug aufgesprungen ist. 

Dort, wohin der Wind weht ...

Erst seitdem die Bewegung stark genug ist um ihn zu tragen, denkt Artur Mas auch laut darüber nach, Katalonien staatlich umzugestalten. So wird befürchtet, der Mann in Barcelona hänge seine katalanische Fahne dorthin, wo der Wind gerade am stärksten weht. Und dann ist da immer noch die spanische Zeitung El Mundo, die ihm bisweilen sogar Steuerhinterziehung vorwirft – ohne dies bislang jedoch beweisen zu können.

 

Ob Michelle Pfeiffer oder politische Agenda  - es kann nicht schaden, wenn Artur Mas das Ruder seines Großvaters nicht aus den Augen verliert und gleichermaßen mit Kopf und Herz durch seine zweite Amtszeit steuert.

 

Der Autor
 
Michael Karlbowski hat Anglistik und Evangelische Theologie in Heidelberg studiert und lebt in Köln. Ein längerer Auslandsaufenthalt in Nordirland weckte sein Interesse an traditioneller galicischer Musik und damit an Spanien. Der Fußweg nach Santiago de Compostela steht derweil noch aus.

Nach oben

 

Weiterführende Links 

 

Die Politikerin Chacón

Grünen-Chef Uralde

Felipe González

 

 

Bewerte diese Seite

 
 
 
 
 
 
 
Bewerten
 
 
 
 
 
 
3 Bewertungen
60 %
1
5
3
 
Logo Werbepartner