Spaniens Kloster Carboeiro
Das einstige Benediktinerkloster Carboeiro im Landesinnern Galiciens ist ein Highlight der Architektur. Seit Enrique Iglesias hier einen Auftritt hatte, kennt das romanische Bauwerk sogar so ziemlich jeder Spanier. In Deutschland dagegen kaum jemand.
von Tobias Büscher
Mitten in der Natur, umgeben von Erlen, Stechpalmen und Korkeichen, liegt das Monasterio de San Lorenzo de Carboeiro. Iglesias kassierte 2015 satte 35.000 Euro für den Song Noche y de Día, den er im gewaltigen Innenraum der verbliebenen Kirche für einen regionalen Werbefilm einspielte.
Damals kamen Journalisten in Strömen, heute ist das Gebäude nahe dem Deza-Strom und der galicischen Stadt Lalín mit seinen Ottern und Forellen fast wieder ganz für sich allein. Jeder Parkplatz bei Aldi ist viermal so groß wie der Besucherparkplatz hier.
Reporter und Reisebuchautoren aus Deutschland haben den Bau kaum auf dem Schirm. Dabei ist das Kloster selbst für die schlimmsten Banausen ein Ereignis.
Erst Überfall, dann Verfall
Bereits 936 hatte ein Graf namens Gonzalo und seine Frau Teresa den Bau des Klosters in Auftrag gegeben. Die Arbeiten waren schon weit fortgeschritten, als die Truppen des Maurenfürsten Almanzor das heutige Gebäude von „nationalem Interesse“ schleiften.
Was ihnen aber nicht reichte. Sie stürmten auch die Kathedrale der nahegelegenen Stadt Santiago de Compostela und ließen die dortigen Glocken in die Mezquita von Córdoba bringen.
Im 11. und 12. errichteten die Baumeister das Kloster neu inklusive florierendem Klostergarten. Diesmal wesentlich größer, im Stil der galicischen Spätromanik. 1836 dann der nächste Schlag.
Als in Spanien der Besitz der Kirche an den Staat überging (Desamortisation), mussten auch die Benediktiner des Klosters Carboeiro gehen. In Folge verfiel das Kloster weitgehend und sah um 1930 so aus:

Architekturjuwel mitten in Galicien
Erst 40 Jahre später begannen die Aufbauarbeiten, auch auf Druck von namhaften Autoren wie Alvaro Cunqueiro, der eine seiner Geschichten hier spielen ließ. Die Ruine ist heute nach alten Plänen wieder zu einer Kirche geworden. Auch die Figuren am Eingang, die gestohlen waren, sind teils wieder angebracht.
Ein Paukenschlag ereignete sich dann im Frühjahr 2026: Ein Museum in Barcelona erklärte sich nach erdrückenden Beweisen dazu bereit, zwei romanische Figuren an das Kloster zu übergeben, für die es im jahr 1980 4500 Euro an einen Zwischenhändler ausgegeben hatte.

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