Grüne Hoffnung für Spanien: der Politiker Uralde

Der Baske Juan López de Uralde (geb. 1963) ist führende Kraft der Partei der Grünen in Spanien. Bei der Parlamentswahl im Dezember 2015 wird er wohl wieder mäßig abschneiden, hat aber schon drei Koalition mit Regionalparteien realisiert.

von Hülya Tapti

Graumelierte Haare, aufgeweckte, freundliche Augen,  rundliches Gesicht. Juan López de Uralde wirkt wahrlich nicht wie einer, der wegen Einbruchs, Dokumentenfälschung und Amtsanmaßung drei Wochen in Isolationshaft kommt. Doch genau das war dem damaligen Chef der spanischen Greenpeace-Sektion 2009 auf dem Klimagipfel  in Kopenhagen widerfahren.  Mit drei weiteren Greenpeace Aktivisten hatte er sich Zugang zu einem Empfang der dänischen Königin verschafft, wo er vor laufenden Kameras ein Plakat entrollte.  Aufschrift:  „Politicians Talk, Leaders Act“.  Damit wollte er die angereisten Staats- und Regierungschefs an ihren halbherzigen Kampf gegen den Klimawandel erinnern.

Engagierter Visionär

Was folgte, waren 21 Tage Haft  über Weihnachten und Neujahr in einem dänischen Gefängnis und ein Gerichtsverfahren, das mit einem Freispruch endete. Noch immer empört ihn die Ignoranz der Politiker, die alarmierende Daten über den Klimawandel und steigender Emissionen allenfalls rhetorisch behandeln. Doch vielleicht ist es diese Wut, die Uralde Energie und Kraft gibt, sich immer wieder aufs Neue einzumischen. Vielleicht kann er aber auch einfach nicht anders. Uralde ist ein Überzeugungstäter. Bereits als Student war er in der spanischen Umweltbewegung aktiv und damit seiner Zeit weit voraus. 1987 trat er Greenpeace bei, leitete  zehn Jahre  (1991-2001) eine weltweite Kampagne gegen toxische Stoffe und wurde anschließend Chef von Greenpeace Spanien (2001-2010).

Equo: eine grüne Partei für Spanien

Mit knapp über 50 Jahren hat Uralde nichts an Elan verloren.  Im Gegenteil.  Im Oktober 2010 gründete er mit weiteren Umweltaktivisten eine neue Partei mit dem Namen Equo.  Equo setzt sich zusammen aus Ecología (Ökologie) und Equidad (soziale Gerechtigkeit) und ist in einer Art Reaktion auf die wirtschaftliche, ökologische, soziale und politische Krise in Spanien und weltweit entstanden. In ihrem Parteiprogramm fordert Equo den Ausstieg aus der Atomenergie, einen ökologischen Umbau der spanischen Wirtschaft, mehr Bürgerbeteiligung sowie die Bekämpfung der Korruption. Hierfür war Uralde mehr als ein Jahr in Spanien unterwegs und hatte sich mit verschiedensten Bürgerinitiativen und Aktivisten unterhalten.

35 000 gesammelte Unterschriften

Das Ergebnis ist eine gesamtspanische grüne Partei mit 8000 Mitgliedern innerhalb eines Jahres und 35 000 gesammelten Unterschriften binnen zehn Tagen, womit Equo die Barrieren des spanischen Parteiengesetzes überwand. In einer offenen Urwahl im Netz hatten die Equo-Mitglieder Uralde als Vorsitzenden gewählt. Auch hier unterstreicht er den Anspruch seiner Partei, sich für mehr Bürgerbeteiligung und mehr demokratische Rechte einzusetzen. Sein Credo: Erst wenn die Menschen sich wieder von der Politik ernst genommen und vertreten fühlen, lässt sich die eklatante Kluft schließen, die in den Protesten der Indignados („Empörten“) so vehement ihren Ausdruck gefunden hat. Juan López de Uralde könnte dies gelingen.  Mit seinem jahrelangen Engagement im Umweltschutz und seiner unverfälschten und authentischen Art verkörpert er den Typus Politiker, den es immer weniger zu geben scheint. Einer, der beide Seiten kennt, weiß, wovon er spricht und sich nicht scheut, auch mal zuzupacken.

Schlappe bei Parlamentswahl

Am 20. November 2011 kam Uraldes Partei in und um Madrid allerdings noch nicht über die 3 Prozent, die für einen Parlamentssitz nötig sind. Und landesweit schaffte er gerade einmal drei Plätze in Koalition mit Regionalparteien in Katalonien (2) und Valencia (1). Doch viele trauen ihm zu, mit seiner Partei bald Fuß zu fassen in Spaniens Parteienlandschaft. Dieser mäßige Erfolg hat sich bis heute kaum geändert. wo angesichts der neuen Ökobewegungen die Umweltparteien einen großen Aufwind erleben.

 

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Die Autorin

Hülya Tapti ist Politikwissenschaftlerin und hat für die Fraktion der Grünen im EU-Parlament in Brüssel gearbeitet.