Elena Anaya: vom Kirschbaum auf die Leinwand

Jede spanische Schauspielerin wäre gerne einmal eine „Chica Almodóvar“, eine Muse des Kultregisseurs. Elena Anaya ist das gelungen. Im Film „Die Haut in der ich wohne“ spielt die Frau aus Palencia sogar die weibliche Hauptrolle.

von Markus Janotta

Elena Anaya kam 1975 in Palencia als jüngstes von vier Kindern zur Welt. Ihre Eltern trennten sich früh. Schon in der Schule fiel das grazile Mädchen durch eine physiologische Besonderheit auf: Sie hat zwei verschiedenfarbige Augen. Eines ist braun, das andere grünbraun. Ein Gynäkologe hatte ihr Nervensystem mit seiner Geburtszange verletzt. Elena trug als kleines Kind deshalb eine Augenklappe, die sie bunt anmalte. Sie kletterte auf einen Kirschbaum und wartete dort auf Elefanten, wie sie ihrer Mutter erklärte. Aus dem Kirschbaum ist inzwischen die Leinwand geworden. Schauspielerei, so scheint es, dient ihr als lebenslanger Selbstschutz.

Filmpreise und maßgeschneiderte Rollen

Spaniens Stern am Filmhimmel brillierte schon 2001 in einer Nebenrolle im Drama „Lucia und der Sex“. Sie war für mehrere Filmpreise nominiert und bekam schließlich den Goya des spanischen Schauspielverbands. Die schöne, talentierte Anaya begann ihre Karriere im Jahr 1995 mit dem Kurzfilm "Adiós Naboelk". Nach „Lucia und der Sex“ war sie in Pedro Almodóvars "Sprich mit ihr - Hable con ella" (2002) zu sehen. Es folgten einige Charakterrollen im Genre des filmischen Dramas, bis sie 2004 auch international den Durchbruch schaffte: Als Aleera, eine der Dracula-Bräute im Horrorstreifen „Van Helsing“. Anaya lebt mit ihrer Freundin die meiste Zeit in Spanien. Über ihr Privatleben erfährt die Öffentlichkeit bewusst sehr wenig, damit sie „jede Rolle möglichst vorurteilsfrei akzeptiert“, wie sie einmal sagte.

 

Die Haut in der sie wohnt

Im Werk des spanischen Kultregisseurs Pedro Almodóvar, „Die Haut in der ich wohne“ scheint ihr die Rolle geradezu auf den Leib geschnitten zu sein (zum Film). Über allem steht die Frage nach der menschlichen Identität und ihrer Verletzbarkeit – meine Haut ist meine Identität, mein einmaliger Fingerabdruck. Das erinnert stark an Anayas eigenes Schicksal. Vielleicht setzt sie die Rolle auch deshalb so grandios um. Doch Elena Anaya ist vielseitig genug, auch andere Genres zu lieben: In Justin Timberlakes erfolgreichem Musikvideo Sexy Back spielt sie eine Geheimagentin, die vom Hauptdarsteller durch die ganze Barcelona verfolgt wird.

 

Der Autor

Markus Janotta hat Jura an der Universität zu Köln studiert und als Diplomjurist abgeschlossen. Er verfasste bereits redaktionelle Beiträge für die Kundenzeitschrift "Anwaltsreport" der Anwalt-Suchservice GmbH im Verlag Dr.Otto Schmidt, Köln. Gutes Kino begeistert ihn, insbesondere die Filme von Michael Mann und Alejandro González Iñárritu.