Spaniens seltene und bedrohte Tiere

Im Osten, Süden und Westen ist Spanien von Meer umgeben, im Norden durch die Pyrenäen von Frankreich getrennt – die geografische Lage der Iberischen Halbinsel hat die Ausprägung eigener Arten und Unterarten begünstigt. Doch einige sind in Gefahr.

von Anne Urbschat

Vom Auerhahn bis zur Echse, vom Wolf bis zur Wühlmaus. Hier ein Überblick über die selteneren Tiere Spaniens und die bedrohten Arten auf der Iberischen Halbinsel. Sie leben fernab von Krokodilfarmen, Safarizoos und Papageienparks. Sie leben frei. Aber die meisten von ihnen eben auch in großer Gefahr.

Iberischer Wolf

Spaniens Forscher Ángel Cabrera y Latorre entdeckte 1907 den Iberischen Wolf als eigene Unterart. Bis heute hält allerdings der Streit an, ob das Tier nicht doch zur gleichen Subspezies gehört wie der Eurasische Wolf. Für Cabrera y Latorre spricht: Der Canis lupus signatus ist besonders zierlich, leicht, hat schwarze Streifen an den Vorderläufen und weiße an der Schnauze bzw. den oberen Lefzen. Signatus bedeutet: markiert. Rund 2000 Iberische Wölfe soll es derzeit immerhin noch geben. Und während Spaniens Tourismus-Beauftragte mit ihm werben, machen andere Jagd auf ihn.

Eidechsen und Schlangen

Weniger bekannte Tiere Spaniens sind oft mindestens genauso bedroht wie Wolf, Bär & Co. Auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN stehen etwa zehn Schneckenarten, die ausschließlich in und an einigen wenigen Gewässern Spaniens leben. Ebenfalls rein spanisch sind beispielsweise der Valenciakärpfling, der Goldstreifen-Salamander und der Spanische Wassermolch. Die Spanische Gebirgseidechse ist eine von 17 endemischen Reptilienarten, ebenso die aus der Familie der Vipern stammende Nordiberische Kreuzotter. Mit etwa 60 cm Länge und hellbraunem Muster ähnelt sie einer gängigen Kreuzotter. Und Vorsicht, wer ihr zu nahe kommt. Ein Biss führt zu Schwellungen, Atemnot und im schlimmsten Fall zu Herzbeschwerden. Abhilfe schafft Antiserum im Krankenhaus.

Nachzucht von Wühlmaus und Pardelluchs

1906 benannte der britische Zoologe Oldfield Thomas die Cabrera-Wühlmaus nach seinem spanischen Kollegen Ángel Cabrera y Latorre (siehe oben). Das knopfäugige Nagetier ist nur auf der Iberischen Halbinsel heimisch. Heute gefährdet vor allem der Ackerbau den Bestand dieser monogam lebenden Art. Um ihre Nachzucht kümmern sich die sehr engagierten Tierpfleger des andalusischen Zoobotánico de Jerez. Dort kümmern sie sich auch um den bedrohten Pardelluchs, dessen Bestand den Tierschützern große Sorgen bereitet. 300 der Tiere soll es noch geben. Ebenfalls reine Iberer sind der Spanische Maulwurf, die Iberische Spitzmaus und der nachtaktive Pyrenäen-Desman. 

Castroviejo-Hase und Iberiensteinbock

Der Iberische Hase lebt über das gesamte Gebiet verteilt, der Castroviejo-Hase dagegen ausschließlich im Kantabrischen Gebirge. Seit 1977 erst ist er bekannt, doch Gewehrkugeln und Pestizide haben ihn heute schon auf die Rote Liste der IUCN  befördert.Weniger gefährdet ist der Iberiensteinbock Cabra Montés, von dem sich der inzwischen ausgestorbene Pyrenäensteinbock genetisch zwar unterschieden hat, äußerlich aber kaum: Das Fell war etwas dunkler und die Hörner der Männchen größer. Das letzte Weibchen dieser Art verstarb im Januar 2000.

Adler und Auerhähne in Spanien

Noch rund 600 Kantabrische Auerhähne leben in Asturien und Kantabrien. Bei Gefahr im Verzug rennen sie lieber statt zu fliegen. Die Nordspanier engagieren sich inzwischen in offiziellen Projekten für den Erhalt. Erst kürzlich sind drei in Gefangenschaft gezüchtete Exemplare ausgewildert worden.Auch von den Spanischen Kaiseradlern leben noch rund 600. Drei bis vier Brutpaare befinden sich derzeit in Portugal, die restlichen vor allem im andalusischen Nationalpark Coto de Doñana. Die IUCN listet die beiden Vogelarten trotz der geringen Zahlen nur als gefährdet.

Wildtiere kennen keine Staatsgrenzen

Die Tiere des spanischen Festlands sind von ihren europäischen Nachbarn nicht so isoliert wie etwa Inselpopulationen. Der Europäische Braunbär ist nicht nur in Kantabrien und den Pyrenäen heimisch. Doch die dortigen Populationen sind mit 230 bzw. 27 Exemplaren verschwindend gering. Gleiches gilt für mehrere Geierarten. Besonders alarmierend: Nur noch rund 180 Bartgeier fliegen durch die Lüfte. In Südspanien wiederum leben nur noch einige wenige Maurische Landschildkröten und die ebenfalls seltenen Chamäleons. Trauriges Schlusslicht bilden die 250 überlebenden Mittelmeer-Mönchsrobben. Ihr Bestand ist so gefährdet wie der kaum eines anderen Tieres im Mittelmeerraum.