Ostern: Streik an Spaniens Flughäfen
Streik, Protest, Rekordzahlen: Spaniens Tourismus-Sommer beginnt mit Chaos. An rund 20 spanischen Flughäfen legt das Bodenpersonal zu Ostern die Arbeit nieder. Gleichzeitig kündigen Mallorca und Barcelona neue Protestmärsche gegen Massentourismus an. Was Reisende jetzt wissen müssen.
Von Alexander Gresbek
Ausgerechnet wenn Millionen Deutsche zu Ostern nach Spanien fliegen, streiken an fast allen großen Flughäfen des Landes die Bodenabfertiger. Verspätungen und Gepäckprobleme sind wahrscheinlich. Und während die Buchungszahlen auf ein Rekordjahr zusteuern, wächst auf Mallorca, den Kanaren und in Barcelona der Widerstand gegen den Massentourismus. Lauter und koordinierter als je zuvor.
Streik zu Ostern: Wer betroffen ist und was droht
Das Bodenpersonal der Abfertigungsunternehmen Groundforce und Menzies hat für die Osterwochen Arbeitsniederlegungen an rund 20 spanischen Flughäfen angekündigt. Betroffen sind Madrid, Barcelona, Málaga, Valencia, Alicante, Mallorca und Ibiza – sowie die Kanarischen Inseln Gran Canaria, Lanzarote, Fuerteventura und Teneriffa. Die Beschäftigten sind zuständig für Check-in, Boarding, Gepäckverladung, Betankung und Reinigung. Ohne sie läuft am Boden nichts.
Die Streiktermine fallen direkt in die Hauptreisewelle: Groundforce legt ab dem 27. März stundenweise die Arbeit nieder, Menzies streikt vom 2. bis 6. April ganztägig. Hintergrund sind Lohnstreitigkeiten – die Gewerkschaften CCOO, UGT und USO werfen den Unternehmen vor, vereinbarte Gehaltstabellen zu unterlaufen. Die spanische Regierung hat einen Mindestbetrieb garantiert, die meisten Flüge dürften stattfinden. Mit erheblichen Verspätungen muss dennoch gerechnet werden.
Wer zu Ostern fliegt, sollte frühzeitig online einchecken, den Flugstatus täglich prüfen und wenn möglich nur mit Handgepäck reisen. Ein Streik des externen Bodenpersonals gilt rechtlich in der Regel als außergewöhnlicher Umstand – Fluggesellschaften müssen in solchen Fällen meist keine Entschädigungszahlung leisten. Verhandlungen laufen noch; eine kurzfristige Einigung ist nicht ausgeschlossen.
Rekordjahr mit Rissen
Knapp 98 Millionen ausländische Gäste kamen 2025 nach Spanien – so viele wie nie zuvor. 2026 soll die Marke von 100 Millionen fallen. Der Reiseindustrieverband Mesa del Turismo verweist auf steigende Flugkapazitäten und volle Buchungslisten. Ministerpräsident Pedro Sánchez sieht darin einen politischen Vertrauensbeweis: Spanien sei ein sicheres, offenes Land.
Wer dieser Tage durch Palmas Altstadt läuft, die engen Gassen von Barcelonas Gòtic-Viertel kennt oder auf Teneriffa die Mietanzeigen liest, versteht, warum viele Spanier den Jubel nicht teilen. Der Tourismus macht rund 13 Prozent des spanischen Bruttoinlandsprodukts aus – aber der Preis dafür tragen oft die, die keinen Hotelkonzern besitzen: Mieter, junge Familien, Einheimische, die aus ihren Vierteln gedrängt werden.
Das staatliche Meinungsforschungsinstitut CIS hat erhoben, dass 28 Prozent der Spanier die Wohnungsnot für drängender halten als Arbeitslosigkeit oder politische Instabilität. Laut der Organisation Provivienda sind über 5,5 Millionen Haushalte direkt von den Folgen betroffen.
