Totale Sonnenfinsternis auf Mallorca

Zwanzig Millionen Besucher kommen jedes Jahr nach Mallorca, weil die Sonne scheint. Am 12. August 2026 kommen sie, weil die Sonne verschwindet. 90 Sekunden Dunkelheit im Hochsommer auf der Sonneninsel.

von Alexander Gresbek (Text und Illustrationen)

Mallorca - Es klingt wie ein schlechter Witz auf einer Insel, die vom Sonnenlicht lebt: Am 12. August 2026, einem Mittwochabend mitten in der Hochsaison, schiebt sich der Mond vollständig vor die Sonne. Um 20:31 Uhr Ortszeit wird es über Mallorca dunkel. Nicht ein bisschen trüb, nicht leicht gedämpft. Dunkel.

Für rund 90 Sekunden verschwindet die Sonne komplett hinter dem Mond. Sterne erscheinen am Abendhimmel, die Temperatur fällt spürbar, und über den Stränden, auf denen sich normalerweise die letzten Sonnenanbeter räkeln, bricht eine Dämmerung herein, wie sie niemand dort erwartet.

Dann, so plötzlich wie sie kam, ist die Finsternis vorbei. Die Sonnenkorona leuchtet auf, das Licht kehrt zurück, und die Sonne sinkt kurz darauf ohnehin hinter den Horizont. 

An diesem Abend fallen Sonnenfinsternis und Sonnenuntergang fast zusammen. Wer nach oben schaut, sieht wenig später die ersten Sternschnuppen der Perseiden über den Himmel ziehen. Drei Himmelsphänomene in einer Nacht.

Warum Mallorca der beste Platz in Europa ist

Die gesamte Insel liegt im Pfad der Totalität – dem schmalen Streifen auf der Erdoberfläche, in dem die Sonne restlos verdeckt wird. Der Schatten des Mondes wandert an diesem Tag von Grönland über Island und Nordspanien bis nach Ägypten. Mallorca sitzt fast genau auf der Zentrallinie.

Im Norden der Insel, etwa bei Pollensa oder Alcúdia, dauert die völlige Dunkelheit bis zu 2 Minuten und 17 Sekunden. Im Süden, um Palma, sind es rund 96 Sekunden. Das klingt kurz. Wer schon einmal eine totale Sonnenfinsternis erlebt hat, weiß: Es fühlt sich länger an.

Die Minuten davor, wenn das Licht langsam kälter wird, die Schatten schärfer, die Vögel verstummen – das ist Teil des Erlebnisses. Und der Rahmen auf Mallorca ist kaum zu übertreffen: Die Sonne steht tief über dem westlichen Horizont, das Mittelmeer reflektiert das letzte Licht.

Im August ist der Himmel auf der Insel nahezu wolkenfrei. Die statistische Wahrscheinlichkeit für klare Sicht liegt bei über 90 Prozent.

Für Spanien ist das Ereignis historisch: Die letzte totale Sonnenfinsternis, die vom spanischen Festland sichtbar war, liegt über 120 Jahre zurück (1905). Die nächste in Europa kommt erst 2081. Auf Mallorca selbst war die letzte totale Finsternis 1925 zu sehen. Die nächste: 2168.

Wo die Finsternis auf Mallorca am besten zu sehen ist

Entscheidend ist freie Sicht nach Westen, denn dort steht die Sonne um 20:31 Uhr nur noch etwa 22 Grad über dem Horizont. Orte an der Westküste bieten die dramatischste Kulisse: Sant Elm, Port d’Andratx, Bañalbufar und Port de Sóller verbinden Meerblick mit dem richtigen Blickwinkel. An der Ostküste funktionieren erhöhte Standorte – Portocolom, Porto Cristo oder Cala Millor mit freiem Westhorizont.

In Palma empfiehlt sich der Parc de la Mar unterhalb der Kathedrale oder die Terrasse des Es Baluard Museums. Das Castell de Bellver bietet mit seinem 360-Grad-Panorama einen der spektakulärsten Aussichtspunkte der gesamten Insel. Wer es ruhiger will: Landstraßen im Inselinneren, Feldwege mit freier Sicht, die Hochebene um Randa – abseits der Massen, mit Platz zum Staunen.

Der historische Tren de Sóller hat ein Sonderprogramm aufgelegt: Zugfahrt ab Palma, Straßenbahn, Bootsausflug auf dem Meer vor Port de Sóller – Sonnenfinsternis vom Wasser aus. Preis: 220 €. Wer dieses Erlebnis in Betracht zieht, muss früh buchen.

Womit Mallorca Reisende rechnen müssen

Die Hotelpreise für die Nacht vom 12. August steigen bereits spürbar. Astronomiefans, sogenannte Eclipse Chasers, buchen Monate im Voraus. Bis zu einer Million zusätzliche Besucher werden auf der Insel erwartet.

