Spaniens Weingebiet D.O. Rueda

170 km nordöstlich von Madrid liegt ein winziger Ort namens Rueda mitten auf der altkastilischen Hochebene. Nicht der Rede wert? Doch. Denn Weinkennern klingt der Name in den Ohren. Sie nennen ihn im gleichen Atemzug mit Verdejo, der Weißweintraube. Der Boom ist noch gar nicht so alt, doch die Rueda-Winzer haben inzwischen mehr zu tun als je zuvor.

von Tobias Büscher

Ältere Kastilier hätten sich das in ihrer Jugend niemals träumen lassen. Ihr Weingebiet mit dem unscheinbaren Namen Rueda war damals etwa so klein wie die Döberitzer Heide nahe Berlin. Konkret waren es 5380 Hektar, auf denen ein paar Straßen ein paar Ortschaften verbanden. Der passende FIlm dazu hätte "Niemandsland" heißen können.

Inzwischen  produzieren die Winzer dort über 90 Millionen Flaschen. Pro Jahr. Das Gebiet ist bereits auf 13.000 Hektar angewachsen und El País meldet: D.O. Rueda liefert 39 Prozent aller spanischen Weißweine mit der Herkunftsbezeichnung "Denominación de Origen" (D.O).

Kein Weingebiet in Spanien hat in letzter Zeit einen vergleichbaren Boom ausgelöst.

Das ganze nahm Fahrt auf, als ein gewisser José Peñín, Gründer der spanischen Weinbibel Guía Peñín, auf den Vino Blanco aufmerksam wurde. Er schwärmte von den Kies-Terrassen am Fluss Duero, vom kontinentalen Höhenlagen, von dem steinigen und sandigen Böden 800 Meter über dem Meeresspiegel.

Weißweintrauben in Mode: Verdejo und Albariño

Zuvor hatte sich bereits eine andere Gegend am Fluss Duero einen Namen gemacht: Bodegas wie Protos aus dem Anbaugebiet Ribera de Duero sind mit ihren Rotweinen schon lange die Lieblinge der Briten, Amerikaner und Deutschen.

Und Jahrzehnte galt den Spaniern der galicische Albariño-Weißwein rund um Cambados als die einzige Ribera-Variante in Weiß. Bei Hochzeiten kam zu Hummer und Languste nur er auf den Tisch. Verdejo war da noch im Winterschlaf.

Fachleute wie David Schwarzwälder priesen die Rueda-Gegend vor einiger Zeit noch als Geheimtipp. Sie schwärmen bei Weinverkostungen von der "Mineralität", von der "feinen Säurestruktur", vom "frischen, rassigen Geschmack". 

Der Rueda-Weißwein kommt aber längst auch bei denen an, die Wein nicht so gerne mit Winzervokabular beschreiben, sondern ihn einfach gerne trinken. Und sagen: Der kann was.

Fakt ist: Aus dem Geheimtipp ist ein Kassenschlager geworden. 

Rueda-Weine entstehen nicht nur aus Verdejo

Die einst vernachlässigte Verdejo-Traube ist  im Gebiet D.O. Rueda zwar wichtigster Bestandteil des Weins, manche Winzer geben aber noch etwas Sauvignon Blanc und Viura hinzu. Viele örtliche Bodegas wie Diez Siglos und Castelo de Medina bieten ihren Wein aber gerne aus einem Guss an: Entweder als Sauvignon Blanc oder eben als Verdejo. Dabei geht es nicht nur um den Geschmack. Sauvignon Blanc stammt ursprünglich aus dem französischen Loire-Tal. Verdejo aus der Rueda selbst.

Interessant auch: Der Preis der Rueda-Weißweine liegt unabhängig von der Traube zwischen 7 und 10 Euro. Die Albariño-Weine sind unter 10 Euro kaum zu haben.

Wahnsinnig ... guter Wein

Das Rueda-Gebiet ist aber nicht nur kulinarisch, sondern auch historisch ein Knaller. Aus zwei Gründen:

1. Am nördlichen Rand in der Kleinstadt Tordesillas haben Portugal und Spanien 1497 unter Regie des Papstes Lateinamerika unter sich aufgeteilt. Das Treffen in der Rueda ist eingegangen in die Geschichte unter dem Begriff "Der Vertrag von Tordesillas". Jedes spanische Schulkind kennt ihn.

2. In Tordesillas hat Sohn Karl seine Mutter Johanna (1479-1555) jahrzehntelang in einen Palast eingesperrt, damit sie ihm nicht den Thron wegschnappte. Sie ging als Juana la Loca in die Geschichte ein, als Johanna die Wahnsinnige Und Karl alias Carlos V. wurde der erste "rechtmäßige" König Spaniens.

Ob Juana gerne Weißwein trank? Wahrscheinlich schon. Auf jeden Fall sind heute ganze  Bodegas nach ihr benannt, darunter Juana la Loca. Inklusive dem Angebot "Juana la Loca, Edición Limitada".

In diesem Sinne Chin Chin (Prost). Gesprochen "Tschin Tschin". 


Weiterführende Links

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