Die Küche von Kastilien La Mancha

La Mancha – Rotes Gold, ein trauriger Ritter und blumiger Käse. Soweit zu den Klischees. Doch im Kernland Spaniens gibt es auch erstaunlich gute Köche, Tavernen und Rezepte.

La Mancha ist Teil eines Hochplateaus im Herzen Spaniens. Und ein Land der Extreme. Die Natur springt hier nicht zimperlich mit ihren wenigen – und überwiegend vierbeinigen – Bewohnern um. Nicht selten steigt das Thermometer im Sommer auf 40°C und mehr – und beschert der Mancha damit wochenlange Trockenheit und sengende Hitze. Zum "Ausgleich" dafür zeigt sich der Winter in dieser Region von seiner besonders rauen Seite mit Kälte mit eisigen Winden. 

Kein Ort für zarte Pflänzchen und Spielereien im Kochtopf. Aber für robuste Schafe, einen berühmt-traurigen Ritter und blühende Krokusteppiche! Bienvenido in der Heimat von Manchego-Käse, Don Quijote und dem "Fest der Safran-Rose". Und einer Küche, die aus allem das Beste macht.

Safran – das rote Gold der Mancha

Es klingt wie ein Märchen. Und doch gibt die Natur das farbenprächtige Schauspiel jedes Jahr im Oktober aufs neue in der wirklichen Welt: Auf dem kargen Boden der Mancha öffnen in der Nacht abertausende Safrankrokusse ihre Blüten und entfalten bis zum Morgenrot lila leuchtende und sanft duftende Teppiche von Toledo bis Albacete. Aber schon innerhalb von wenigen Tagen ist der Zauber wieder vorbei. Die kostbaren Blüten werden umgehend von Hand geerntet und damit beginnen die Safran-Bauern und ihre fleißigen Helfer in den ganz frühen Morgenstunden. Denn im Laufe eines einzigen Tages verlieren die wertvollen roten Narbenfäden, die durch Rösten zum teuersten Gewürz der Welt avancieren, ihren Geschmack.

200 Krokusblüten für ein Gramm Safran

Für ein Gramm Safran ziehen geübte Finger Fäden aus 200 Krokusblüten. Erklärung genug, für die hohen Preise von echtem Safran. Kein anderes Gewürz wird so oft ge- und verfälscht. Dabei legen Pfuscher einiges an Erfindungsreichtum an den Tag: Sie beschweren die Fäden mit Wasser oder öligen Flüssigkeiten und gaukeln somit ein höheres Gewicht und den gerühmten Glanz von Spitzensafran vor. Gemahlenem Safran mischen sie Blüten von Ringelblumen, Arnika und Färberdisteln bei. Sogar künstlich aromatisierte Rindenspäne, Paprika, Sandelholzpulver und Ziegelstaub fanden sich schon bei Proben in vermeintlich echtem Safran. Original Safran aus La Mancha ist doppelt einfach zu erkennen: Erstens ist er seit 2001 herkunftsgeschützt (D.O.). Und zweitens kommt er niemals gemahlen in den Handel.

Fest der Safran-Rose

Zum Abschluss der langen und harten Tage der Safran-Ernte wird die Fiesta de la Rosa del Azafrán in Consuegra gefeiert. Bewacht von den weißen Windmühlen, gegen die Don Quijote einst so mutig-verrückt ins Feld zog (elf der ursprünglich 13 stehen noch auf dem Hügel Calderico), kochen (mit Safran selbstverständlich), lachen, essen, trinken und tanzen die Bauern, ihre Familien und Gäste aus aller Welt. Beim Safranwettzupfen wird noch einmal Fingerfertigkeit unter Beweis gestellt und auch Neulinge können sich versuchen. Den Höhepunkt des Festes bildet die Wahl der Safran-Königin, die zu Ehren von Don Quijotes Herzdame zur Dulcinea de la Mancha gekürt wird.

 

Teil 2: Hoch leben die Schafe