Behörden, Hoteliers und Umweltschützer sorgen sich um Verkehrschaos auf den engen Straßen der Tramuntana, Beschädigungen in den UNESCO-geschützten Naturräumen und überfüllte Strände. Zusätzliche Werbung zur Anlockung weiterer Besucher wird bewusst nicht geschaltet – stattdessen setzt die Inselverwaltung auf Prävention.

Konkret heißt das: Früh buchen, sowohl Unterkunft als auch Mietwagen. Einen Beobachtungsstandort vorab auswählen und rechtzeitig anfahren – am Abend des 12. August werden alle gleichzeitig losfahren wollen. Proviant mitnehmen.

Und vor allem: Zertifizierte Sonnenfinsternisbrillen (ISO 12312-2) einpacken. Normale Sonnenbrillen schützen nicht. Während der partiellen Phase, also rund eine Stunde vor und nach der Totalität, ist der Blick in die Sonne ohne Schutz gefährlich. Nur in den 90 Sekunden der völligen Verfinsterung darf man die Brille absetzen.

Drei Finsternisse in 18 Monaten

Mallorca 2026 ist der Auftakt eines kosmischen Zufalls, den Astronomen das „Iberische Trio“ nennen. Am 2. August 2027, fast genau ein Jahr später, zieht eine weitere totale Sonnenfinsternis über Südspanien – mit über sechs Minuten Totalität, eine der längsten des 21. Jahrhunderts. 

Am 26. Januar 2028 folgt eine ringförmige Sonnenfinsternis über der Iberischen Halbinsel, der sogenannte „Feuerring“. Drei Finsternisse über Spanien in eineinhalb Jahren. Kein Ort liegt zweimal im Totalitätspfad: 2026 trifft es den Norden und die Balearen, 2027 den Süden.

Für Mallorca zählt der 12. August 2026. Ein Mittwochabend, an dem die Insel für 90 Sekunden das tut, was sie sonst nie tut: Sie wird dunkel.

Erklärung Sonnenfinsternis Mallorca

Warum gibt es nicht jeden Monat eine Sonnenfinsternis?

Die Umlaufbahn des Mondes ist etwa fünf Grad gegenüber der Erdbahn geneigt. Deshalb zieht der Mond meistens leicht oberhalb oder unterhalb der Sonne vorbei.
Nur wenn Neumond herrscht und Sonne, Mond und Erde exakt ausgerichtet sind, kommt es zu einer Sonnenfinsternis. Das passiert relativ selten.

Phase 1: Beginn der partiellen Finsternis. Der Mond „beißt“ scheinbar ein Stück aus der Sonne heraus. 
Phase 2: Immer größere Verdunkelung. Der sichtbare Teil der Sonne wird kleiner.
Phase 3: Totale Sonnenfinsternis
Der Mond bedeckt die Sonne vollständig. Jetzt wird es dunkel, Sterne erscheinen und die Sonnenkorona leuchtet.
Phase 4–5: Ende der Finsternis. Der Mond wandert weiter, die Sonne erscheint wieder vollständig.

Warum können Sonne und Mond gleich groß aussehen?

Die Sonne ist zwar etwa 400-mal größer als der Mond, aber auch ungefähr 400-mal weiter entfernt. Dadurch erscheinen beide am Himmel fast gleich groß – und genau deshalb kann der Mond die Sonne vollständig bedecken. Ohne dieses besondere Größenverhältnis gäbe es keine totalen Sonnenfinsternisse.

Wandernder Schatten

Der Weg des Mondschattens am 12. August 2026:
Der Schatten wandert:
• über den Atlantik,
• Island,
• Nordspanien,
• die Balearen 
• bis nach Ägypten.
Nur innerhalb dieses schmalen Streifens ist die totale Sonnenfinsternis sichtbar.
Mallorca liegt fast genau in der Mitte dieses Pfades – deshalb gehört die Insel zu den besten Beobachtungsorten Europas.

Sicherheitshinweis

Während der partiellen Phasen darf man niemals ungeschützt in die Sonne schauen. Normale Sonnenbrillen reichen nicht aus. Benötigt werden spezielle Sonnenfinsternisbrillen nach ISO 12312-2. Nur während der kurzen Phase der vollständigen Totalität darf man die Schutzbrille kurz abnehmen.

Quellen: timeanddate.de, NASA Eclipse Maps, Visit Palma (visitpalma.com), fotomagazin.de, arcona.de, Mallorca Magazin, idealista.com, 20 Minuten.

Der Autor

Alexander Gresbek lebt seit vielen Jahren an der spanischen Mittelmeerküste. Der Journalist und Buchautor befasst sich mit spanischer Kultur und Traditionen. Zu seinem aktuellen Titel Die Costa Blanca Für Kluge Köpfe (erhältlich bei amazon) hier die Buchrezension.

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