Mallorca, Ibiza, Kanaren: Protest vor der Hochsaison
Dass die Stimmung zu Ostern eskalieren würde, war absehbar. Die Bürgerplattform Menys Turisme, Més Vida (Weniger Tourismus, mehr Leben) ruft für den 5. April zu einem Protestmarsch in Palma auf – das Motto lautet: Schluss mit dem Immobiliengeschäft. Auf Ibiza ist eine ähnliche Veranstaltung geplant. Im April treffen sich zudem 15 Aktivistgruppen aus Spanien, Portugal, Italien und Frankreich in Barcelona, um ihre Strategien zu koordinieren. Der Konflikt hat eine europäische Dimension angenommen.
Margalida Ramis von der Umweltorganisation GOB bringt die Frustration vieler auf den Punkt: Die Regierung rede über Regulierung, handle aber nicht. Das eigentliche Problem sei nicht, dass die Menschen verärgert seien – sondern dass der Tourismus das verträgliche Maß überschritten habe. Ein weiteres Rekordjahr werde daran nichts ändern.
Airbnb und der leergefegter Wohnungsmarkt
Im Kern des Streits steht die Plattformökonomie. Wer eine Wohnung in Barcelona, Palma oder Valencia besitzt, kann über Airbnb oder Booking.com in einer Woche das einnehmen, was ein Langzeitmieter im Monat zahlt. Wohnraum verschwindet aus dem regulären Markt, Mieten steigen, gewachsene Stadtviertel verändern sich innerhalb weniger Jahre.
Barcelona hat als erste europäische Großstadt in diesem Ausmaß reagiert: Die Stadt entzieht bis Ende 2028 allen rund 10.000 zugelassenen Ferienwohnungen die Lizenz. Bürgermeister Jaume Collboni begründet das mit konkreten Zahlen – Mietpreise sind in zehn Jahren um fast 70 Prozent gestiegen, Kaufpreise um etwa 40 Prozent. Wer sich das nicht leisten kann, verlässt die Stadt.
Málaga geht einen anderen Weg: In 43 Stadtvierteln, in denen Ferienwohnungen mehr als acht Prozent des Wohnungsbestands ausmachen, sind seit Januar 2026 keine neuen Kurzzeitvermietungen mehr erlaubt. Die Regelung gilt zunächst drei Jahre. Spaniens Verbraucherschutzminister Pablo Bustinduy hat sich grundsätzlich für ein härteres Vorgehen gegen Plattformen wie Airbnb ausgesprochen – auch wenn die Zuständigkeit primär bei den Städten und Regionen liegt.
Was bleibt, wenn der Andrang nicht nachlässt
Nicht jede Form des Protests findet Verständnis. Als Aktivisten in Barcelona Gäste in Straßenrestaurants mit Wasserpistolen bespritzten, reagierte die Tourismusbranche scharf. Exceltur-Präsident José Luis Zoreda warnte, das Image Spaniens leide, wenn internationale Medien den Eindruck vermittelten, Einheimische lehnten Besucher grundsätzlich ab. Der Tourismus schaffe Millionen Arbeitsplätze, auf Mallorca stammen über 40 Prozent des Gesamteinkommens aus der Branche.
Tourismusminister Jordi Hereu hat die Lage nüchtern beschrieben: Man werde Reisenden nicht verbieten zu kommen – aber man könne das touristische Angebot regulieren. Wie das in der Praxis aussieht, bleibt die offene Frage dieser Saison. Spanien steckt in einem Widerspruch, den keine Kampagne auflöst: Das Land ist gefragter denn je – und steht gleichzeitig vor der Frage, was davon übrig bleibt, wenn der Tourismus das Alltagsleben seiner Bewohner aushöhlt.
Der Autor
Alexander Gresbek lebt seit vielen Jahren an der spanischen Mittelmeerküste. Der Journalist und Buchautor befasst sich mit spanischer Kultur und Traditionen. Zu seinem aktuellen Titel Die Costa Blanca Für Kluge Köpfe (erhältlich bei amazon) hier die Buchrezension.
Städte am spanischen Mittelmeer





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