Luis untersucht auf seiner Apfelweinplantage des Landhauses Cuartamenteru mit einem Verwandten die Blüten, tb
Luis untersucht auf seiner Apfelweinplantage des Landhauses Cuartamenteru mit einem Verwandten die Blüten, tb

22.05.2014

Sidra: Apfelwein aus Asturien

Er ist gelbgold, zuweilen herb und säurebetont. Kult ist er ohnehin. Die nordspanischen Asturier und auch die Basken produzieren den Sidra als Apfelwein. Er ist schon lange sehr beliebt und schmeckt erfrischend. Die Römer nannten den Sidra Pomaria, die Mauren Siserio. Vor allem die Art des Einschenkens macht das spanische Getränk außerdem zu einem echten Hingucker. Und auch ein Fest zu Ehren des Sidras gibt es: Anfang Juli im asturischen Ort Nava.



Asturien hat wunderbaren Blauschimmelkäse, besten Fisch und gutes Kalbfleisch. Doch kaum ein kulinarisches Produkt ist so berühmt wie der Apfelwein. Er gehört zu den Top-Getränken Spaniens. Die Regierung in Oviedo födert derzeit den Anbau. Und Unternehmen vom Kleinbauer Cuartamenteru bis zum Giganten Trabanco können sich vor Bestellungen kaum retten.

Sidra nach der anerkannten Herkunftsbezeichnung Denominación de Orígen DOP aus Asturien gibt es in den Varianten Sidra Natural Tradicional (nicht gefiltert) sowie Sidra Natural Nueva Expresión (gefiltert).

Sidra, Apfelwein aus Asturien
Apfelwein: einschenken akrobatisch im Llagar Sidra Trabanco, einer der großen asturischen Apfelweinhersteller, tb
Sidragegend auf der Spanienkarte
Asturien, wo Sidra entsteht, sb

Apfelwein in Reinkultur

Ein typisches Bild aus Asturien: Auf dem Boden der Taverne liegen Sägespäne. Es riecht nach frischem Holz und Äpfeln, genauer gesagt nach Apfelwein. Was ein wenig nach Scheune oder Lagerhalle klingt, ist in Wirklichkeit eine typische Sidrería mitten im nordspanischen Asturien. Hier wird Sidra ausgeschenkt, ja regelrecht zelebriert. Der Wirt entkorkt die Flasche, hebt sie mit einer Drehbewegung über den Kopf. In der anderen Hand hält er so tief wie möglich das Glas. Dann lässt er einen Strahl der goldenen Flüssigkeit aus fast einem Meter Höhe in das Gefäß strömen. Getrunken wird sofort, denn nur so landen die Luftperlen gemeinsam mit dem Apfelwein auf der Zunge. Andere wiederum, wie der Kellner oben im Bild im Restaurant von Trabanco, nutzen für das Einschenken einen regelrechten Metallschutz. Übrigens ist der Sidra im Vergleich zu Wein noch immer sehr preiswert. Die Flasche kostet rund 2.70 Euro, damit ist das Naturgetränk rund doppelt so günstig wie ein einfacher spanischer Wein.

Apfelwein einschenken: Akrobatik für den Sauerstoff

Zugegeben, ein bisschen Show ist dabei, aber das Einschenk-Ritual hat durchaus seine Berechtigung. Erst durch den Kontakt mit Sauerstoff entwickelt Sidra seine vollen Aromen. Im Gegensatz zur industriell hergestellten Variante hat der klassische Apfelwein keine Kohlensäure. Wenn er jedoch aus ausreichender Höhe ins Glas schießt, prickelt er für kurze Zeit. Das lässt ihn spritzig und frisch wirken. So wird aus einem schlichten Getränk mit wenig Charakter plötzlich ein Hochgenuss. Übrigens: neben dem klassischen Apfelwein gibt es auch den Sidra Espumosa mit 4,5 Prozent Alkohol, eine Art Sekt für Gourmets.

 

Apfelbaum blüht
Bienen sind wichtig für die Apfelbaumplantagen, tb
Apfelbaum in Asturien
Apfelbaum in Asturien, tb
Afpelwein eingießen vom Fass
Gut gemacht Chef! Trabanco-Apfelweinhersteller, tb

Der Most vergärt schnell

Die Geschichte des Sidra ist vermutlich fast so alt wie die des Weins. Apfelmost vergärt schnell und bringt in vielen Regionen Europas bereits die dafür geeigneten Hefekulturen mit. Germanen und Kelten kelterten aus Äpfeln ein berauschendes Getränk. Sicher hätten sie auch Wein hergestellt, aber in den nördlichen Regionen wuchs die Pflanze nur wild und trug kaum Früchte. Apfelbäume gab es hingegen in Hülle und Fülle. Meist wild versteht sich, und die Früchte waren klein und fast ungenießbar sauer.

Apfelsorten Clara, Ernestina und Prieta

Heute sind offiziell 22 Apfelsorten in Asturien zugelassen: relativ klein und süßsauer bis herb und mit klangvollen Namen wie Prieta, Teórica, Clara und Ernestina. Erst der Kellermeister macht aus der richtigen Mischung den perfekten Most. Im Herbst wird geerntet, dann reift das Gebräu in Kastanienfässern, um im Frühling trinkreif zu sein. Lange lagern lässt sich der Apfelwein allerdings nicht, denn nur frisch ist er ein Genuss. Das größte Apfelweinfest in der Region richtet übrigens das Städtchen Nava 44 km östlich von Oviedo aus: in der ersten Juliwoche des Jahres. (Tobias Büscher)

 



Weiterführende Links

 

Rezept Pixín a la Sidra

Oviedos Apfelweingasse

Asturien als Reiseziel

Asturiens regionale Kochkunst

Baskischer Apfelwein

Die 22 Top-Apfelsorten aus Asturien: www.sidradeasturias.es

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