Nordspaniens Tierpark Cabárceno

Nordspaniens Region Kantabrien hat schöne Strände und die einzigartige Berglandschaft Picos de Europa. Eine weitere Attraktion ist schon weniger berühmt: Der Tier- und Naturpark Cabárceno, der sich von einem gewöhnlichen Zoo deutlich unterscheidet und schon deshalb einen Besuch wert ist.

Von Christine Barreteau

Es ist ein bisschen wie im Skiurlaub: In besonders langsamem Tempo macht sich die Gondel auf den Weg in die Höhe. Doch statt Skipisten findet man zu seinen Füßen die sonnigen Weiten des Naturparks von Cabárceno.

Da plantschen ein paar Braunbären genüsslich im Wasser, etwa 100 Meter weiter befinden sich zwei von ihnen gerade in einem Kampf, bevor einer dann doch lieber das Weite sucht.

Am anderen Ende trotten tonnenschwere Elefanten durch ihr Gelände, während die Glasgondel federleicht über sie hinwegschwebt. Es sind besondere Einblicke, die die Seilbahn den Besuchern bietet.

So ist es möglich, auch die Parkbewohner zu entdecken, die es sich in sonst nicht so zugänglichen Bereichen gemütlich gemacht haben. Safari von oben sozusagen.

Kein gewöhnlicher Tierpark

Der Parque de la Naturaleza Cabárceno nahe der Küstenstadt Santander ist vor allem bekannt für seine Größe und Artenvielfalt. Auf 750 Hektar eines ehemaligen Tagebaugebiets erstrecken sich Gehege, in denen mittlerweile über 120 Tierarten aus aller Welt leben.

Das Besondere: Bis auf die Fütterungen sind die Tiere mehr oder weniger unter sich und können sich fast wie in freier Wildbahn entfalten.

Der riesige Park bietet anders als herkömmliche Zoos genügend Platz für Ruhe- und Rückzugszonen. Und deshalb sind Giraffe, Tiger und Co nicht konstant den Blicken der Besucher ausgesetzt. Mehr noch: Der Protagonist sind die Tiere, sagt der tierärztliche Koordinator des Parks, Santiago Borragán. Sie entscheiden, wann sie sich zeigen wollen und wann nicht. Geduld und gute Augen sind also gefragt.

Besonders beliebt sind die Elefanten- und Nashorngehege, welche nach Anmeldung sogar in Begleitung eines fachkundigen Mitarbeiters betreten werden können.

Neben Exoten wie Tiger, Gorilla, Wallaby und Zebra gibt es natürlich auch in Europa heimische Tiere zu sehen, wie zum Beispiel den Iberischen Luchs. Viele von ihnen sind bedrohte Tierarten.

Viele Wege führen durch Cabárceno

Durch den Park führt ein Netz aus mehr als 20 Kilometer langen Straßen, über welche die Besucher mit dem Auto zu verschiedenen Parkplätzen gelangen. Von dort aus führen Wanderwege vorbei an Tiergehegen, Seen und Aussichtspunkten.

Ein Highlight ist die im Preis inbegriffene Seilbahn, welche in zwei sich ergänzenden Linien über den Park führt und nochmal eine ganz andere Perspektive auf Tiere und Landschaft bietet. Oben angekommen, wartet am Aussichtspunkt Rubí bei gutem Wetter der Panoramablick auf die Bucht von Santander

Wer nicht das Auto oder die Seilbahn nehmen möchte, kann sich den Park auch vom Fahrrad aus anschauen. Geführte E-Bike Touren bieten dabei nicht nur eine umweltschonende und sportliche Variante des Besuchs, sondern auch Informationen und Erklärungen zu Tierarten sowie dem dort geleisteten Tierschutz. 

Doch nicht nur die Fauna, sondern auch die Flora des ehemaligen Erzabbaugebiets begeistert. Verschiedene botanische Routen führen vorbei an vielen Strauch- und Baumarten, Erholungs- und Aussichtspunkten.

„Los Jardines“, zu Deutsch „die Gärten“, bezeichnen ein Naturgebiet im nordwestlichen Teil des Parks, welches aus einer Hügellandschaft mit kleinen Schluchten und Pfaden besteht, die eine Art Labyrinth aus Wanderwegen bildet.

Hinter dem Seelöwengehege befinden sich sogar noch Überreste der alten Bergwerkgebäude, welche nochmal deutlich machen, dass es dort vor etwa 30 Jahren noch ganz anders aussah.

Im Zeichen des Bergbaus

Auf den ersten Blick ist heute kaum noch vorstellbar, dass der nun vor Artenvielfalt strotzende Park von Römerzeiten an bis zum Ende der 1980er Jahre im Zeichen des Bergbaus stand.

