Menschen auf dem Platz Puerta del Sol in Madrid, Spanien
Die Puerta del Sol ist der zentralste Platz Madrids, tb

Puerta del Sol: Der zentralste Platz Spaniens

Sonnentor heißt der zentrale Platz in Madrid, wo tags wie nachts viel los ist und sich unterirdisch die Metro- und Nahverkehrszüge kreuzen. Buchautor Tobias Büscher berichtet über seinen Lieblingsplatz.

Die Puerta del Sol ist das kommerzielle Zentrum und der Haupttreffpunkt der Stadt Madrid. In den hier beginnenden Laden- und Fußgängerzonen dominiert der Kaufhausgigant El Corte Inglés, und auch Ketten wie Zara können nur wenige der traditio­nellen Geschäfte standhalten. Ein Hauch des 19. Jahrhunderts spürt man noch im Casa de Diego in der Nummer 12. Seit 1858 verlässt man sich hier auf den Werbespruch "Mañana lloverá" („Morgen wird es regnen“), um den Verkauf der Regenschirme anzukurbeln. Wenn die stechende Sonne ab dem Frühjahr diesem Slogan jegliche Wirksamkeit nimmt, floriert der Handel mit den vielfältigen Modellen von Fächern.

Vom Café aus den Platz beobachten

Eine seltsame Mischung aus Vergangenem und Neuem findet man in der Konditorei Mallorquina, die direkt an der Ecke zur Calle Mayor liegt. Wäh­rend im Erdgeschoss die süßen Teilchen über die Verkaufstheke geschoben werden, lebt im oberen Stockwerk eines der Cafés aus der Zeit um 1900 weiter. Wer hier sitzt, dem fallen vielleicht auch die Schuhputzer auf, die sich fast täglich auf dem Platz einfinden, besonders gern direkt gegenüber dem Symbol des Stadtwappens, dem oso y madroño (Bär und Erdbeerbaum). Der hoch aufgerichtete Bär nascht erdbeerähnliche Früchte am Baum. Die Statue des Bildhauers Antonio Navarro Santafé (1903-1986) ist stolze vier Meter hoch und verbildlicht das eindrücklich, seit 1967.

Wenige Meter davon entfernt haben die Madrilenen ihrem Carlos III. ein Denkmal gewidmet: Schließlich hat der mächtige Herrscher und „beste Bürgermeister“ der Stadt das Gesicht des Platzes entscheidend mitbestimmt. Zum festen Bestandteil des Lebens auf der Puerta del Sol sind auch die Losverkäuferinnen geworden. Mit regelmäßigen Schreien „para hoy“, „für heute“ versuchen sie den Lärm der Menschenmenge und des Verkehrs zu übertönen. „Tengo el gordo“ („Ich habe den großen Gewinn.“) be­haupten sie alle und hoffen, Lottospieler anzu­locken.

Kilometerstein Null und Hype an Sylvester

Unterirdisch kreuzen sich hier Metrolinien und ein Nahverkehrszug. Viele Buslinien und die unzähligen Taxis sorgen für ständiges Fortkommen. Sternförmig beginnen zehn Straßen an der Puerta del Sol, von der aus auch alle Entfernungen der Nationalstraßen in das Land gemessen werden. Wenngleich sich der geografische Mittelpunkt des Landes etwa zehn Kilometer südlicher befindet, liegt der Kilometer Null seit 1950 direkt auf der Puerta del Sol und wurde damit zum verkehrstechnischen Nabel ganz Spaniens. Auf dem Trottoir vor dem ehemaligen Postgebäude Casa de Correos mit der Nummer sieben und dem heutigen Sitz der Regionalregierung Madrids ist er in Stein eingraviert.

 

Die Puerta del Sol spiegelt sich im Glasaufgang der Metro in Madrid
Puerta del Sol, Madrid © tb

Am Sonnentor

Das einstige Tor (puerta) mit einer Festungsanlage wurde 1539 im Kampf gegen die Regionalisten errichtet. Die Chronisten streiten sich über die Herkunft des Namens Puerta del Sol (Sonnentor). Fraglich bleibt, ob sie ihren Namen der Ausrichtung des Tores in Richtung Osten oder einer zur Dekoration der Festung aufgemalten Sonne verdankt.

Nach den Kämpfen um 1577 wurde das Tor beseitigt und der Platz von Grund auf neu strukturiert. Einige Gebäude riss man ab, es entstanden die ersten Wohnblocks rund um den Platz. 1766 begann der Bau des Postgebäudes, ein Jahrhundert später wurde der kleine Uhrturm mit der goldenen Glocke hinzugefügt. Genau 12 Sekunden vor Jahresende steht dieses Uhrtürmchen im Blickpunkt der ganzen Nation. Wer nicht selbst in der Silvesternacht auf den Platz kommt, dem wird die Uhr direkt über TV ins Wohnzimmer gesendet. Dann nämlich kommt es darauf an, zu jedem der 12 letzten Gongschläge des alten Jahres eine Traube zu essen. Symbolisch wird jede gegessene Traubenbeere zu einem guten Monat im neuen Jahr. Was auf dem Teller liegen bleibt, steht für schlechte Zeiten.

 

 

Weiterführende Links

 

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