Kunsthandwerk aus Nordwestspanien

Santiago ist Hauptstadt einer Gegend, die uraltes Kunsthandwerk praktiziert. Bereits die Kelten fertigten hier Schmuck aus Gagatstein an, die Römer fanden viel Material zum Töpfern. Ab dem 16. Jahrhundert kam dann das Spitzenklöppeln hinzu. Und auf ersten Schwarzweißfotos ist zu sehen, wie Kinder bereits mit den heutigen üblichen Dudelsäcken posieren.

von Tobias Büscher

Hier die Tipps, wo es nordwestspanisches Kunsthandwerk in Läden und auch in Museen gibt. Auch das ist ein Wirtschaftsfaktor in Nordwestspanien:

Keramik

Die Geschichte der galicischen Keramik reicht von den keltischen Castros bis zur modernen Fabrik Sargadelos. Seit dem 19. Jahrhundert stellt das Unternehmen nördlich von Santiago das angesehenste Geschirr ganz Spaniens her.

In Pedro Almodóvars Film „Die Haut in der ich wohne“ taucht die Cerámica de Sargadelos ebenso auf wie auf dem Gabentisch bei Hochzeitsgeschenken. Krüge kosten schon mal bis zu 150 Euro, die beliebten Amulette wie die Figa (Schmale Hand) sind da viel günstiger. Und helfen gegen Liebeskummer und Schusseligkeit. In Santiago gibt es gleich mehrere Sargadelos-Läden.

Günstiger und viel einfacher ist die beige glasierte Buño-Keramik aus dem gleichnamigen Ort in Nordgalicien. Und wer Fantasiefiguren sucht, sollte sich mal bei Nacho Porto umsehen. Klassiker bei ihm sind seine Handyhalter und die Weißweinschalen.

Spitzenklöppler

Eindeutige Hochburg dieser Kunst ist Camariñas, ein Fischerort an der Todesküste Costa da Morte. Dort galt früher: Die Männer gingen aufs Meer, die Frauen klöppelten.

Längst ist das vorbei, doch ein Museum erinnert dort noch an die hohe Kunst. In Santiago gibt es einige Läden, die auf Stickereien spezialisiert sind, darunter Bolillos.

Dudelsäcke

Die Sackpfeifen sind der Klassiker der galicischen Musik. Und die beste Musikerin Susana Seivane ist Tochter von Dudelsackherstellern (seivane.es). Allerdings haben diese Gaítas, sofern sie denn echt sind, auch ihren Preis: um die 1500 Euro kosten sie.

Gagat

Pechschwarzer Gagatstein war als Schmuck schon bei den Kelten beliebt. In Santiago sind vor allem Souvenirshops damit prall gefüllt. Aber Vorsicht. So manche Fälschung aus billiger Braukohle ist im Umlauf. Den Unterschied erkennt man aber schnell: Gagatstein hat keine Risse, Braunkohle schon.

Das spanische Wort für Gagat ist Azabache (gesprochen: azabatche). Dieses fossile Holz entwickelte sich bereits vor 65 Millionen Jahren. Ein ziemlich alter Schmuck also ...
Zu finden:  In Shops und ausgestellt im Museo de Ponteverdra

Lederwaren nach Maß

José Villar arbeitet in Silleda nach der alten Tradition des Lederhandwerks. Halsbänder, Hüte, Pferdesättel, alles stellt er per Hand nach Maß her. Wer ihn hier in Galiciens Hinterland besucht: Klasse sind seine kleinen Geldbörsen mit eigenen Initialien, die er vor den Augen des Kunden anfertigt. Für 18 Euro. "Mega" meinte meine kleine Tochter, als wir ihn besuchten.

Adresse: Artesania 1924, Avenida del Parque 16, in der Kleinstadt Silleda, 14 km nördlich von Lalín, Tel. 986 58 01 88, Mo-Fr 10-14, 16-21 Uhr.