Daniel Brühl und Schauspielerkollegen bei der 59. Ausgabe des Filmfestivals in San Sebastián 2011
Daniel Brühl (4.v.l.) mit Schauspielerkollegen bei der 59. Ausgabe des Filmfestivals in San Sebastián 2011

Daniel Brühl: Filmstar mit spanischen Wurzeln

Der Schauspieler Daniel Brühl sieht nicht besonders spanisch aus, und auch sein Name klingt typisch deutsch. Aber das täuscht. Denn er kam am 16. Juni 1978 in Barcelona als Daniel César Martín Brühl González Domingo auf die Welt. Ein Porträt.

Von Sarah Brender

Seine Mutter Marisa ist Katalanin und Lehrerin, Daniels Vater der deutsche TV-Regisseur Hanno Brühl. Aufgewachsen ist Daniel Brühl mit Spanisch und Deutsch in Köln. Auch in den Sommerferien fuhr die Familie oft nach Spanien, sein Bruder lebt heute in Barcelona. Mit acht Jahren fiel Daniel durch gutes Vorlesen auf und machte schon bald bei Hörspielen für den WDR mit. Er arbeitete  auch als Synchronsprecher. In der Schule spielte er Theater und sang in seiner Band gern auf Spanisch. Mit 16 Jahren hatte er sein TV-Debüt in „Svens Geheimnis" (1994). Später war er Zivi. Eine Schauspielschule besuchte er dagegen nie.

Good bye Lenin, Die fetten Jahre sind vorbei ...

1999 arbeitete er mit seinem Vater Hanno zusammen für „Hin und weg“, einem Fernsehfilm über zwei Jugendliche. Der Teenager-Thriller „Schlaraffenland“ (1999) mit Heiner Lauterbach und Franka Potente war Daniel Brühls Kinodebüt. 2001 spielte er einen Schizophrenen in "Das weiße Rauschen". Er erhielt unter anderem für seine Rolle in diesem Film 2002 den „Bayerischen Filmpreis" als bester Nachwuchsschauspieler und den „Max-Ophüls-Preis". Und so ging es weiter mit Rollen, unter anderem in „Good Bye, Lenin!" („Europäischen Filmpreis" und „César") und „Die fetten Jahre sind vorbei“.

Brühl im Film Colonia Dignidad 2016, Foto filmpresskit
Brühl im Film Colonia Dignidad 2016, Foto filmpresskit

Brühl schützt sein Privatleben

Die Schauspielerin Jessica Schwarz lernte Brühl 2001 bei den Dreharbeiten zum Film „Nichts bereuen“ kennen, doch nach fünf Jahren war Schluss. Erst 2011 wurde offiziell eine neue Frau an Daniel Brühls Seite vorgestellt: zur Premiere seines Films „Der ganz große Traum". Die brünette Felicitas ist zehn Jahre jünger als Brühl und damals Psychologie-Studentin aus Stuttgart. Immer wieder sieht man das Paar seither gemeinsam auf Preisverleihungen. Sein Privatleben zu schützen ist Daniel Brühl jedoch wichtig, in Interviews gibt er sich wortkarg. Eines hat er der Illustrierten „BUNTE“ 2011 aber doch verraten: Dass er sich mit Felicitas Kinder sehr gut vorstellen kann.

Mehr als Schwiegermutters Liebling

Daniel Brühl ist 1,76 Meter groß und wirkt mit seinen freundlichen braunen Augen trotz seines Alters noch wie der nette Junge von nebenan. Er hat durch vielseitige Rollen jedoch bewiesen, dass er mehr ist als Schwiegermutters Liebling. Denn nach dem großen Erfolg als treusorgender Sohn in „Good Bye, Lenin!“ blieben interessante Rollenangebote in Deutschland zunächst aus. Dafür drehte er immer mehr Filme in Spanien. Und dann hatte er echtes Glück. Kultregisseur Quentin Tarantino besetzte ihn wohl gerade aufgrund seines harmlosen Äußeren als Bösewicht für einen seiner Filme. In "Inglourious Basterds" (2009) spielte Brühl einen charmanten, wortgewandten und vermeintlich liebenswerten Soldaten, der sich am Ende als eiskalter Killer entpuppt.

Weintrauben zu Silvester, Tapas-Bar in Berlin

Seine spanischen Wurzeln sind Daniel Brühl wichtig. Er ist nicht nur Fan des FC Barcelona. Auch den Jahreswechsel verbringt er gerne mit traditionellem Weintraubenessen in Spanien. Seit Anfang 2011 betreibt Daniel Brühl zusammen mit einem Freund eine Tapasbar in Berlin Kreuzberg am Görlitzer Park. Dort gibt es klassische spanische Tapas wie patatas bravas oder pimientos del padrón, sowie spanische Weine. Javier Cáceres ist Spanien-Korrespondent der Süddeutschen Zeitung. Zusammen mit ihm veröffentlichte Brühl 2012 ein Buch über Barcelona.  Es heißt „Ein Tag in Barcelona“ und ist ein Reiseführer der persönlichen Art. Der Schauspieler stellt darin seine Lieblingsorte in der Stadt vor.

In San Sebastián gefeiert, für den Goya nominiert

Daniel Brühl war 2006 in der Kategorie bester Hauptdarsteller  für seine Rolle in dem düsteren spanischen Polit-Thriller „Salvador – Kampf um die Freiheit" für den Goya nominiert. Der Film handelt von der anarchistischen Gruppierung ML (Movimiento Ibérico de Liberación) zur Zeit der Franco-Diktatur in Spanien. Brühl spielt die Rolle des katalanischen Anarchisten Salvador Puig Antich. Dieser soll einen Polizisten getötet haben und wird deshalb hingerichtet. Auch wenn es für Brühl selbst bei der Nominierung blieb – der Film gewann den Goya-Filmpreis für das beste adaptierte Drehbuch. In dem Science-Fiction-Film „Eva“ (2011) des katalanischen Regisseurs Kike Maíllo spielte Brühl die Rolle des Alex Garel, eines Experten für Robotik, spezialisiert auf die Programmierung künstlicher Emotionen. Auch für diese Hauptrolle in „Eva“ wurde Daniel Brühl als bester Schauspieler für den Goya nominiert. Spanier kennen Brühl spätestens, seit er 2012 beim Filmfestival in San Sebastián teilnahm.

Bald auch ein Star in Hollywood?

Anfang 2014 gewann Daniel Brühl nach der Nominierung für seine Rolle des Niki Lauda im Film „Rush“ zwar keinen „Golden Globe". Aber auch in der Traumfabrik Hollywood läuft es gut für ihn. Im Moment dreht er mit Hollywood-Stars wie Bradley Cooper und Uma Thurman, Sienna Miller und Emma Thompson. Es sind Dreharbeiten für den John Wells-Film „Adam Jones“, eine in London spielende kulinarische Komödie. Der Chefkoch Adam Jones (Bradley Cooper) giert darin nach drei „Michelin“-Sternen.

Daniel Brühls Star-Status ist in Deutschland längst erreicht. Ob das auch in Hollywood klappt, und er in die Fußstapfen von Christoph Waltz treten wird? Der Deutsch-Österreicher stand für „Inglourious Basterds" schon gemeinsam mit Brühl vor der Kamera von Kultregisseur Quentin Tarantino und erhielt für diese Rolle einen seiner beiden Oscars. Was das schauspielerische Können angeht, hätte Daniel Brühl den Durchbruch in Hollywood längst verdient.

PS: Daniel Brühl ist auch 2016 wieder auf der Leinwand präsent. Im Spielfilm Colonia Dignidad.

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