Pilger trinken gratis Wein am Jakobsweg in Spanien
Ein Prost auf die Bodega. Deutsches Pilgerpaar bei der Gratis-Weinprobe, tb

Weinbrunnen am Jakobsweg

Hahn öffnen, gratis Wein einschenken, Prost. Der Weinbrunnen Fuente del Vino am Jakobsweg ist die geniale PR-Idee einer nordspanischen Bodega. Wobei die potenzielle Laufkundschaft lieber keine schweren Weinflaschen für den weiteren Weg in den Pilgerrucksack steckt.


Von 8 bis 20 Uhr ist der Weinbrunnen unterhalb des Klosters Irache geöffnet. Er liegt auf halbem Weg zwischen Pamplona und Logroño. Seit Jahren pilgern die Jakobswanderer dorthin, öffnen den Messinggriff, gießen Wein in ein winziges Glas und sagen Prost. Glas auswaschen. Der nächste bitte.

Kuriosum nahe Estella

3 km von dem Navarra-Ort Estella entfernt weist ein Hinweisschild auf den Fuente del Vino hin. Ein kurzer Weg vom Klosterplatz hinunter und das Kuriosum ist erreicht. Der Rotwein ist ok, schließlich liegt der Ort ganz nah an der Weinregion La Rioja. Auch das Weinmuseum der Bodega Irache ist ganz nett. Aber das besucht eh keiner. Stattdessen ein kurzer Schluck gratis und schon geht die Pilgerreise weiter.

Nette Geste der Bodega Irache, kaum Verkauf an die Pilger

Die Bodega macht so etwas nicht ganz uneigenützig. Schließlich soll dies viel Werbung für den Wein bringen. Und tatsächlich gibt es keinen Reiseführer über den Jakobsweg, der das Thema nicht aufführt. Einst hatten die Betreiber sogar eine Webcam installiert, um die Pilger beim Trinken zu filmen. Doch das war juristisch zu bedenklich. Zudem weist ein Schild darauf hin: Die Weinprobe bitte nur ab 18 Jahren, woran sich natürlich kein Jugendlicher hält. Doch Besaufen geht eh nicht. Die zwei Gläser sind knapp größer als ein Fingerhut und bei all den Wanderern warten schon der nächsten und übernächsten Besucher auf die kulinarische Spende.

Tschüss, ist ja noch ein weiter Weg ...

Crux an dem ganzen: Wer die Pilger vor Ort beobachtet, merkt gleich: In das Kloster gucken sie rein. Den Schluck Wein gönnen sie sich auch. Aber die Bodega selbst, die lassen sie links liegen. Es ist ja schließlich noch ein weiter Weg bis Santiago. Und ein kurzer bis zur Region Rioja, wo es in der Hauptstadt Logroño in jeder Taverne der Gasse Laurel mindestens so gute Weine gibt ...

Dennoch, die Bodega, 1891 gegründet, macht gute Umsätze dank spanischer Konsumenten. Und freut sich über die Publicity seit dem 1991 eingeführten Trick mit dem Weinbrunnen. Wobei die Betreiber nicht müde werden zu erzählen: Schon der Codex Calixtinus, das erste Pilgerbuch über den Jakobsweg aus dem 12. Jh., hat den Ort Irache erwähnt. Darin steht, es gebe "gutes Brot und sehr guten Wein". Na dann Prost.

Übrigens: Das Hotel Malzmühle in Köln geht noch einen Schritt weiter. Dort fließt das Freikölsch aus dem Wasserhahn.



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