Santiago de Compostela in Galicien

Galiciens Hauptstadt ist vieles in einem: Pilgerziel, Studentenstadt und regionale Hauptstadt. Die Metropole aus Granit liegt ganz im Nordwesten Spaniens und hat eine der wertvollsten Kathedralen Europas. Aber auch der Markt und die Altstadtgassen sind wunderbar.

"Santiagos Altstadt gleicht einer steinernen Theaterkulisse, in der die Besucher und Bewohner ihre Rollen nie auswendig lernen mussten: Schnell unter die Arkadengänge und in die Cafés, wenn der Regen einsetzt, und ebenso schnell wieder auftauchen, sobald das fantastische Granit-Ensemble neues Sonnenlicht reflektiert."

So steht es im neuen Reiseführer "Galicien & Jakobsweg" von DuMont. Lage der Stadt siehe Stern auf der Karte im Nordwesten Spaniens.

Die beste Reisezeit ist außerhalb des Festmonats Juli, denn rund um den 25. Juli (Jakobstag) ist die Stadt brechend voll. Hier geht es zum offiziellen Santiago-Portal

Champager des Alltags in der Stadt aus Granit

Zwar regnet es in Santiago de Compostela öfter als in anderen Städten, doch im Sommer, vor allem im Juli/August, gibt es zahlreiche Sonnentage.

Der Name geht auf den Heiligen Jakob (Sant-Iago zurück) und mit ihm verbunden ist die Legende vom Heiligen Jakob, der in Spanien gepredigt haben soll und die galicische Metropole geprägt hat wie sonst niemand: ihren Ursprung, ihren Ruf und ihre perfekt erhaltene Altstadt aus Granit. 

Die Kathedrale von Santiago

Die Kathedrale ist ein  traumhaftes romanisches Gebilde mit barockem Überbau und einer der bedeutendsten Kathedralen der Welt. Das gesamte Ensemble hat die UNESCO folgerichtig zum Weltkulturerbe bestimmt.

Sie liegt an der Praza Obradoiro und ist jedes Jahr Ziel von Millionen Pilgern und Touristen. Ebenfalls am "Platz des Goldenen Werks" befinden sich der Parador Hostal dos Reis Católicos und das klassizistische Rathaus Pazo de Raxoi.

Probleme bereitet immer mal wieder das Dach der Kathedrale, welches wegen dem winterlichen Regen immer wieder beschädigt ist. Doch für das Heilige Jahr 2021 ist das Gotteshaus wieder herausgeputzt worden.

Wobei der Haupteingang nun geschlossen ist und die Besichtigung des Pórtico 10 Euro kostet. Was die Organisatoren damals nicht ahnen konnten: Wegen der Pandemie kamen kaum Besucher.

Einmal Weihrauchkesselschwenken bitte!

Wer den Weihrauchkessel durchs Querschiff der Kathedrale sausen sehen will, kommt an besten an den Feiertagen. Denn dann (Uhrzeit verrät das Infoamt) bringen die Kirchendiener das rauchende Silbergefäß an Seemannsseilen in Fahrt.

Wer außerhalb solcher Termine das Spektakel erleben will, kann es sogar für ein paar Hundert Euro selber buchen.

Adresse: Oficina de Acogida de Peregrinos, Rúa do Vilar 1, 15705 Santiago de Compostela, Tel: 981 568 846, Webseite

Rundgang durch Santiagos Altstadt

Wer durch Santiago läuft, wundert sich über die vielen Adelspaläste, Klöster und Konvente, die endsetzlich vielen Souvenirshops und das wunderbare Granitflair der Stadt mit ihren Arkadengängen und schönen Plätzen wie Praterías und Quintana.

Von der Kathedrale aus führen die kleinen Gassen Rúa Franco, Rúa Nova und Rúa do Vilar bis zum Park Carballeira de Santa Susana, von wo aus man einen tollen Blick auf die Kathedrale hat.

Auch der Markt lohnt einen Besuch, wo die Bauern der Umgebung vormittags ihre Steckrüben und Kartoffeln anbieten, während nebenan die Fischhändler Seekraken und Venusmuscheln aus dem nahen Atlantik verkaufen.

Museen in der Pilgerstadt

Ganz traditionell ist das Museo do Pobo Galego, San Domingo de Bonaval s/n, Eintritt frei. Auf den verschiedenen Stockwerken sind Modelle früherer Bauernhöfe zu sehen, Mühlsteine, Trachten und Gemälde.

