Sangría aus Spanien in einer Karaffe
Sangría ist jetzt eine geschützte Marke wie Cognac und Champagner, Foto tb

16.01.2014

Sangría ab jetzt made in Spain

Die EU hat entschieden: Sangría dürfen nur noch Spanier und Portugiesen so nennen. Das weinhaltige Getränk hatten deutsche Supermarktketten wie Aldi und REWE bislang gerne unter diesem Namen verkauft.

von Tobias Büscher

Aromatisiertes Wein-Mischgetränk, so sperrig heißt ab sofort die Sangría in unserem Supermarkt. Die EU hat verordnet: Nur noch Spanier und Portugiesen dürfen das Getränk als Sangría verkaufen. Zwar regelt eine Verordnung von 1991 bereits, dass dieses Getränk von der Iberischen Halbinsel stammt. Doch eine so strenge Herkunftsbezeichnung wie bei Cognac oder Champagner gab es bei dem Mixgetränk bislang nicht: zum Rezept

Alkoholgehalt auf 4,5 heruntergeregelt

Gleichzeitig hat das EU-Parlament den Alkohol-Mindestgehalt von 7 auf 4,5 gesenkt. Wie El País schreibt, freut sich der gesamte spanische Weinsektor über die neue Regel. Zwar darf jedes Land der Welt weiterhin einen Mix aus billigem Wein und Früchten herstellen, doch Sangría heißt das nun nicht mehr. Während für Portugal der vor allem der Portwein eine wichtige Marke ist, lieben Ausländer Sangría besonders als spanisches Getränk. Kurios allerdings: Während das süffige Getränk bei Touristen in Spanien bestens ankommt, trinken die Spanier selbst viel lieber Wein ohne Zusätze.

Bowle-Mix aus Wein, Früchten und Zucker

Seit 1972 gibt es in Spanien selbst eine Vorschrift. Danach darf echte Sangría nur Wein, Wasser, Früchte sowie etws Zucker enthalten (mehr). Viele mixen das bowleartige Getränk aber gerne mit etwas Brandy. Das jetzige EU-Gesetz zum Schutz der Herkunftsbezeichnung der Sangría gilt ab sofort. Anders als letzten Sommer werden Discounter wie Aldi das Getränk also nicht mehr als Sangría ab 1,29 Euro pro Liter verkaufen.


Sangría
Am 16.1.2014 fotografiert. Dieses Etikett wird es nicht mehr geben. Foto Tobias Büscher

Wie sinnvoll ist der Namensschutz für Sangría?

Wenig sinnvoll. Zwar wird die neue EU-Regel den Verkauf von Sangría aus Spanien leicht anheben. Andererseits: was steht da eigentlich unter Schutz? Sangría ist gemacht aus billigstem Rotwein, gelegentlich echten Obststücken und Zucker. Auch spielt keine Region auf der Iberischen Halbinsel eine Rolle als Sangría-Region, wie das bei Sherry in Andalusien der Fall ist, bei Cava in Katalonien und beim Rioja-Wein aus dem gleichnamigen Gebiet. Auch ist der Inhalt des bowleartigen Mix kaum nachvollziehbar. Bis jetzt war er sogar in Deutschland ohne genaue Inhaltsangaben im Handel, etwa bei REWE, siehe Bild oben.

Fazit: die EU hat wieder einmal ein Händchen für zweitrangige Entscheidungen getroffen, so sehr die Verordnung die Spanier selbst auch freuen mag.

Bewerte diese Seite

 
 
 
 
 
 
 
Bewerten
 
 
 
 
 
 
0 Bewertungen
0 %
1
5
0
 
zähl
Logo Werbepartner