Doch sieht man genauer hin, kann man die Spuren noch erkennen: die rötliche Erde, die teils zerklüfteten Hänge, Felsnadeln sowie auch die Überreste der Eisenbahnlinien, über welche das Erz damals zu den Aufbereitungsanlagen transportiert wird, sind auch heute noch vorhanden.

Als sich der Erzabbau nicht mehr lohnt, ist erst lange nicht klar, wie es mit dem Gebiet weitergehen soll. Obwohl die Idee des Tier- bzw. Naturparks erst umstritten ist, setzt sie sich letztendlich durch.

Mittlerweile gilt das Gebiet als einer der schönsten Parks in ganz Europa und ist ein gutes Beispiel dafür, wie sich menschlich überprägte Gebiete auch wieder renaturieren lassen und für den Einzelnen erlebbar gemacht werden können. 

Forschung, Artenschutz und Umweltbewusstsein

In Zusammenarbeit mit Forschungsgruppen von Universitäten, Zoos und Verbänden hat sich der Park dem Artenschutz verschrieben und auch schon einige Erfolge zu verzeichnen.

So beherbergt er zum Beispiel die größte Herde der gefährdeten afrikanischen Elefanten außerhalb Afrikas, Und auch bei den Braunbären wird im Bereich der Reproduktionstechnologie geforscht.

Dies sind nur ein paar Beispiele, mit denen der Park ein Exempel in Sachen Fortpflanzungsarbeit und Artenerhalt in Spanien statuiert. Er ist Mitglied der EAZA (Europäischer Verband der Zoos und Aquarien) und außerdem Teil von Programmen zum Schutz gefährdeter Arten (EPP).

Cabárceno bietet viele Möglichkeiten, sich über die Tiere und ihre Umwelt zu informieren. Neben Videos, die Groß und Klein auf einem 360º-Bildschirm die Region sowie die Besonderheiten des Parks näherbringen, gibt es auch pädagogischen Workshops für Kinder und sogar Incentives für Unternehmen.

Frühling ideal für einen Besuch

Wer Urlaub in Kantabrien macht, sollte sich neben der alpinen Bergwelt, dem Atlantik und den Altamira-Höhlen den Parque de la Naturaleza Cabárceno also nicht entgehen lassen.

Die beste Zeit dafür ist wohl der Frühling: Milde Temperaturen, gutes Wetter, keine Menschenmassen und dazu noch die Natur im wahrsten Sinne des Wortes aufblühen sehen – perfekte Bedingungen für einen Besuch.

Wen ein etwas vollerer Park nicht stört, der kann es dort auch im Sommer genießen. Auch in der kälteren Jahreszeit hat der Park geöffnet, jedoch ziehen sich viele der Tiere dann eher zurück und gutes Wetter ist nicht garantiert.

Zudem gelten viele der Veranstaltungen und Angebote wie Workshops, Greifvogelvorführungen und E-Bike Touren nur für die wärmeren Monate. Eine Ausnahme sind die nun in vierter Saison angebotenen Nachtausflüge durch den Park.

An zwölf Terminen von September bis Mitte Oktober werden Besucher von 20 bis 22 Uhr in einem Auto durch die Gehege von Wolf, Hyäne, Bison und Bär sowie auch einheimischen Tieren geführt und erhalten so die Chance, sich ein besonderes Bild der nächtlichen Aktivitäten einiger Parkbewohner zu machen.

Zum Abschluss jeder Tour gibt es sogar ein Picknick am Aussichtspunkt Rubía, spektakuläres Panorama inklusive.

Egal wann Sie sich für einen Besuch im Naturpark von Cabárceno entscheiden, bringen Sie auf jeden Fall genügend Zeit mit, um den Ort in Ruhe genießen zu können. 

Öffnungszeiten und Preise

Die angegebenen Zeiten beziehen sich auf den Eintritt. Der Aufenthalt im Park ist bis Sonnenuntergang möglich. Öffnungszeiten der Attraktionen innerhalb des Parks können davon abweichen
März bis November 9.30 bis 18 Uhr
November bis Februar Mo bis Fr 9:30–17 Uhr, Sa, So und Feiertag 9:30–18 Uhr
Preise je nach Saison
Erwachsene 20 bis 39 €
Jugendliche (11-16 Jahre) 10 bis 21,50 €
Kinder (4-10 Jahre) 6 € inkl. Seilbahn, sonst gratis
Kleinkinder bis 3 Jahren gratis

Die Autorin

Christine Barreteau liebt Sprachen und Tiere. Sie hat Kommunikation an der TH Köln studiert, war jahrelang Redakteurin eines Kölner Verlags und widmet sich inzwischen dem Bereich Online-Redaktion.