Wesentlich moderner ist das Centro Galego de Arte Contemporáneo, Rúa Valle Inclán s/n, www.cgac.org.es, Eintritt frei.

In dem Granitkasten neben dem Kloster Santo Domingo sind vor allem aktuelle galicische Künstler ausgestellt. Und dann gibt es noch das 2015 in ein ehemaliges Bankgebäude umgezogenes Pilgermuseum im Schatten der Kathedrale mit Namen Museo das Peregrinacions.

Es liegt an der Praza Praterías und zeigt historische Dokumente des Jakobswegs.Eine der Top-Anlagen aber liegt außerhalb des Stadtkerns: die Ciudad de la Cultura.

Das Werk des Architekten Eisenmann wird nicht vollendet, hat die galische Regierung 2013 entschieden.

Klima und Reisezeit für Santiago und Galicien

In den Sommerferien fahren die hitzegeplagten Madrilenen und Andalusier sehr gerne nach Galicien. Denn im Juli und August regnet es selten und es ist wegen des Atlantiks nicht brüllheiß sondern angenehm warm.

Wer von Santiago aus an die Küste fährt, hat in dieser Zeit vor allem an der Südküste Wassertemperaturen um die 20 Grad und viel mehr Platz am Strand als auf Mallorca oder Teneriffa.

Galicien ist gleichzeitig die regenreichste Region der gesamten Iberischen Halbinsel. Ein Sprichwort lautet: En Noviembre llueve siempre (im November regnet es ohne Unterlass).

Galiciens Hauptstadt ist aber selbst dann einen Besuch wert, und es gibt genug hübsche Arkadengänge für die Stadtvisite. Wer von Sarria nach Santiago pilgert, sollte beachten: Das ganze Jahr über ist das möglich, denn die letzten 100 km bis zum Pilgerziel sind zu flach, als das dort Schnee fallen würde.

Individualisten nehmen sich daher ganz bewusst den Winter vor, denn dann läuft man auch schon mal ganz für sich allein. Und obligatorisch mit Regencape.

September und Oktober sind meine persönlichen Lieblingsmonate für einen Besuch. Und zwar aus zwei sehr kulinarischen Gründen: Jenseits der Sommerferien beginnt hier die Saison der Hummer, der Langusten und der Miesmuscheln. Gleichzeitig läuft die Weinernte und damit verbunden schöne Feste. Und Baden an den Rías Baixas ist auch noch möglich.

Auch Mai und Juni bieten sich für Santiago an, wenn es noch nicht so voll ist. A propos voll: Wer vor der Pandemie im Jahr 2020 gegen Ende Juli oder Anfang August nach Santiago kam, erlebte einen Stau in den Altstadtgassen.

Geradezu unerträglich war es an Wochenenden, Mehrere tausend Pilger, dazu busseweise Kreuzfahrttouristen zur Dreistundenvisite. Aber was Pilgermassen und Kreuzfahrtschiffe angeht, tut sich ja inzwischen etwas.

Als ich 2019 mit meiner Familie im Hochsommer an einem Samstag in Santiago ankam, wollten meine Tochter und meine Frau sofort wieder abfahren.

Nachdem wir auf einem Spielplatz vom Stimmgewirr erschlagen worden waren, so einem Mix aus Schwäbisch, Sächsisch und Shalkisch.

Wir haben die Flucht ergriffen und sind weiter nach Malpica an die Nordküste gefahren. Und haben gebadet. Mit den Anwohnern. Herrlich.
 

Praktische Tipps zu Santiago de Compostela

Tipp zum Übernachten

Alameda, San Clemente 32, Tel. 981 58 81 00. Sauberes Hostal, das gerne auch von Pilgern besucht wird und besonders günstig ist. Zimmer mit und ohne Bad.

Tipp zum Essen

In den Gassen Franja, Nova und Vilar bieten sehr viele Tavernen typisch galicische Kost an, darunter Pulpo, Empanada und nahrhafte Fleischgerichte.

Einkaufen

Kunsthandwerk vom Gagatstein bis zu Spitzendecken gibt es vor allem in den Gassen Rúa Nova und Rúa Vilar.

Nachtleben:

Zu den angesagten Pubs und Tavernen gehören: Momo, Modus Vivendi, Metate und die Keltenkneipe Crechas.

Weiterführende Links

Reiseziel Jakobsweg

Castros der Kelten

Feismo in Galicien. mehr

Santiagos Pilgerschatten

Im Römerring: Lugo

Die Arbeitermetropole Vigo

Rezept Pulpo

Rezept Empanada

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